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So werden Verbraucher bei Portionsgrößen getäuscht

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Irreführende Lebensmittel-Angaben  

So werden Verbraucher bei Portionsgrößen getäuscht

29.04.2018, 15:34 Uhr | AFP, dpa

So werden Verbraucher bei Portionsgrößen getäuscht.  (Quelle: imago/imagebroker/bergsteiger)

Wer kennt das nicht: Kaum hat man die Tüte aufgemacht, sind die Chips auch schon fast weggefuttert. Als eine Portion sind auf der Packung aber in der Regel nur 30 Gramm angegeben. Im Durchschnitt wird jedoch mehr als das Doppelte verzehrt. (Quelle: imagebroker/bergsteiger/imago)

Nur 25 Gramm Cornflakes zum Frühstück oder 100 Gramm Spagetti als Hauptmahlzeit – wundern Sie sich auch manchmal, warum Sie viel mehr essen, als auf der Verpackung von Lebensmitteln angegeben ist? Hersteller schummeln nämlich mit den Portionsgrößen. Agrarministerin Julia Klöckner und Verbraucherzentralen fordern daher realistische Portionsangaben auf Verpackungen.

Im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes kommt es auf ausgewogenes Essen an – nicht nur für Kinder. Doch wie gut sind "Zuckerbomben" zu erkennen? Julia Klöckner, Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, will Etiketten schärfer in den Blick nehmen.

Klöckner setzt auch auf klarere Lebensmittelkennzeichnungen, um eine gesündere Ernährung voranzubringen. "Schönrechnen und Schönreden darf nicht sein", sagt die CDU-Politikerin. Bei Klarheit und Wahrheit von Informationen auf den Packungen sei aber "noch Luft nach oben" – etwa bei Nährwertangaben für bestimme Portionsgrößen. Zum Beispiel hätten Angaben, was eine Portion Cornflakes oder Müsli sein solle, "oft nicht viel mit einem realistischen Verzehrverhalten zu tun". Verbraucherschützer kritisieren seit langem, dass Hersteller zu kleine Mengen angeben, für die ein Kaloriengehalt genannt wird.

Julia Klöckner: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin will sich die Angaben auf Lebensmittelverpackungen vornehmen. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Julia Klöckner: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin will sich die Angaben auf Lebensmittelverpackungen vornehmen. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Portionsangaben stimmen selten mit den Essgewohnheiten überein

Laut einer 2017 von den Verbraucherzentralen veröffentlichten Umfrage stimmen die freiwilligen Portionsangaben der Hersteller häufig nicht mit den tatsächlichen Essgewohnheiten überein. Verbraucher essen meistens deutlich mehr als die Menge, die als Portion auf Lebensmittelverpackungen angegeben ist. Tatsächliche Portionen sind mehr als doppelt so groß wie die angegebene Menge auf den Verpackungen. Die meist zu klein angegebenen Portionen suggerierten den Verbrauchern geringe Zucker- und Fettwerte.

Hersteller tricksen ihre Produkte gesund

"Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit den Mini-Portionen gesund", kritisiert Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft eine große Lücke."

Wie die Verbraucherzentralen bei ihrer nicht repräsentativen Befragung herausfanden, aßen die Teilnehmer im Durchschnitt beim Müsli eine Portionsgröße von 81 Gramm, während auf der Verpackung 40 Gramm als Portion angegeben waren. Bei Chips wurden durchschnittlich 63 Gramm verzehrt, auf der Packung stand als Portionsgröße 30 Gramm.

Bessere Kennzeichnung für eine gesündere Ernährung

Klöckner betont: "Ich will weder Geschmackspolizei sein noch jemandem vorschreiben, was er täglich essen soll. Da ist in einer freien Gesellschaft schon jeder selbst verantwortlich. Aber mit besseren Informationen auf der Verpackung und Ernährungsbildung will ich den Rahmen schaffen, dass man leicht eine gesunde und gute Wahl treffen kann."

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, das System der Nährwertkennzeichnungen für verarbeitete Produkte zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Vorgeschrieben ist eine Tabelle, in der unter anderem der Gehalt an Zucker, Fett und Salz pro 100 Gramm genannt werden muss. Daneben sind Angaben für "Portionen" möglich, bei denen Hersteller selbst festlegen können, wie viel Gramm dies sind.

Visualisierung ja, Ampelkennzeichnung nein

"Wir müssen Angaben zu Nährwerten auch so visualisieren, dass eine Vergleichbarkeit da ist – aber ohne zu simplifizieren", sagt Klöckner. Eine von Verbraucherschützern und SPD favorisierte Ampelkennzeichnung in den Farben Rot, Gelb und Grün je nach Gehalt an Zucker, Salz und Fetten hat sie daher bereits abgelehnt.

Die Ministerin bekräftigt zudem, mit einer "Innovationsstrategie" zu weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zu kommen. "Die Politik hat keine Rezepturen vorzuschreiben oder zu genehmigen." Sie wolle aber mit der Branche besprechen, welche Strategien möglich seien und dann in Selbstverpflichtungen auch überprüfbar festgelegt werden könnten.

"Die Industrie weiß, dass es mir ernst ist", betont die Ministerin. Laut Koalitionsvertrag soll noch 2018 ein Konzept erarbeitet werden. Ein erster Anlauf dafür noch in der alten großen Koalition hatte massive Proteste der Branche ausgelöst, auch wenn manche Hersteller selbst ähnliche Programme gestartet haben.

"Ich will, dass auch der Dorfbäcker mithalten kann"

"Reduktionen von Salz, Zucker und Fett können sicher nicht von heute auf morgen umgesetzt werden", sagt Klöckner. Denn Geschmack sei etwas sehr Prägendes, und Verbraucher hätten sich an bestimmte Zusammensetzungen gewöhnt. "Die Veränderungen müssen deshalb Schritt für Schritt vorgenommen werden."

Geachtet werden müsse zudem auf Machbarkeit und die Folgen gerade für das Handwerk. "Große Lebensmittelunternehmer können es sich leisten, an neuen Rezepturen zu forschen. Das ist für den Mittelstand viel schwieriger", erläutert die Ministerin. "Ich will, dass auch der Dorfbäcker mithalten kann."

Verbraucherzentralen fordern: Portionsangabe weglassen

Verbraucherzentralen forderten bereits im vergangenen Jahr die Hersteller auf, bei nicht eindeutig portionierbaren Lebensmitteln wie Chips oder Müsli ganz auf Portionsangaben zu verzichten. Lediglich bei einem Riegel, einer Scheibe oder einem Becher könnten die Angaben sinnvoll sein. An der Umfrage nahmen rund 1.500 Menschen teil. "Willkürlich gewählte Portionsgrößen verwirren statt zu informieren", kritisieren die Verbraucherzentralen.

Portionsangaben beim Abnehmen

Die Angabe einer Portion hat auch einen psychologischen Effekt. Wer denkt, allein mit Selbstdisziplin sein Essverhalten steuern zu können, irrt. So zeigen verschiedene Experimente, dass Menschen meist versuchen, das aufzuessen, was sie auf den Teller oder den Löffel bekommen. Umgekehrt heißt das: Wer abnehmen will, sollte sich möglichst nur kleine Portionen in Sichtweite stellen. Trick: Von kleinen Tellern essen. Dann schöpft man nicht so viel drauf.

Verwendete Quellen:
  • AFP
  • dpa

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