Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Antibiotika werden immer öfter grundlos verschrieben

Antibiotika  

Werden Antibiotika oft grundlos verschrieben?

13.11.2009, 12:58 Uhr | AP / tze

Antibiotika werden oft unnötig verordnet - mit schlimmen Folgen. (Foto: imago)Antibiotika werden oft unnötig verordnet - mit schlimmen Folgen. (Foto: imago)Antibiotika werden in Deutschland immer häufiger eingesetzt - und immer öfter ohne echten Grund. Zwischen 2003 und 2007 sei der Verbrauch um 31 Prozent gestiegen, sagt Harald Seifert vom Mikrobiologischen Institut des Universitätsklinikums Köln. Nach seinen Angaben sind etwa 20 bis 50 Prozent der Antibiotika-Verordnungen überflüssig. In der Schweiz hat sich ein neuer Test bewährt, der dies verhindert.

Das sollten Sie beachten Sieben Fragen zu Antibiotika


Antibiotika verlieren an Wirkung

Hauptursachen für die Übertherapie sind aus Sicht des Professors unzureichende Diagnostik und die Angst vor Fehlentscheidungen. Die Folgen sind fatal: "Je mehr Antibiotika wir benutzen, desto mehr verlieren wir sie", sagte Seifert auf dem 2. Nationalen Innovationsforum Medizin in Berlin. Denn parallel dazu steigt das Ausmaß der Resistenzen. Sorgen bereitet den Experten vor allem die weltweite Zunahme des methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), im Volksmund "Krankenhauskeim" genannt.

Pro Tag sterben 20 Menschen an Krankenhauskeimen

Etwa drei Millionen Patienten pro Jahr erkranken in Europa an einer MRSA-Infektion - 50.000 bis 100.000 überleben dies nicht. Diese Zahlen nannte Ivo Steinmetz vom Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland mindestens 20 Menschen pro Tag, weil sie sich im Krankenhaus mit multiresistenten Keimen infiziert haben.

Neuer Test kann Verbrauch von Antibiotika senken

Ein Weg, den Verbrauch von Antibiotika zu senken, wäre etwa eine schnellere Diagnostik. In der Schweiz wurde jetzt erfolgreich der sogenannte Procalcitonin-Test (PCT) erprobt. Dieser kläre in wenigen Minuten auf, ob eine bakterielle Infektion vorliegt und welchen Schweregrad sie habe, berichtete Professor Beat Müller vom Kantonsspital Aarau: "Mit dem PCT-Test konnten wir den Verbrauch von Antibiotika in der Schweiz deutlich senken: um 50 Prozent in den Kliniken und um 75 Prozent in den Praxen."

Überflüssige Antibiotika in Reinigern und Lebensmitteln

Nicht nur in der Medizin werden Antibiotika ohne Notwendigkeit eingesetzt, sondern auch im Haushalt, bei der Lebensmittelproduktion und in der Nutztierhaltung. Antibakterielle Putzmittel für Bad und Küche gaukeln ein - übertriebenes - Höchstmaß an Hygiene vor, tragen aber dazu bei, dass Keime Resistenzen entwickeln. Antibiotika, die beispielsweise Schlachtvieh in Massenhaltung verabreicht werden, gelangen in die Nahrungsmittelkette. Sogar in Wein und Käse tauchen Spuren von Antibiotika auf. Kürzlich hat eine Behörde Wein aus Südamerika vom Mark genommen, dem Antibiotikum Natamycin behandelt wurde, was in der EU verboten ist.


Mehr zum Thema Gesundheit:
Resistente Keime Wenn Antibiotika nicht mehr wirken
Experten alarmiert Superkeime auf dem Vormarsch
Zu gründlich Putzen schadet Antibakterielle Putzmittel unnötig
Verbotene Substanz Antibiotika in Rotwein entdeckt

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal