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Innerer Schweinehund bestimmt Essverhalten

Fertiggerichte  

Innerer Schweinehund bestimmt Essverhalten der Deutschen

22.02.2013, 19:04 Uhr | dpa, AFP

Innerer Schweinehund bestimmt Essverhalten. Deutsche essen lieber Fertiggerichte als selbst zu kochen. (Quelle: imago images)

Deutsche essen lieber Fertiggerichte als selbst zu kochen. (Quelle: imago images)

Zeitdruck, Geldmangel oder einfach Bequemlichkeit: Wenn es um gesundes Essen geht, sind die Menschen um Ausreden nicht verlegen. Statt Selbstgekochtes kommt Tiefkühlpizza auf den Tisch - und nebenbei läuft der Computer oder Fernseher. Eine Umfrage deckt auf, wie die Deutschen essen.

Immer mehr Menschen essen nur noch Fertiggerichte

Bei jedem zweiten Bundesbürger verkommt Essen zur Nebensache, so das Fazit einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Für die Studie wurden 1.000 Bürger zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur jedem zweiten ist die Ernährung wirklich wichtig. Immer häufiger kommen stattdessen schnelle Fertiggerichte auf den Tisch.

Besonders Jüngere kochen nicht mehr selbst

Im Schnitt greifen vier von zehn Verbrauchern mindestens ein- bis zwei Mal in der Woche zu Tütensuppe oder Tiefkühlpizza. Vor allem viele jüngere Leute sind offenbar zu bequem, sich selbst an den Herd zu stellen: Bei jedem sechsten Verbraucher unter 25 Jahren landet öfter als drei Mal pro Woche eine fertige Mahlzeit aus dem Supermarkt auf dem Teller.

Dabei weiß kaum ein Kunde, welche Zutaten in Fertiggerichten stecken, wie der jüngste Skandal um Pferdefleisch in Ravioli, Tiefkühllasagne oder Dosengulasch wieder einmal zeigt. Dennoch wird in vielen Familien oft nicht selbst gekocht. Das ist laut Studie nur in jedem zweiten Haushalt täglich der Fall. In jeder dritten Familie wird immerhin drei- bis fünf Mal pro Woche ein Essen selbst zubereitet.

Keine Zeit für gesundes Essen

Die Alltagshektik, die Mobilität und die permanente Medienflut beeinflussen die Esskultur. Bei etwa einem Drittel der Befragten läuft beim Essen der Fernseher oder Computer. Gegessen werde "im Gehen und im Stehen", parallel würden noch die E-Mails gecheckt, klagt TK-Chef Jens Baas. Vor allem jüngere Menschen essen oft mit der Gabel in der einen und dem Smartphone in der anderen Hand. Bei vier von zehn unter 25-Jährigen wird das Essen dadurch völlig nebensächlich, kritisieren die Autoren der Studie.

Frauen essen mehr aus Frust

Die meisten essen nach dem Motto: Hauptsache, es schmeckt. 45 Prozent ist es am wichtigsten, dass ein Essen lecker ist. Deutlich weniger, nämlich 35 Prozent, legen Wert auf gesunde Kost. Obwohl bekannt ist, dass zu einer ausgewogenen Ernährung viel Obst und Gemüse und Fleisch nur in Maßen gehört, landet im Schnitt bei der Hälfte der Bevölkerung täglich Wurst und Fleisch auf dem Teller. Dass Frauen sich generell gesünder ernähren, ist bekannt. Dafür sind sie laut TK-Studie aber die "größeren Frustesser". 40 Prozent der Frauen hauen bei schlechter Laune richtig rein, bei den Männern tun das nur halb so viele.

Der innere Schweinehund macht gute Vorsätze zunichte

Als größte Hürde für eine gesündere Ernährung nennt die Hälfte der Befragten fehlende Zeit und Ruhe. In vielen Fällen ist es aber schlichtweg der "innere Schweinehund", der die guten Vorsätze zunichte macht, wie vier von zehn Befragten zugeben. Von den Geringverdienern gibt zudem mehr als jeder dritte fehlendes Geld als Hindernis für eine gesunde Ernährung an. Doch gerade Menschen mit geringen Einkommen essen überdurchschnittlich oft in Fast-Food-Restaurants, was erheblich ins Geld geht, wie Baas erklärt. Auch Uta Gola vom Berliner Institut für Ernährung und Prävention betont: "Gesund zu essen, ist nicht allein Frage des Geldbeutels."

Viele essen erst nach der Arbeit

Wer allerdings auch im Arbeitsalltag auf gesunde Ernährung achten will, hat tatsächlich ein Problem. Die guten Vorsätze scheitern oft nicht nur an der begrenzten Auswahl, sondern vor allem am Zeitdruck. Nur jeder Zweite kann in den Arbeitspausen in Ruhe essen. "Ein Drittel aller Berufstätigen beklagt, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit schlichtweg nicht möglich ist", erklärt Forsa-Chef Manfred Güllner. Viele Arbeitnehmer essen deshalb im Job nicht viel, dafür dann aber abends zuhause reichlich - besonders Männer.

Diäten sind keine Lösung

Die Folgen einer ungesunden Ernährung sind bekannt: 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen in Deutschland gelten als übergewichtig. Nicht wenige suchen ihr Heil in immer neuen Diäten. Diese seien aber keine langfristige Lösung, mahnt Ernährungsmedizinerin Ute Gola: "Es geht darum, Verantwortung für die Gesundheit des eigenen Körpers zu übernehmen", sagt sie. Ihrer Meinung nach müsse Prävention daher möglichst früh und direkt auf die Lebenssituation der Menschen einwirken, etwa in Kitas Schulen, in den Familien, aber vor allem auch in den Betrieben. "Ernährung muss in unserem Alltag wieder mehr Raum bekommen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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