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Hornussen: Baseball auf Schweizer Art

Hornussen: Baseball auf Schweizer Art

13.07.2012, 08:25 Uhr | ks (CF)

Die Schweizer sind ja bekannt dafür, immer wieder mit ungewöhnlichen Sportarten aufzufallen. Dass es sich beim Hornussen aber ausgerechnet um eine Art Kriegsspiel handelt, hätte man den sonst so neutralen Eidgenossen gar nicht zugetraut.

Schon 400 Jahre hat der Schweizer Nationalsport auf dem Buckel und trotzdem ist er außerhalb der Alpenrepublik kaum bekannt, so als handele es sich dabei um das Bankgeheimnis. Vielleicht wollte man sich aber auch bloß Hohn und Spott ersparen, denn das Schwyzerdütsch hält auch für den Hornussen-Sport den einen oder anderen Begriff bereit, über den man anderswo gerne schmunzelt. Aber von vorn: Das Grundprinzip beim Hornussen ist es, eine Kugel aus Gummi, die sogenannte Hornuss, so weit wie möglich mit einem Schläger, der sich "Stecken" nennt, in das Spielfeld zu schlagen. Dieses wiederum trägt den Namen "Ries". Landet der Ball im Ries, ohne dass die gegnerische Mannschaft – die "Abtuer" – die Hornuss abtut, gibt es einen Punkt beziehungsweise eine "Nummer". Soweit so gut – aber ganz so einfach ist es am Ende dann aber doch nicht. Schon der Abschlag – Pardon: "Streich" – ins Feld ist eine Kunst für sich. Denn beim Stecken handelt es sich anders als beim Baseball nicht um einen massiven Schläger: Der Schaft ist aus flexiblem Kunststoff oder Fiberglas, und am Ende befindet sich eine Schlagfläche aus Holz. Natürlich hat auch diese einen besonderen Namen: "Träf". >>

Vergleichbar mit einem biegsamen Golfschläger, gilt es nun, die Hornuss zu treffen und so weit wie möglich in das Ries zu schlagen.
Die Kugel liegt auf einer Art Rampe, dem "Bock", die durch ihre Form das Träf führt. Einigen Schweizern sollen sogar perfekte Schläge gelungen sein, bei denen Hornuss schon mal Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern und Weiten von bis zu 300 Metern erreicht hat. Die Hornuss muss nun im Ries landen, ohne dass die gegnerischen Abtuer sie mit ihren "Schindeln" abfangen. Die Schindeln sind aus Holz und erinnern ein wenig an Schneeschaufeln. Sie können gegebenenfalls auch in die Höhe geworfen werden. Gelingt es beim Hornussen die Kugel abzutun, gibt es einen Strafpunkt für die schlagende Mannschaft, ein sogenanntes "Nümmerli". Es gilt beim Schweizer Nationalsport also stets darum, ein positives Verhältnis von Nummern zu Nümmerli zu erreichen. Die Mannschaft, die hier am Ende vorne liegt, gewinnt beim Hornussen. Bei Gleichstand entscheidet hingegen die Flugweite der Hornuss: Ab einer Weite von 100 Metern gibt es einen Punkt, für jede zehn Meter zusätzlich gibt es einen Weiteren obendrauf. Landet die Hornuss außerhalb des Ries, geht die schlagende Mannschaft übrigens leer aus. Und es ist gar nicht so leicht, das Feld zu treffen: Es befindet sich in 100 Metern Entfernung zum Bock und ist trapezförmig – die nähere schmale Seite ist acht Meter breit, die Hintere ebenfalls nur 15 Meter – immerhin ist es 200 Meter lang.

Hornussen: Kriegsspiel, das Zwietracht sät

Die Ursprünge des Schweizer Hornussen liegen wahrscheinlich im schweizerischen Emmental. Historiker vermuten dahinter ein Kriegsspiel, das vielleicht sogar schon auf die Germanen zurückgeht: Die Abtuer stellen dabei die verteidigenden Truppen dar, die ein Geschoss des Angreifers abwehren müssen. So ganz sicher ist man sich aber nicht – im Gegensatz dazu, dass es im Anschluss an das Hornussen immer wieder "kriegsähnlichen" Situationen gekommen ist: Denn es war Usus, dass die Verlierermannschaft, den Gewinnern eine Brotzeit ausgeben musste. Dabei wurde nicht selten heftig über Regelverstöße gestritten. Dazu das eine oder andere alkoholische Getränk und schon hatten sich die Schweizer in den Haaren. Zünftige Prügeleien waren keine Seltenheit. Wie gut, dass der Schweizer Dichter und Pfarrer Jeremias Gotthelf die Szenerien allesamt aufgezeichnet hat, als er über das Leben eines jungen Mann aus dem Emmental schrieb, der Uli hieß. Glücklicherweise geht es heute alles etwas gesitteter zu, sodass zumindest im Anschluss an das Hornussen keine Nümmerli mehr verteilt werden müssen. Wer sich in dem Sport einmal versuchen möchte, sollte in die Schweizer Kantone Aargau, Solothurn oder Bern reisen, wo Hornussen noch immer verbreitet ist.

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