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"Metabolic Balance": Ist Blut der Schlüssel zur Traumfigur?

Die neue Trend-Diät  

"Metabolic Balance": Ist Blut der Schlüssel zur Traumfigur?

10.06.2011, 09:04 Uhr | dapd

"Metabolic Balance": Ist Blut der Schlüssel zur Traumfigur?. Metabolic Balance: Das Blut soll Aufschluss darüber geben, was der Körper verträgt. (Foto: imago)

Metabolic Balance: Das Blut soll Aufschluss darüber geben, was der Körper verträgt. (Foto: imago)

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die Bikini-Saison. Schnell müssen noch ein paar Pfunde weg, damit der perfekte Auftritt am Strand garantiert ist. Die neue Trend-Diät "Metabolic Balance" verspricht Hilfe und setzt, abhängig vom jeweiligen Stoffwechsel, auf einen maßgeschneiderten Ernährungsplan. Die eigenen Blutwerte sind dabei angeblich der Schlüssel zur Traumfigur. Die Pfunde purzeln, doch das Konzept ist trotzdem umstritten.

Teures Diätkonzept

Warum der eine Abspeckwillige mit Mozzarella und Mango, der andere mit Hüttenkäse und Kiwi zum Ziel kommen soll, bleibt Betriebsgeheimnis. Klar ist nur, dass die Diät immer mehr Fans findet, richtig teuer und heftig umstritten ist. Experten halten das Konzept für wissenschaftlich nicht haltbar. Ab 300 Euro aufwärts zahlen Abnehmwillige für die Teilnahme an der Schlankheitskur, die laut Eigenwerbung "von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern entwickelt" wurde. Für eine längerfristige Betreuung - in der Regel beim Ernährungsberater - fallen schnell 800 Euro und mehr an.

Fragebogen und Blutabnahme

Gestartet wird mit einem Fragebogen zu persönlichen Ess-Vorlieben. Danach wird Blut abgenommen. Ein Vertragslabor der Metabolic Balance-Anbieter bewertet rund 35 Parameter, vom Leberenzym über Kalzium- und Blutfettwerte. Für sein Geld bekommt der Teilnehmer dann jede Menge strenger Essensvorschriften, zum Beispiel täglich nur drei Mahlzeiten einnehmen, immer mit Eiweiß beginnen, Obst nur zum Dessert, unbedingt fünf Stunden Pause einhalten, nach 21 Uhr nichts mehr essen und viel Wasser trinken. Der Fokus liegt auf einer Liste mit "erlaubten" Lebensmitteln, die angeblich auf Basis des eigenen Stoffwechsels ausgewählt wurden.

Experten rätseln über das Konzept

Wie das Blut letztlich den Ernährungsplan bestimmt, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Nicht einmal die Betreuer wissen Genaueres. Für Hannelore Daniel, Professorin für Ernährungsphysiologie an der Technischen Universität München, ist das Konzept auf keinen Fall wissenschaftlich belegt wie von den Anbietern behauptet. Der Erfolg gebe den Anbietern zwar Recht, sagt die Forscherin, die die Zusammenhänge zwischen "metabolischem System", also dem Stoffwechsel, und der Ernährung seit Jahren untersucht. Wie aber das Abspecken mit dieser Diät funktionieren soll, "kann ich nicht verstehen", sagt sie. Ihre noch junge Forschungsrichtung Metabolomics stecke erst in den Kinderschuhen - auch wenn es immer mehr Hinweise dafür gebe, dass jeder Mensch Nahrung ganz individuell verdaue und verwerte. Der Weg hin zu persönlichen Ernährungsplänen sei noch sehr weit. "Ich bin ziemlich sicher, dass es auf der Welt keinen Kollegen in diesem Feld oder aus verwandten Bereichen gibt, der diese Diät erklären kann", ist Daniel überzeugt.

Karger Speiseplan lässt Pfunde purzeln

Verbraucherschützer halten die teure Mode-Diät ebenfalls für fragwürdig. Und die Vermarktung für pseudowissenschaftlich: Es sei überhaupt kein Wunder, dass man dabei abnehme, sagt Martin Hofmeister, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Wer mitmacht, bekommt nur wenig Fett und Kohlenhydrate zu essen, dafür aber reichlich Eiweiß und Gemüse. "Das ist im Grunde eine Low-Carb-Diät mit sehr eingeschränktem Speiseplan, Kasteien ist ein Muss", betont der Fachmann. Dass die Pfunde bei so wenig Kalorienzufuhr purzelten, sei alles andere als ein Wunder.

Risiko Jojo-Effekt

Wie "Metabolic Balance" letztendlich wirkt, scheint vielen Abspeckwilligen egal zu sein. Das geheimnisumwitterte Konzept boomt, das Interesse sei immens, berichtet Hofmeister. Lizenzen würden in viele Länder der Erde verkauft. Wer viel Geld dafür ausgibt, bringt offenbar auch genügend Selbstdisziplin auf, den strengen Plan zumindest eine Weile lang durchzuhalten. Hauptsache, es macht schlank. "Der Jojo-Effekt ist aber fast schon programmiert", weiß Hofmeister aus Erfahrung. Nur die wenigsten könnten die wenig abwechslungsreiche Kost mit 1.000 bis 1.500 Kilokalorien am Tag auf Dauer durchhalten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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