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Antibiotika: Verbrauch nimmt zu, Wirkung nimmt ab

Antibiotika  

Krankenhauskeime immer gefährlicher

09.10.2008, 18:15 Uhr | bri/dpa

Zu viel Antibiotika macht Bakterien resistent. (Foto: imago)Zu viel Antibiotika macht Bakterien resistent. (Foto: imago)Deutsche Patienten schlucken laut Statistik jeden Tag mehr als 700 Kilogramm Antibiotika. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit: Krankmachende Bakterien werden immer unempfindlicher gegen Medizin, die eigentlich helfen soll. Doch stattdessen macht der Einsatz von Antibiotika die Keime immer gefährlicher. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste umfassende wissenschaftliche Studie zu Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland.

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Salmonellen häufiger resistent

Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Darmkeimen ist laut Studie eine deutlicher Anstieg der Resistenzen zu verzeichnen. Dies schränkt die Wirkung von Antibiotika ein und verschlechtert die Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Resistenzbildungen gab es bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö (Tripper) und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern zeigte sich seit den 90er Jahren vor allem eine starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA). Das sind Keime, die auch auf der Haut des Menschen vorkommen. Treffen diese auf ein schwaches Immunsystem, können sie Hautinfektionen, aber auch Lungenentzündungen hervorrufen.

Antibiotika veralten immer mehr

Laut den Studienautoren gibt es noch ein weitere Problem: Die Einführung neuer und besserer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger wirtschaftlich als andere Mittel. Der Erhalt der Wirksamkeit der verfügbaren Mittel sei daher besonders wichtig und der Resistenzbildung müsse stärker entgegen gesteuert werden, forderten die Fachleute.

Experten fordern mehr Hygiene

Dazu gehörten eine bessere Hygiene in Krankenhäusern sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten. Ärzte sollten nicht vorschnell Antibiotika verschreiben, warnt die Studie. "Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen", sagt der Vizepräsident der Paul- Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Professor Eberhard Straube. Patienten sollten sich an die Dosierungsvorgaben halten.

Verbrauch an Antibiotika zu hoch

In der Humanmedizin werden nach der Datensammlung in Deutschland aktuell etwa 250 bis 300 Tonnen Antibiotika pro Jahr verbraucht. Dabei entfallen rund 85 Prozent der Verordnungen auf den ambulanten Bereich.

Gefahr aus der Tierhaltung

Ein weiteres großes Problem sind auch Resistenzen beim Antibotika-Einsatz in der Nutztierhaltung, die möglicherweise auch auf den Menschen übergehen können. Auch wenn hier in den vergangenen Jahren kein gravierender Anstieg der Resistenzen festzustellen sei, müsse unbedingt ein verantwortungsvoller und sachgerechter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung beachtet werden, sagte Jürgen Wallmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. "Antibiotika sind kein Mittel, um schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygiene zu kompensieren."

Antibiotika-Resistenz-Atlas für Deutschland

Ein Teil der Studie bildet eine Übersicht zum Verbrauch von von Antibiotika in der Medizin und bei Tierärzten, den so genannten Antibiotika-Resistenz-Altlas "Genmap 2008". Der Atlas ist eine gemeinsame Veröffentlichung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.

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Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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