Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Treiben Ärzte Patienten in die Sucht?

Gesundheit  

Treiben Ärzte Patienten in die Sucht?

19.11.2007, 14:05 Uhr | bri, AFP , dpa

Etwa jeder sechste Deutsche schluckt regelmäßig Medikamente, um besser zu schlafen, Schmerzen zu lindern, um sich zu beruhigen oder um sich aufzuputschen. Manche kommen gar nicht mehr ohne ihre Pillen aus - anderthalb Millionen Menschen sind medikamentensüchtig. Schuld daran könnten jene sein, denen der Patient das meiste Vertrauen schenkt - die Ärzte. Das behauptet Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Auch die Bundesärztekammer warnt vor leichtfertiger Verordnung abhängig machender Medikamente und hat dazu einen neuen Leitfaden erarbeitet.

Sieben Fragen zu Antibiotika Worauf Sie achten sollten

Vom Arzt in die Sucht getrieben?

Laut der Bundesärztekammer sind 80 Prozent der Süchtigen von rezeptpflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig. "Weil es diese Mittel nur auf Rezept gibt, sind natürlich auch Ärzte nicht ganz schuldlos an der Zahl der Abhängigen", erklärt Hüllinghorst. Angeblich kümmern sich manche Ärzte nicht um die maximale Verordnungsdauer eines Medikaments, sondern verschreiben es weiter. Und schließlich wird der Patient abhängig. "Bei solchen Medikamenten darf nicht einfach die Sprechstundenhilfe ein neues Rezept ausstellen, sondern der Arzt muss seine Verordnung regelmäßig überprüfen", sagte er.

Vertrauensperson Arzt

Ärzte haben laut Hüllinghorst eine wichtige Rolle bei der Verordnung von Medikamenten. "Patienten geben ihre Selbstverantwortung doch an der Praxistür ab. Dann kommt der weiß gekleidete Doktor, und alles was der sagt, ist richtig", sagte Hüllinghorst. Selbst wenn ein Arzt Medikamente mit Suchtpotenzial viel zu lange verordne, zweifle dies kaum ein Patient an. Vor allem bei Schlafstörungen griffen viele Ärzte viel zu schnell zu Medikamenten mit langfristigen Nebenwirkungen, anstatt zunächst einmal auf sanfte Alternativen wie einen Baldriantee oder abendliche Spaziergänge hinzuweisen.

Vor allem Frauen sind abhängig

Laut Expertenschätzungen versucht jeder sechste Erwachsene Bundesbürger, mindestens einmal pro Woche sein Befinden mit einem Medikament zu verbessern. Unter den Abhängigen sind nach Angaben der Suchtstelle doppelt so viele Frauen wie Männer. Vor allem ältere Menschen sind häufiger betroffen. Viele könnten ihren Alltag ohne Medikamente gar nicht mehr meistern, sagte Hüllinghorst. Weil der Entzug für Körper und Seele belastend wäre, nähmen die meisten ihre Medikamente weiter - mit bereitwilliger Unterstützung ihrer Ärzte.

Patienten sollten skeptisch werden

Hüllinghorst appelliert auch an die Patienten. "Wer ein Medikament länger als sechs Monate verschrieben bekommt oder schon Suchtsymptome bemerkt, sollte skeptisch werden und nachfragen, ob es nicht alternative Behandlungen gibt." Auch wer bereits merkt, dass er abhängig ist, sollte offen mit einem Arzt über das Problem reden und keinesfalls solle er zu einem anderen Arzt gehen, der ihm das Mittel weiter verschreibt. "So begibt sich der Patient erst recht in die Spirale der Sucht", warnt Hüllinghorst.

Auch die Bundesärztekammer warnt ihre Ärzte

Bei der Bundesärztekammer ist man sich dieses Problem ebenfalls bewusst und warnt vor einen leichtfertigen Umgang mit abhängig machenden Mitteln. "Wir erliegen zu oft der Illusion, dass mit einer Tablette alle möglichen Befindlichkeitsstörungen beseitigt werden können", sagt die Vorsitzende des Ausschusses Sucht und Drogen bei der Ärztekammer. Das könne im schlimmsten Fall zur Abhängigkeit führen. Deshalb hat die Bundesärztekammer jetzt auch den Leitfaden für Ärzte herausgegeben, der Ärzten im Umgang mit potenziell abhängig machenden Medikamenten helfen soll.

Mehr zum Thema Gesundheit:
Gesund und munter Sechs Tipps für ein längeres Leben
Online-Test Wie stark ist Ihr Immunsystem?
Fitness Fit ab 40 - kein Problem!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
AnzeigeREIFENKONFIGURATOR

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal