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Arzneimittel-Skandal: Amerikanische Pharmafirma schönt Studien


Arzneimittel-Skandal  

US-Pharmafirma soll Studien geschönt haben

06.08.2009, 09:39 Uhr | Spiegel Online

Brustkrebs: Die Zahl der Neuerkrankungen geht zurück. (Foto: Archiv)Brustkrebs: Art der Nahrungsaufnahme kann das Risiko senken. (Foto: Archiv)Neuer Skandal um Medizin-Fachblätter: Ein Pharmakonzern ließ positive Artikel über Hormonersatz-Therapien von Ghostwritern schreiben - und von Forschern unter ihrem Namen in den Journalen platzieren. Auch dann noch, als das Brustkrebs-Risiko für Frauen bereits bekannt war.

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Brustkrebs durch Hormontherapie

Jahrelang schluckten Millionen Frauen Hormone - als vermeintlich einfache, aber wirksame Therapie gegen Hitzewallungen, Herzrasen und Schweißausbrüche in den Wechseljahren. Was kaum ein Arzt und noch weniger Frauen ahnten: Indem die Patientinnen ihre Beschwerden mit Hormonpräparaten linderten, erhöhten sie das Risiko für Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Demenz.

PR-Firmen schönen Studien

Eine entscheidende Rolle in dieser rückblickend gefährlichen Verschreibungspraxis hat offenbar der US-amerikanische Konzern Wyeth gespielt. Die zu den zehn weltweit größten Pharmaunternehmen gehörende Firma hat auf dem US-Markt mit den Hormonersatz-Präparaten Premarin und Prempro riesige Umsätze erzielt - im Jahr 2001 allein zwei Milliarden Dollar. Wie die "New York Times" jetzt berichtet, hat der Konzern hohe Summen an PR-Firmen bezahlt, die positiv über die Vorteile der Hormon-Ersatztherapie (HRT) geschrieben und Risiken heruntergespielt haben. Anschließend hätten Mediziner ihre Namen über die bereits fertigen Berichte gesetzt.

Pharmaindustrie finanziert Fachzeitschriften

Gerichtsdokumente belegen laut "New York Times", dass auf diese Weise 26 wissenschaftliche Veröffentlichungen in 18 medizinischen Fachmagazinen zustande kamen. Pikant daran ist, dass mehrere der betroffenen Blätter im renommierten Elsevier-Verlag erscheinen - der erst vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geriet, weil er ganze Pseudo-Fachblätter von Pharmafirmen finanzieren ließ. Der Verlag zeigte sich offenbar bestürzt über die Vorfälle und wolle eigene Ermittlungen anstellen, so die "New York Times".

Finanzierung durch Pharmafirma blieb verdeckt

Bei den nun in die Kritik geratenen Ghostwriter-Artikel handelte es sich laut "New York Times" meist um Übersichtsarbeiten, die mehrere Studien auswerteten und zu einem positiven Fazit kamen. Publiziert wurden sie offenbar unter anderem in renommierten Fachblättern wie dem "American Journal of Obstetrics and Gynecology" und dem "International Journal of Cardiology". Aufgedeckt wurde der Schwindel dem Bericht zufolge von Rechtsanwälten, die Wyeth wegen anderer Sachverhalte bereits im Visier hatten.

Keine Korrekturen durch Mediziner

In den Artikeln soll mit keinem Wort erwähnt worden sein, dass die eigentlichen Urheber der Texte von Wyeth bezahlte PR-Schreiber waren. Stattdessen verschleierte das Unternehmen diesen Vorgang offenbar gezielt: Nachdem die Texte verfasst waren, trat Wyeth an Experten aus den jeweiligen Fachgebieten heran und bat diese, die Artikel mit ihrem Namen zu unterzeichnen. Nicht selten sollen die Mediziner dies anstandslos getan haben - mitunter sogar ohne jegliche Verbesserungen oder Einwände.

25.000 Dollar für Publikation

Ein eindrucksvolles Beispiel ist laut "New York Times" eine Publikation über die Therapie von nächtlichen Schweißausbrüchen und Hitzewallungen während der Wechseljahre. Die Firma Design Write hat demnach 2003 einen 14-seitigen Entwurf verfasst, dafür 25.000 Dollar kassiert und ihn Gloria Bachmann, Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Robert Wood Johnson Medical School in New Jersey, geschickt. Die Expertin war offenbar zufrieden mit dem Manuskript und antwortete: "Ich hatte nur eine Verbesserung, die ich rot markiert habe."

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