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Orthorexia nervosa: Der Zwang, gesund zu essen

Orthorexia nervosa  

Gesundes Essen kann zum Zwang werden

27.07.2011, 14:10 Uhr | ag

Orthorexia nervosa: Der Zwang, gesund zu essen. Orthoretiker sind besessen von gesunder Ernährung und machen anderen oft ein schlechtes Gewissen. (Foto: imago)

Orthoretiker sind besessen von gesunder Ernährung und machen anderen oft ein schlechtes Gewissen. (Foto: imago)

Sie kaufen ihr Gemüse im Bio-Laden, essen nur Vollkornbrot und trinken Kräutertee statt Alkohol. Für Fast-Food-Fans haben sie nur verächtliche Blicke übrig und auf Partys gelten sie als Spaßbremsen. Menschen, die an Orthorexia nervosa leiden, essen grundsätzlich nur Gesundes - und haben trotzdem ein Problem. Sie sind auf gesundes Essen fixiert und handeln zwanghaft. Sieben Anzeichen für Orthorexia nervosa.

Orthorexie: Spleen oder Essstörung?

"Die Grenzen zwischen gesundem und zwanghaft gesundem Essen sind oft fließend", erklärt Schide Nedjat, ärztliche Direktorin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster. Kritisch werde es dann, wenn das Essen keinen Genuss mehr bereitet und nur noch dem Leistungsprinzip folgt, wenn immer mehr Zutaten auf der Liste mit verbotenen Lebensmitteln landen und Mahlzeiten zunehmend aufwändig geplant und zubereitet werden müssen. Wie viele Menschen zwanghaft an gesundes Essen denken, ist statistisch nicht untersucht. Nedjat schätzt, dass zwischen sieben und zwölf Prozent der Deutschen davon betroffen sind. Offizielle Angaben gibt es allerdings nicht. Die medizinische Fachwelt hat Orthorexie noch nicht als Krankheit anerkannt. Die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens hat gerade erst begonnen. Manche Experten bestreiten sogar, dass es sich um eine Essstörung handelt.

Ernährung wird zur Ersatzreligion

Orthorektikern geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität dessen, was sie essen. Nicht um abzunehmen, haben sie Schnitzel und Pommes vom Speiseplan gestrichen, sondern um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Manche verzichten auf bestimmte Lebensmittel, um chronische Leiden zu lindern. Sie meiden vielleicht erst Milchprodukte, dann Weizen und schließlich alles, was Spuren von Soja enthält. Genuss und Freude am Essen treten zunehmend in den Hintergrund und das Essen wird zur Ersatzreligion, um die alle Gedanken kreisen.

Die Angst vor Kontrollverlust

Orthorexie gefährdete Menschen beginnen es zu vermeiden, ihre Mahlzeiten außer Haus und bei Freunden zu sich zu nehmen. In schlimmen Fällen geraten sie so in eine soziale Isolation. Zum einen ängstigt sie die fehlende Kontrolle über die Zutaten und die quälende Ungewissheit, was genau in den jeweiligen Lebensmitteln steckt. Zum anderen führt die selbst auferlegte Restriktion zu einer Abwertung derer, die sich vermeintlich weniger gesund ernähren. Was gesund ist, wird dabei individuell festgelegt, abhängig von den jeweils geltenden Überzeugungen. Das kann im Familien- und Freundeskreis zu großen Problemen führen. Denn nicht jeder lässt sich gern maßregeln, was seine Ernährung betrifft.

Starker Zwang erhöht den Leidensdruck

Psychologen sehen hinter dem Phänomen der Orthorexia nervosa eine Form der Zwangsstörung. Meist mangelt es den Betroffenen an Krankheitseinsicht. Schließlich ernähren sie sich gesund. Je mehr sich der Zwang jedoch verfestigt, desto größer wird der Leidensdruck. Abweichungen vom Speiseplan lösen Aversion und Unruhe aus. Die eingeschränkte Nahrungsaufnahme verursacht nicht nur eine soziale Isolation, sondern auf Dauer auch körperliche Mangelerscheinungen. "Der Vorsatz, sich gesünder zu ernähren, ist sicherlich begrüßenswert. Zu streng sollte man ihn aber nicht verfolgen", mahnt Nedjat. Schließlich sei es mehr eine Frage der Dosierung bestimmter Lebensmittel als ein einseitiges Für oder Wider. Auch Ungesundes könne manchmal eine nette Abwechslung sein - vorausgesetzt es werde nicht zur Regel.



Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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