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Cholesterin: Nutzen von Cholesterinsenkern umstritten


Cholesterinsenkende Medikamente  

Der Nutzen von Cholesterinsenkern ist umstritten

16.02.2011, 16:28 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online, t-online.de

Cholesterin: Nutzen von Cholesterinsenkern umstritten. Cholesterinsenker werden oft verordnet - doch der Nutzen ist umstritten. (Foto: Archiv)

Cholesterinsenker werden oft verordnet - doch der Nutzen ist umstritten. (Foto: Archiv)

Weltweit zählen Cholesterinsenker zu den umsatzstärksten Medikamenten. Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt allerdings, dass die Mittel nur einer eng gesteckten Patientengruppe mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sicher helfen. Ansonsten ist die Datenlage dürftig.

Cholesterinsenker werden sehr häufig verschrieben

Statine werden in Deutschland häufig verschrieben: Laut dem aktuellen Arzneiverordnungsreport wurden im Jahr 2009 genug Präparate verschrieben, um 3,8 Millionen Menschen zu behandeln. Die Medikamente werden verwendet, um den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Das wiederum soll Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern.

Klarer Nutzen bei Herzpatienten

Dass die Medikamente Patienten helfen, die bereits an Herzproblemen leiden und beispielsweise einen Herzinfarkt überstanden haben, gilt als gesichert: Ihnen werden Statine klar empfohlen, wenn der Cholesterinspiegel zu hoch ist. Aber helfen sie auch, wenn sie rein vorbeugend von Menschen geschluckt werden, deren Herzkreislaufsystem bislang keine Probleme bereitet hat? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Meta-Analyse, für die Experten der Cochrane Collaboration eine Reihe von Studien ausgewertet haben.

Vorbeugende Wirkung nicht sicher belegt

Die Cochrane Collaboration ist ein internationales, von Industrie und Interessenverbänden unabhängiges Netzwerk von Wissenschaftlern. Sie kommen zum Schluss, dass die aktuelle Datenlage über Cholesterinsenker in diesem Punkt nicht ausreicht. Die Entscheidung, jemandem ohne eine bereits vorliegende Krankheitsgeschichte mit Herzkreislaufproblemen Statine zu verschreiben, sollte daher nicht leichtfertig gefällt werden, warnt Fiona Taylor von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, die die Analyse leitete.

14 Studien zu Cholesterinsenkern ausgewertet

Die Forscher werteten 14 Studien aus, an denen insgesamt rund 34.000 Probanden teilnahmen. In sämtlichen Versuchen schluckte ein Teil der Teilnehmer Statine, ein anderer Teil ein Placebo, welches keinen Wirkstoff enthielt. Es zeigte sich, dass die Todesrate unter den Teilnehmern, die ein Statin bekamen, etwas geringer war, auch die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle sank.

Studien von der Pharmaindustrie bezahlt

Allerdings warnen die Forscher vor einer enthusiastischen Reaktion auf diese Zahlen: Abgesehen von einer Studie wurden alle analysierten Experimente mit Geldern der Pharmaindustrie gefördert. "Wir wissen, dass von der Industrie bezahlte Studien eher positive Ergebnisse beim Vergleich von Medikamenten mit Placebos liefern, deshalb müssen wir vorsichtig sein, wie wir die Daten deuten", sagt Fiona Taylor.

Wo die Studien deutliche Schwächen haben

Die Wissenschaftler beklagen auch, dass einige der Studien frühzeitig beendet wurden - das könnte die Ergebnisse ebenfalls verfälschen. Da an den Versuchen überwiegend Männer mittleren Alters teilnahmen, sei zudem fraglich, ob sich die Ergebnisse auf jüngere Menschen übertragen lassen, die bei einer längeren Einnahme eventuell ein höheres Nebenwirkungsrisiko haben. Statine können unter anderem die Leber belasten, Übelkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen. Auch für Frauen, die generell seltener an Herzkreislauferkrankungen litten, seien die Daten nur bedingt zu nutzen.

Krankenkassen zahlen Statine nur für Risikopatienten

In Deutschland erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Statine nur für Patienten, die ein erhöhtes Risiko tragen, an einem Herzkreislaufleiden zu erkranken. "Es gibt bei den Statinen keine Überversorgung in Deutschland", sagt Kardiologe Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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