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Abnehmen: Diäten können zu Essstörungen führen

DIÄT  

Diäten führen zu Essstörungen

06.05.2009, 09:15 Uhr | AP

Diät: Fettsucht durch Schlankheitswahn? (Foto: imago)Fettsucht durch Schlankheitswahn? (Foto: imago)Mit dem Frühling versuchen wieder viele, ihren überschüssigen Pfunden mit einer Diät zuleibe zu rücken. Doch Kritiker des Schlankheitswahns setzen dagegen. Sie organisieren zum inzwischen 17. Mal den Internationalen Anti-Diät-Tag. Die Begründung der Fachwelt für diese Aktion: Diäten funktionieren nicht. Das gilt besonders für kurzfristige Diäten. Hinzu kommt, dass Abmagerungskuren Essstörungen begünstigen und sogar zu einer Störung in der menschlichen Psyche führen können.


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Jojo-Effekt macht dick

"Diäten sind der Weg in die Fettsucht", sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen, Professor Manfred Fichter. Der Mediziner verweist auf Tierversuche, die den sogenannten Jojo-Effekt nachgewiesen haben. Gemeint ist damit, dass Menschen nach dem Ende einer Diät häufig mehr wiegen als davor und sich dieser Effekt bei weiteren Abnehmkuren immer weiter aufschaukelt. Denn der Stoffwechsel stellt sich während der verringerten Kalorienzufuhr auf einen niedrigeren Grundumsatz ein und behält diesen bei. "Dann schlägt das 'Futter' besser an", meint Fichter.

Essen aus Frust

Das Hauptproblem für Essstörungen sitzt nach Einschätzung von Professor Fichter allerdings tiefer. "Nicht das Essen an sich macht dick, sondern das in sich 'Hineinfressen', das aus Frust Essen", betont er. Essgestörte, vor allem diejenigen, die an Magersucht oder Bulimie leiden, haben nach den Erfahrungen Fichters hauptsächlich Störungen der Gefühle. "Diese Menschen haben verlernt, auf ihre Körperwahrnehmungen wie Hunger, Sättigung oder Müdigkeit und auf ihre Gefühle wie Glück oder Verletztheit zu achten."

Essen stillt nicht die Gefühle

Auch für Sylvia Baeck vom Berliner Verein Dick & Dünn geht es bei der Behandlung von Essstörungen immer auch um den psychologischen Aspekt. "Wenn ich mich als Kind schon vollfuttere, weil ich nicht gehört werde und nicht mit meinen Gefühlen zurechtkomme, verschafft mir kontrolliertes Essen zwar Kontrolle, aber es stillt nicht meine Gefühle", erklärt die Mitbegründerin des bestehenden Vereins.

Den eigenen Körper lieben lernen

Für die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung ist das A und O bei der Behandlung von Essstörungen eine grundsätzliche und langfristige Ernährungsumstellung mit ausreichender Sättigung gepaart mit regelmäßiger Bewegung von mindestens einer halben Stunde pro Tag. Gerade für junge Leute sei es zudem wichtig, den eigenen Körper zu akzeptieren und nicht aberwitzigen Schönheitsidealen nacheifern zu wollen.

Essstörung häufig bei Jugendlichen

Gerade bei Jugendlichen, die an Magersucht oder Bulimie leiden, ist nach Baecks Erfahrung der Kern des Problems oft fehlendes Selbstbewusstsein. Die Unzufriedenheit darüber wird auf den Körper bezogen, mit der Hoffnung, mit einer perfekten Figur die richtigen Freunde zu finden und beliebt zu sein. Viele Jugendliche entwickelten dann ein restriktives Essverhalten. "Sie essen nicht, wenn sie hungrig sind, und sie hören nicht auf zu essen, wenn sie satt sind. Manchmal essen sie tagelang gar nichts, oder keinerlei Süßigkeiten." Wenn sie die selbstgesetzten Regeln durchbrechen, haben sie Schamgefühle, fühlen sich schuldig und der Kreislauf beginnt wieder von vorn, erklärt die Expertin. Der Appell, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, greife da zu kurz.

ratgeber.t-online.de: Bulimie: Was steckt hinter der Ess-Brech-Sucht?

Dreiklang von Ernährung, Bewegung und Psychologie

"Es ist eine Millimeter-Arbeit, die drei Komponenten beinhalten sollte und nur mit der ganzen Familie funktioniert", betont Baeck. Erstens soll danach das Essen selbst Spaß machen. Bei gemeinsamen Mahlzeiten ohne Ablenkung durch Fernseher oder stressige Streitgespräche soll sich jeder seine Portion selbst auftun. Nachnehmen ist erlaubt, aber erst wenn alle mit der ersten Runde fertig sind. Zweitens soll die körperliche Bewegung gefördert werden, aber von allen Familienmitgliedern. Am schwierigsten ist nach den Erfahrungen von Baeck die dritte Ebene, bei der es um die Kommunikation innerhalb der Familie geht. "Es ist eine mühsame Arbeit, aber wir wissen, dass es geht", betont die Expertin

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