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Neurodermitis: Neue Salbe unter Experten umstritten

Neurodermitis  

Was taugt die neue Neurodermitis-Creme?

22.10.2009, 19:53 Uhr | Yuriko Wahl, dpa

Neurodermitis: Bei diesem Kind ist sogar das gesicht betroffen. (Foto: dpa)Diese Kind leidet unter starker Neurodermitis. (Foto: dpa)Eine rosafarbene Salbe sorgt schon vor ihrer Marktzulassung Mitte November für heftigen Wirbel. Vor 20 Jahren ist sie gegen die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte entwickelt worden, aber niemand wollte sie produzieren. Nun hat der WDR-Film "Heilung unerwünscht" heftige Debatten um die angeblich fast nebenwirkungsfreie Salbe Regividerm ausgelöst. Während einige Mediziner das neue Präparat generell positiv bewerten, übt der Deutsche Neurodermitis Bund heftige Kritik.

Pflege und Reinigung Das hilft bei trockener Haut

Vorsichtiger Optimismus

Die bisherigen klinischen Studien sind einwandfrei, meinen Mediziner, der Kreis der Probanden ist aber noch sehr klein. Der im Ersten jüngst gezeigte und viel beachtete WDR-Film über die Salbe aus Vitamin B12 und Avocado-Öl lobt das Medizinprodukt als wirkungsvoll. Einige Experten äußern sich vorsichtig optimistisch, warnen aber vor Euphorie oder überzogenen Erwartungen.

Hilfreich, aber "kein Zaubermittel"

Ein Mediziner und ein Chemiker hatten Regividerm laut WDR-Film in ihrer Wuppertaler Wohnung vor 20 Jahren erfunden und bei einer erkrankten Freundin mit Erfolg getestet. Es folgten eine Studie an der Ruhr-Universität Bochum mit 48 Beteiligten und zwei weitere Untersuchungen mit kleineren Patientenzahlen. Der an der Bochumer Studie beteiligte Dermatologe Markus Stücker sagte der Deutschen Presseagentur, das neue Präparat sei eine "zusätzliche Option, aber kein Zaubermittel".

Weitere wissenschaftliche Studien nötig

Die Untersuchung in Bochum 2004 habe bei den meisten Patienten gezeigt, dass die Salbe helfen könne. Man habe über mehrere Wochen auf einen Arm jeweils ein Placebo, auf den anderen Arm den Wirkstoff gegeben. "Wir haben einen signifikanten Unterschied festgestellt", erklärte Stücker. Eine kleine Probandenzahl sei nicht ungewöhnlich, es solle nun aber wissenschaftlich beobachtet werden, wie die Wirkung bei größerer Anwenderzahl ausfalle. "Das Präparat kann helfen, nicht heilen, aber von einem Durchbruch zu sprechen, wäre nach bisheriger Datenlage wohl nicht gerechtfertigt." Er gehe von der "Wirkung eines leichten Cortisons" aus.

Neurodermitis Bund: Neue Salbe kann nicht heilen

Die neue Salbe soll 28,85 Euro pro 100-Gramm-Tube kosten. Kritiker meinen, der zeitliche Zusammenhang zwischen der Film-Ausstrahlung und dem Verkaufsstart vier Wochen später sei doch "sehr bedenklich". Der Neurodermitis Bund kritisierte: "Schade, dass sich jetzt auch schon eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt völlig kritiklos für solche PR-Aktionen hergibt." Die beiden unheilbaren Hautkrankheiten werde auch die neue Salbe nicht heilen, schon gar nicht nebenwirkungsfrei. Dies zu behaupten, sei zynisch.

Salbe ist als Medizinprodukt zugelassen

Die Schweizer Pharmafirma Mavena will die Neurodermitis-Salbe nun in Deuschland, Österreich und der Schweiz auf den Markt bringen. Ein Sprecher erklärte, es gebe seit langem ein Interesse an einem Vertrieb, nach der Marktzulassung im August habe man nun Gas gegeben. Die Salbe seit als Medizinprodukt zugelassen, für das klinische Studien nachgewiesen werden müssen. Die Salbe rangiere aber eine Stufe unter dem Status Arzneimittel, bei dem für eine Zulassung sehr umfangreiche Langzeitstudien nötig sind.

Fluch und Segen von Cortison

Nach Angaben von Medizinern gibt es bereits mehrere Cremes, die Neurodermitis-Beschwerden cortisonfrei lindern können. Cortison hilft bei akuten Schüben, macht die Haut aber dünner und empfindlicher. Die Ursachen für Neurodermitis sind nicht ganz erforscht, die Volkskrankheit ist nicht heilbar und trifft viele Kinder.

Kinderarzt rät zur Vorsicht

Der Kölner Kinderarzt Eckhard Korsch rät zur Vorsicht: "Es gibt Hinweise darauf, dass die Behandlung mit der Salbe funktioniert. Aber für die Kinderhaut ist es noch zu früh, den Eltern zu sagen: Probiert es alle aus". Es sei nicht klar, ob die Creme vielleicht Allergien auslöse. "Es wäre schön, wenn das Mittel eine Wirkung wie Cortison hätte", meint der Mediziner. "Man kann es ausprobieren, aber es ist ein Experiment."

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