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Neurologie: Pillen für besseres Gedächtnis sind nutzlos


Gedächtnis  

Pillen für besseres Gedächtnis sind nutzlos

10.11.2010, 09:31 Uhr | Spiegel Online

Pillen versprechen ein besseres Gedächtnis, doch Forscher zweifeln. (Foto: imago)Pillen versprechen ein besseres Gedächtnis, doch Forscher zweifeln. (Foto: imago)Es ist ein Geschäft mit der Angst: Mit Pillen, Nahrungsergänzungsmitteln und Hirnjogging-Programmen versprechen Hersteller geistige Leistungssteigerung und Schutz vor Demenz. Nun sagen Forscher in einer gemeinsamen Erklärung: Die meisten dieser Produkte sind nutzlos.

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Forscher: Nur Pharmafirmen profitieren

Hirnjogging, Hirnpillen, Hirn-Food: Von Produkten, die unsere grauen Zellen auf Trab bringen sollen, profitieren nur die Hersteller, nicht aber unsere Gehirne. Das schreiben zumindest 30 führende Neurowissenschaftler, Psychologen und Altersforscher in einer gemeinsamen Erklärung.

Studien sind Mangelware oder falsch

Das Geschäft mit Produkten, die eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit versprechen, floriert. Wissenschaftliche Studien, die die Wirkung der Pillen, Nahrungsergänzungsmittel und Computerspiele belegen, sind allerdings Mangelware. "Manche der Behauptungen [der Hersteller] klingen vernünftig, sind aber nicht belegt", schreiben die Wissenschaftler. "Andere sind weit hergeholt und manche sind bemerkenswert falsch."

Hersteller versprechen Totalschutz vor Alzheimer

"Die Erklärung bezieht sich vor allem auf kommerzielle Anbieter, die das Blaue vom Himmel versprechen", sagt Ulman Lindenberger, Direktor der Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Manche Hersteller versprechen Leistungssteigerung, manche gleich den Totalschutz vor Alzheimer. "Es ist die Furcht vor Gedächtnisverlust, Demenz und Alzheimer, die viele Konsumenten verleitet, diese Produkte zu kaufen", sagt Laura Carstensen, Psychologin an der Stanford University.

Wirkung von Gingko nicht bewiesen

Dabei ist die wissenschaftliche Datenlage dünn. Beispiel Ginkgo biloba: Bis heute gebe es keinerlei Belege, dass Ginkgo-Produkte die geistige Leistung verbessern oder ihren Abbau aufhalten, schreiben die Forscher. Nur bei einigen wenigen Nahrungsergänzungsmitteln konnte in großen wissenschaftlichen Studien eine Wirkung belegt werden.

Gehirnjogging trainiert nicht für den Alltag

Wenig nützlich sind nach Meinung der Wissenschaftler auch die meisten Hirn-Trainings-Programme. Zwar würde Software durchaus einen Effekt zeigen - jedoch nur bei bestimmten Aufgaben. Und im Alltag nützt das nichts. Hirnjogging trainiert Fähigkeiten, die im Alltag nutzlos sind. "Ein Programm trainiert möglicherweise Ihre Fähigkeit dafür, sich Wörter zu merken", schreiben die Forscher. "Aber diese bestimmte Fähigkeit wird Ihnen sehr wahrscheinlich nicht dabei helfen sich daran zu erinnern, wo Sie Ihre Autoschlüssel gelassen haben." Die Empfehlung der Wissenschaftler: Nur Produkte kaufen, die sich auf wissenschaftliche Belege stützen können. Und vor allen Dingen Misstrauen gegenüber Heilsversprechen in Sachen Alzheimer und Demenz.

Nur echtes Joggen hilft

So nutzlos also Gehirn-Jogging ist, so sinnvoll ist aber echtes Joggen, meinen die Forscher: "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass regelmäßiges moderates Bewegungstraining die Durchblutung des Gehirns stärkt und die Bildung neuer Blutgefäße und Nervenzell-Verbindungen fördert", schreiben sie. Bewegung verbessere Aufmerksamkeit, Denkprozesse und das Gedächtnis. Das Fazit der Forscher: "Wir sehen Bewegung als einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung kognitiver Leistung."

Forscher loben dennoch Computerprogramme und Internet

Dennoch wollen die Verfasser nicht als technikfeindlich verstanden werden. "Die Erklärung soll die großen Potentiale moderner Technik für die soziale und geistige Anregung im Alter nicht generell in Frage stellen", betont Carstensen. Lindenberger ergänzt: "Technik, wie beispielsweise das Internet und soziale Computerspiele, bieten gerade den in ihrer körperlichen Mobilität eingeschränkten Älteren die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten." Daher sollten zukünftige software-basierte kognitive Trainingsprogramme diese soziale Dimension von vornherein berücksichtigen und ihre langfristige Wirksamkeit dann in Verlaufsstudien überprüft werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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