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Freizeitsport und Fitness: Bewegung erzeugt Glück (1)

FITNESS  

Glücklicher Geist in bewegtem Körper

07.01.2008, 10:54 Uhr

Ausdauersport beugt Depressionen vor. (Foto: imago)Auch im Winter lässt es sich gut trainieren. (Foto: imago)Körperliche Aktivität wirkt gegen Depressionen, schützt vor Alzheimer und kann sogar das Gehirn vergrößern. Jetzt entdecken Wissenschaftler, warum das so ist. Noch nie gab es bessere Argumente, in Bewegung zu kommen, meint SPIEGEL-Autor Jörg Blech.

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Körpereigene Arznei gegen Depressionen

Den Stoff, aus dem die guten Gefühle sind, kann man sich leicht verordnen - indem man seinen Körper in Bewegung setzt. Wieso das so ist, hat jetzt der Nervenarzt Ronald Duman von der Yale University herausgefunden: Mäuse, die sich auf Laufrädern austoben, stellen im Gehirn verstärkt ein Protein her, das pharmakologisch gesehen wie eine Arznei gegen Depressionen wirkt. Das Protein mit dem Namen VGF verbessert die Verschaltungen der Nervenzellen, wodurch das Gehirn offenbar vor krankmachendem Stress gefeit ist. Träge Mäuse, denen VGF-Proteine von außen verabreicht wurden, verspürten eine selig machende Wirkung, berichtet Duman jetzt in "Nature Medicine".

Sportmuffel sind häufiger depressiv

Die VGF-Proteine, die sich auch in Menschen finden, könnten sich als das seit langem gesuchte Scharnier erweisen, das körperliche Bewegung in Hirngesundheit übersetzt. Wie eng beide Faktoren miteinander zusammenhängen, ist Epidemiologen bereits in vielen Studien aufgefallen: Ausdauertraining hebt demnach die Stimmung, nimmt Ängste, stärkt das Selbstbewusstsein und erhöht das Vermögen, Stress zu bewältigen. Als man Gruppen von aktiven und von inaktiven Menschen für eine Studie acht Jahre lang beobachtete, zeigte sich: Die sesshaften Zeitgenossen hatten im Lauf der Jahre eine doppelt so hohe Depressionsrate entwickelt.

Bewegung so gut wie ein Medikament?

Steht die Bewegung damit im Rang eines bewährten Medikaments? Dieser Frage ist James Blumenthal vom Duke Medical Center in Durham (US-Bundesstaat North Carolina) nachgegangen. Er teilte 156 ältere Patienten, die unter einer ausgeprägten Depression litten, per Losverfahren drei Gruppen zu: Es gab Ausdauertraining oder Antidepressivum (Wirkstoff: Sertralin) oder aber Medikament und Sport zur gleichen Zeit. Das Training fand an drei Tagen in der Woche für jeweils 30 Minuten statt. Nach 16 Wochen war das Befinden der Mitglieder aller Gruppen deutlich gebessert: Ungefähr 60 Prozent der Probanden waren nicht mehr depressiv - das rein körperliche Training war mithin so wirksam wie eine nach den Regeln der Kunst durchgeführte Medikamenten-Therapie.

Sport als Schutz fürs Gehirn

Alzheimerforscher erkennen ebenfalls, dass körperliche Bewegung wie ein Schutzfaktor auf das Gehirn wirkt. Bei Labormäusen, die über Monate regelmäßig auf Laufrädern trainierten, verringerten sich im Gehirn die gefürchteten Amyloidplaques. "Anstelle einer Arznei", sagt der federführende Forscher Carl Cotman von der University of California in Irvine, "war es ein natürliches Verhalten, das zur Verringerung der Alzheimer-typischen Pathologie" im Gehirn geführt hat.

Vorbeugung gegen Alzheimer

Skandinavische Gelehrte wiederum analysierten die Daten von Menschen, deren Gewohnheiten in punkto Bewegung zwanzig Jahre lang aufgezeichnet worden waren: Jene Personen, die im Mittelabschnitt des Lebens mindestens zweimal in der Woche körperlich aktiv waren, haben demnach ein um 60 Prozent verringertes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die beteiligte Neurologin Miia Kivipelto sagt: "Wenn eine Person in jungen und in mittleren Jahren einen aktiven Lebensstil ergreift, dann vermag das die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, später im Leben Jahre voller körperlicher und geistiger Vitalität zu genießen." Sieht man von epidemiologischen Befunden ab, sind es Aufnahmen mit Bild gebenden Verfahren, die einen direkten Einfluss der Bewegung auf das Alzheimer-Risiko wahrscheinlich erscheinen lassen. Denn offenbar kann körperliche Aktivität den Größenverlust des Gehirns, der sich gemeinhin im Alter einstellt, verzögern.

Weiter zu Teil 2 Bewegung lässt Gehirn wachsen

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