Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Bandwürmer: Forscher sagen Fuchsbandwurm den Kampf an (1)


FUCHSBANDWURM  

Forscher sagen Fuchsbandwurm den Kampf an

08.06.2009, 10:51 Uhr | Kurt F. de Swaaf, Spiegel Online

Gesundheit: Über Haustiere und den Verzehr von Beeren kann man sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren. (Foto: imago)Haustiere und Beeren übertragen den gefährlichen Fuchsbandwurm. (Foto: imago)Die Erkrankung ist heimtückisch, für Menschen kann ein Befall tödlich enden. Der Fuchsbandwurm beschäftigt Forscher schon seit Jahren. Möglicherweise lässt sich seine Ausbreitung aber mit einfachen Mitteln stoppen.


Gefährlicher Fuchs Schutz vor dem Fuchsbandwurm
Gefahr in Wald und Wiese Irrtümer über Zecken


Keine Gefahr für Füchse

Meister Reinecke schaden sie nicht. Zu Zehntausenden können sich die nur wenige Millimeter langen Würmer im Dünndarm eines Fuchses tummeln, ohne dass dem Tier irgendetwas anzumerken ist. Die Schmarotzer machen es sich zwischen den Darmzotten bequem, ernähren sich von den halbverdauten Mahlzeiten ihres Wirtes und widmen sich ansonsten der Fortpflanzung. Mit dem Fuchskot gelangen ihre Eier ins Freie. Das ist der Neuanfang eines gruselig anmutenden Zyklus, faszinierend für Biologen, aber teuflisch aus der Sicht von Medizinern und anderen Personen. Eine perfide Meisterleistung der Evolution.

Auch Nager infiziert

Füchse mögen den Mini-Bandwürmern der Spezies Echinococcus multilocularis als sogenannte Endwirte dienen, doch sie sind beileibe nicht die einzigen Tiere, die von den Parasiten befallen werden. Zahlreiche Nagerarten fungieren als Zwischenwirte und beherbergen als solche die Larvenstadien des Fuchsbandwurms. Sie werden von den rotpelzigen Räubern gefressen, der Kreis schließt sich. Für Homo sapiens wäre dies alles wohl kaum wichtig, wenn sich E. multilocularis auf Füchse und Nager beschränken würde. Das tut er aber nicht. Stattdessen infizieren die Würmer vereinzelt auch Menschen - mit verheerenden Folgen.

Erkrankung beim Menschen selten

Alveolare Echinokokkose - kurz AE - heißt die gefürchtete Krankheit, die durch versehentlich geschluckte Fuchsbandwurmeier ausgelöst wird. Sie ist zum Glück überaus selten, in Deutschland werden jährlich meist ein bis zwei Dutzend neue Fälle bekannt.

Zahl der Infizierten steigt

Der Infektionsdruck scheint allerdings zu wachsen, vor allem in der Schweiz. Bis zum Jahr 2000 war dort die AE-Neuerkrankungsrate sogar leicht rückläufig. "Seitdem aber gibt es eine klare Steigung um den Faktor 2,6", erklärt der Parasitologe Peter Deplazes von der Universität Zürich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Deutlich mehr als eine Verdopplung also. Auch in Deutschland sind die Fälle im Jahr 2000 sprunghaft gestiegen, seit 2001 besteht eine Meldepflicht.

Mehr Füchse in Städten

Als Ursache vermutet der Schweizer Experte die stark gewachsenen Fuchspopulationen, die mittlerweile bis in die eidgenössischen Großstädte vorgedrungen sind. Dennoch gibt es keinen Anlass zur Panik, denn auch heutzutage erkranken in der Schweiz statistisch gesehen noch immer weniger als drei von einer Million Einwohnern pro Jahr an AE. In Deutschland liegt die Rate sogar weit unter einer Infektion pro eine Million Menschen.

Tochterzysten in der Lunge

Dem minimalen Infektionsrisiko stehe allerdings eine "hohe Morbidität" und eine "hohe psychische Belastung der Betroffenen" gegenüber, konstatiert das Berliner Robert-Koch-Institut im "Epidemiologischen Bulletin" Nr. 15. Die Gefährlichkeit des Parasiten E. multilocularis geht von seinen Jugendstadien aus. Bis vor einigen Jahrzehnten kam eine Diagnose Alveolare Echinokokkose praktisch einem Todesurteil gleich. Der Grund: Wenn Bandwurmeier via Mund und Magen in den Darm gelangen, können von dort aus Larven in die Leber einwandern, wo sie sich zu blasenartigen, flüssigkeitsgefüllten Zysten, den sogenannten Finnen, entwickeln. Letztere beginnen nun zu wachsen und sich zu teilen. Dieser Prozess kann bis zu 15 Jahre dauern.

Krankheitsbild ähnelt Leberkrebs

Irgendwann ist die Leber durchsetzt mit Finnen, deren Durchmesser bis zu 20 Zentimeter betragen kann. Tochterzysten tauchen bei Patienten regelmäßig auch in anderen Organen wie zum Beispiel der Lunge auf. Das gesamte Krankheitsbild hat deutliche Ähnlichkeit mit Leberkrebs, Metastasenbildung inklusive. Das zerstörerische Wuchern ist für den Parasiten durchaus sinnvoll: Einerseits der enormen Vermehrungsrate wegen - eine einzige Maus kann bis zu 100.000 eingekapselte Jungwürmer in sich tragen. Andererseits werden natürlich sterbenskranke Nager eher vom Fuchs erbeutet als gesunde Tiere.

Spontane Selbstheilung möglich

Zum Glück scheint nur ein kleiner Teil der menschlichen Bevölkerung für Echinokokkose anfällig zu sein. In mehreren Studien wurde durch die Anwesenheit von spezifischen Antikörpern bei Hunderten Personen eine E. multilocularis-Infektion nachgewiesen, ohne dass Zysten vorhanden waren. Fälle von spontaner Selbstheilung sind ebenfalls mehrfach bekannt.

Lesen Sie weiter So kommt der Fuchsbandwurm in den Magen

Mehr zum Thema Gesundheit:
Mehr Betroffene Zahl der Fuchsbandwurm-Infektionen steigt
Fliegen, Wespen, Mücken Hausmittel gegen Insekten
Last-Minute-Schutz Im Urlaub vor Zecken schützen
Zeckenschutz bei Ihren Haustieren Tödlicher Zeckenschutz
Raupen-Alarm Allergie-Gefahr durch Eichenprozessionsspinner

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal