Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Bandwürmer: Forscher sagen Fuchsbandwurm den Kampf an (2)


Forscher sagen Fuchsbandwurm den Kampf an (Teil 2)

08.06.2009, 14:38 Uhr | Kurt F. de Swaaf, Spiegel Online

Der Mensch, so Peter Deplazes, sei wohl ein ganz schlechter Wirt, der Parasit habe sich evolutionär nicht an unsere Spezies anpassen können. "Wir werden schließlich nicht von Füchsen gefressen", sagt der Forscher scherzhaft. Auch sind die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten von AE deutlich besser geworden. Die Finnen lassen sich in frühen, unkomplizierten Stadien operativ entfernen oder per Punktion abtöten.

Lebenslange Medikamente

Ist der Befall zu weit fortgeschritten, greifen die Ärzte zur Chemotherapie mit Albendazol oder Mebendazol. Die Medikamente müssen allerdings meist bis zum Lebensende geschluckt werden, weil sie die Schmarotzer zwar in ihrem Wachstum hemmen, jedoch nicht töten. Trotzdem: In der Schweiz ist die Lebenserwartung von AE-Patientin nur noch drei Jahre kürzer als die von nicht infizierten Altersgenossen, wie jüngst Wissenschaftler im "Journal of Hepatology" (Bd. 49, S. 72) berichtet haben. Die wirtschaftlichen Schäden durch AE sind gleichwohl beachtlich: im Schnitt knapp 110.000 Euro pro Erkranktem. Prävention ist also wichtig, aber wie?

Wie gelangen die Wurmeier in den Menschenmagen?

Über die Art und Weise, wie Fuchsbandwurmeier in menschlichen Mägen landen, ranken sich zwar allerlei Gerüchte, doch die Beweislage ist äußerst dürftig. "Die genaue Infektionsquelle ist bislang nicht bekannt", sagt Peter Deplazes. Ansteckung durch das Essen von rohen Waldbeeren, Bärlauch und dergleichen ist immer wieder im Gespräch gewesen.

Wurmeier kleben im Hundefell

Mehrere Experten wie der Würzburger Immunologe Klaus Brehm weisen diese Theorie zurück. Der "beste Freund des Menschen" wäre wohl eher Ansteckungsquelle Nummer eins, meint er. Hunde, die Mäuse fressen können und dann in Wohnungen kommen, seien "echte Fuchsbandwurm-Schleudern", so Brehm. Abgesehen davon wälzen sich einige treue Vierbeiner gerne in Fuchskot, und die Wurmeier haften nachgewiesenermaßen ausgezeichnet am Fell. In Katzen dagegen kann sich E. multilocularis anscheinend kaum fortpflanzen, wie eine Studie im Fachblatt "International Journal of Parasitology" (Bd. 36, S. 79) belegt.

Fuchsjagd als Lösung?

Bei allen noch offenen Fragen ist eins auf jeden Fall klar: Der Fuchs ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Bandwurm-Bekämpfung. Vielerorts wird deshalb nach verstärktem Einsatz von Schrotflinte & Co. gerufen, auch wenn schon im Kampf gegen die Tollwut das massenhafte Töten von Füchsen wenig bewirkt hat.

Wurmkur soll helfen

Peter Deplazes findet diesen Ansatz wenig erfolgversprechend. "Die Bejagung in der Stadt ist ein Riesenproblem." Viel sinnvoller sei deshalb die Entwurmung von Fuchspopulationen mit dem Medikament Praziquantel, wie sie von Deplazes und Kollegen erfolgreich am Züricher Stadtrand getestet wurde.

Köder senken Befallsrate

Auch in Deutschland hat die Entwurmungsstrategie bereits Wirkung gezeigt. Das großflächige Verteilen im vierwöchigen Rhythmus von jeweils knapp 11.000 mit Praziquantel präparierten Ködern im Landkreis Starnberg senkte die Befallsrate der Rotpelze dauerhaft von 35 auf ein Prozent. Neue Projekte am Ammersee und im Isartal gehen ebenfalls gut an, erklärt der Wildbiologe Andreas König von der TU München. "Das Problem ist nur: Wer zahlt?"


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal