Sie sind hier: Home > Gesundheit > Gesund leben >

Leidet bei Kopfbällen das Gehirn?

Studie zum Luftzweikampf  

Leidet bei Kopfbällen das Gehirn?

01.07.2018, 07:03 Uhr | dpa

Leidet bei Kopfbällen das Gehirn?. Kopfballduell: In den verschiedenen Ligen setzen die Spieler den Kopf unterschiedlich oft ein. (Quelle: Rolf Vennenbernd)

Kopfballduell: In den verschiedenen Ligen setzen die Spieler den Kopf unterschiedlich oft ein. (Quelle: Rolf Vennenbernd)

Wenn Fußballspieler den Ball ins Tor köpfen, ist der Jubel groß. Doch hat das Folgen für das Fußballergehirn? Sportmediziner gehen dieser Frage nach.

Die Auswirkungen von Kopfbällen auf die Gesundheit von Fußballern sind das Thema einer Studie von Sportmedizinern aus Deutschland, der Schweiz und den USA. Derzeit werde bei 50 Profi-Sportlern untersucht, wie oft und wie sie köpfen, heißt es einer Mitteilung des Deutschen Olympischen Sportärztekongresses.

Zu der Veranstaltung war der Leiter der Studie, der Paderborner Neurologe Claus Reinsberger, eingeladen. "Insbesondere von Kopfbällen, die nicht zu Gehirnerschütterungen führen, wissen wir noch nicht sicher, ob sie auch langfristig das Gehirn schädigen", erklärt Reinsberger.

Kopf-Scan im Kernspintomografen 

Die Studie ist auf drei Jahre angelegt und soll bis 2020 abgeschlossen sein. Vor allem Fußballer der U21 vom Hamburger SV sind beteiligt, Schweizer Spieler sollen hinzukommen. Die Wissenschaftler wollen die Fußballer mit dem Kernspintomografen untersuchen und dann alle Kopfbälle bei Trainingseinheiten und Spielen beobachten.

Schließlich sollen die Spieler erneut klinisch untersucht werden. In einer Vorstudie werteten die Sportmediziner bereits Videos aus der Bayern-Liga mit 11.500 Kopfbällen aus.

Schwere Kopftreffer können zu Langzeitschäden führen

Reinsberger und Kollegen unterscheiden zwischen Treffern, die eine leichte Gehirnerschütterung hervorrufen, und solchen, die nicht solche Symptome zur Folge haben. Dass Gehirnerschütterungen – verursacht meist durch Zusammenstöße von Köpfen bei Duellen oder unbeabsichtigte Kopftreffer – schwere Folgen haben können, ist für die Forscher offensichtlich.

Wenn sie nicht therapiert werden, könne es zu Schäden für Gedächtnis, Augen, Reaktionsgeschwindigkeit und Balance kommen. Im schlimmsten Fall sei bei einem erneuten Kopftreffer sogar eine Behinderung oder der Tod möglich, heißt es. Darum sei es wichtig, Fußballer nach einem solchen Vorfall aus dem Spiel zu nehmen.

Ob häufige Kopfbälle, bei denen Fußballer anschließend keine Symptome zeigen, auch gefährlich sind, ist für Reinsberger dagegen eine offene Frage. Frühere Studien gäben Anhaltspunkte dafür, wonach die Kommunikation zwischen bestimmten Gehirnteilen gestört werde.

Gehirn passt sich an Kopfbälle an

"Klar ist schon, dass es Veränderungen und Anpassungserscheinungen des Gehirns dabei gibt", sagte der Neurologe. Ob das positiv zu bewerten sei, wie etwa der schnellere Herzschlag bei einem Jogger, sei noch offen. Der US-Fußballverband hat bereits ein Kopfballverbot im Juniorenfußball verhängt. Reinsberger sieht allerdings noch keinen wissenschaftlich begründeten Handlungsbedarf.

Eine Vorstudie Regensburger Kollegen von Reinsberger ergab übrigens, dass in den Ligen unterschiedlich oft der Kopf eingesetzt wird. In der ersten Bundesliga wurde der Ball im Schnitt pro Spiel 111,4 Mal geköpft, in der zweiten Liga 128,5 und in der dritten 143,13.

Bei der bevorstehenden WM in Russland hätte Reinsberger eigentlich nichts gegen ein gutes Kopfballspiel. "Mit einem Kopfball, der auch ins Tor geht, hätte ich auch als Neurologe kein Problem", sagt er.

Der Sportmediziner hofft allerdings, dass sich ein Fall wie der von Álvaro Pereira bei der WM vor vier Jahren nicht wiederholt. Im Spiel gegen England bekam der Uruguayer damals ein Knie gegen den Kopf. Trotz einer Gehirnerschütterung spielte er auf eigenen Wunsch weiter.

Daraufhin führte die Fifa die Drei-Minuten-Regel ein. Das heißt, das Spiel muss jetzt nach einem solchen Zwischenfall unterbrochen werden, um einem Sportarzt die Gelegenheit zu geben, eine Gehirnerschütterung auszuschließen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Dschungel-Look: exotisches Flair für Ihre 4 Wände
jetzt auf otto.de
Anzeige
Was Ihr Partner für die Bau- finanzierung können muss
Kostenlose Beratung bei Interhyp
myToysbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Gesund leben

shopping-portal