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Ernährung: Irrtümer rund um die Milch

Diät  

Macht Milch dick?

20.11.2007, 14:04 Uhr | cme

Beim Thema Milch scheiden sich die Geister. Während die Milchindustrie sie als unverzichtbares Nahrungsmittel vor allem für Kinder anpreist, wettern Milchgegner massiv gegen das Kuhprodukt. Sie mache dick, verursache Krebs und löse Allergien aus, so die Argumente. Doch vieles, was als Beweis für oder gegen die Milch ins Feld geführt wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als falsch. Milchprodukte enthalten teilweise große Mengen an tierischen Fetten. Doch macht Kuhmilch tatsächlich dick? Kalzium ist wichtig für die Knochen. Aber müssen wir deshalb täglich Milch trinken? Und ist H-Milch schlechter als frische Milch? Wir haben bei Prof. Jürgen Schrezenmeir von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel nachgefragt.

Dickmacher oder Knochenhärter? Irrtümer rund um die Milch

Kein Dickmacher

Zu viel Fett macht dick, das gilt in der Ernährungswissenschaft als erwiesen. Tierische Fette gelten als besonders ungesund, da sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Doch ganz so einfach scheint die Rechnung nicht zu sein, zumindest was Milch betrifft. So zeigt eine aktuelle Studie an 800 italienischen Grundschülern, dass Milchtrinker im Durchschnitt schlanker sind. Auch Prof. Schrezenmeir bestätigt: "Milchverzehr geht mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes einher". Zwar sind die genauen Zusammenhänge noch nicht erforscht. Dennoch scheinen die gesundheitlichen Vorteile von Milch zu überwiegen.

Wer Milch meiden sollte

Milchgegner argumentieren häufig mit der schlechten Verträglichkeit des Kuhproduktes. Tatsächlich vertragen 80 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung keinen Milchzucker, weil ihnen das zuständige Enzym fehlt. In Deutschland sind davon allerdings nur rund 14 Prozent der Erwachsenen betroffen - und nicht jeder entwickelt ernsthafte Symptome. Anders sieht es bei einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß aus. Nach Angaben von Prof. Schrezenmeir entwickelt etwa ein Prozent aller Erwachsenen diese Allergie. Dann allerdings muss auf Milcheiweiß völlig verzichtet werden, um eine allergische Reaktion zu vermeiden. Milchprodukte vorsorglich generell wegzulassen hält Schrezenmeir dagegen für wenig sinnvoll: "Dann müsste man auch auf andere hochallergene Lebensmittel wie Fisch, Obst, Nüsse und vieles mehr verzichten", so der Experte.

Starke Knochen auch ohne Milch

Wer Milch verträgt, darf das weiße Getränk und Erzeugnisse daraus also bedenkenlos genießen. Die Produkte enthalten hochwertiges Eiweiß, Mineralstoffe sowie beachtliche Mengen an Vitamin A und der Vitamingruppe B. Die Bedeutung des hohen Kalziumgehaltes für die Knochen wird allerdings häufig überschätzt. Seit Jahrzehnten wird das Kuhprodukt von Milchbefürwortern als unverzichtbar für starke Knochen angepriesen. Zwar ist der Kalziumgehalt des weißen Getränks tatsächlich beachtlich. Doch kein Mensch muss brüchige Knochen befürchten, nur weil er auf Milch verzichtet. Denn an der Osteoporose (Knochenschwund) sind zahlreiche Faktoren beteiligt. Für die Stabilität der Knochen zählen auch anderen Faktoren, vor allem ausreichend Bewegung. Wer keine Milchprodukte verträgt oder aus anderen Gründen darauf verzichtet, sollte allerdings darauf achten, genügend Eiweiß und fettlösliche Vitamine aus anderen Lebensmitteln zu sich zu nehmen.

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