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EHEC: Leben nach EHEC

EHEC  

Nathalie Lorang und ihr Leben nach EHEC

26.09.2011, 14:01 Uhr | dapd, dapd

EHEC: Leben nach EHEC. Fünf Wochen kämpfte Nathalie Lorang mit dem Darmkeim EHEC und den Folgen der Infektion. (Quelle: dapd)

Fünf Wochen kämpfte Nathalie Lorang mit dem Darmkeim EHEC und den Folgen der Infektion. (Quelle: dapd)

Für Nathalie Lorang hat sich seit ihrer EHEC-Erkrankung einiges geändert. Restaurants besucht die Studentin nur noch selten. Sie fühlt sich sicherer, wenn sie ihr Essen selber kauft. So kennt sie das Herkunftsland und die Inhaltsstoffe. Sie will wissen, was in ihren Körper gelangt.

Desinfektionstücher immer dabei

Drei Monate ist es her, dass die junge Frau nach ihrer EHEC-Erkrankung das Krankenhaus in Hamburg verlassen konnte. Allmählich verschwinden die äußerlich sichtbaren Zeichen des aggressiven Darmkeims wie die bleiche Haut, die Narben von den Kathetern, die schlaffen Muskeln, die Müdigkeit. Aber es gibt auch Spuren, die die Zeit nicht so leicht wegwischen kann. Diese Spuren wirken beim Essen nach oder in Form der Desinfektionstücher, die Lorang nun stets bei sich trägt. Die Angst vor Bakterien und Viren und den Schmerzen, die sie verursachen können, ist geblieben: "Wenn ich unterwegs bin, habe ich oft das Bedürfnis, meine Hände zu reinigen."

Alles fing mit einem Grummeln im Magen an

Alles habe mit einem "Grummeln im Magen" begonnen, erzählt Lorang. Es war ein Sonntag Ende Mai, sie hatte das Wochenende bei ihren Eltern in Oberfranken verbracht. Am Abend fährt die Studentin zurück nach Hamburg. Von EHEC liest sie in der U-Bahn zum ersten Mal. "Ich habe mir nichts dabei gedacht, bin am Montag zur Uni. Da hat der Durchfall angefangen."

Intensivstation, Schmerzmittel und blutiger Durchfall

Fünf Tage später liegt die 27-Jährige auf der Intensivstation. Zwei Schläuche erhalten sie am Leben. Der eine führt zum Dialyse-Gerät und versorgt sie mit gereinigtem Blut, das ihre beschädigten Nieren nicht mehr liefern können. Der andere bringt flüssige Nahrung in ihren Körper. Lorang sieht die Welt nur noch wie durch einen Schleier, verursacht von Schmerzmitteln und unendlicher Erschöpfung. Alle zehn Minuten zwingt sie blutiger Durchfall auf die Toilette. Dazwischen dämmert sie vor sich hin. "Am Anfang war ich schon fast komatös", sagt sie. Sie habe in abgehackten Sätzen gesprochen, sei manchmal sogar während eines Gesprächs eingeschlafen.

Elf Kilogramm Gewichtszunahme ohne etwas zu essen

Obwohl sie selbst kaum etwas isst, hat sie elf Kilogramm zugelegt, "wie das Michelin-Männchen" habe sie ausgesehen, aufgedunsen, weil sie wegen der kaputten Nieren keine Flüssigkeit mehr ausscheiden konnte. Als ihre Mutter nach dem ersten Besuch aus dem Zimmer tritt, will sie die ganze Verwandtschaft zusammentrommeln. Alle sollen kommen, um sich von Nathalie zu verabschieden.

Entscheidung für das Medikament

Nach zehn Tagen kommt der Oberarzt zu Lorang. Er bringt ihr eine Broschüre über ein neues Medikament. "Er hat zu mir gesagt: Dieses Medikament ist die letzte Hoffnung für Ihre Nieren." Er sagt ihr auch, dass das Medikament noch nicht zugelassen sei, aber bei einigen anderen Patienten schon gewirkt habe. Lorang muss sich entscheiden, ob sie ihr Leben lang auf ein Dialysegerät zur Blutwäsche angewiesen sein will oder ob sie sich auf ein Medikament verlässt, dessen Wirkung noch nicht vollständig geklärt ist. Sie entscheidet sich für das Medikament. "Ich hatte ja keine Wahl", sagt sie.

Die Nieren arbeiten wieder

Mit dem Medikament geht es rasch aufwärts mit Lorang, der Appetit kehrt zurück, die Nieren fangen wieder an zu arbeiten, sie kann duschen - zum ersten Mal seit zwei Wochen. Bald wagt sie ein paar Schritte, vom Bett zur Tür und zurück, "wie auf Eiern", weil ihre Muskeln sie kaum noch tragen. Am 28. Juni wird Lorang schließlich aus dem Krankenhaus entlassen. Aschfahl und schon nach ein paar Schritten erschöpft, aber mit der Aussicht auf ein Leben mit funktionierenden Nieren.

Lorang muss regelmäßig zur Nieren-Kontrolle

Heute hat Lorang wieder Farbe im Gesicht, wirkt zufrieden und voller Tatendrang. Sie lernt gerade viel, es gibt Prüfungen nachzuholen, die sie während der Zeit im Krankenhaus verpasst hat. Bald geht das vierte Semester los. Nebenbei will sie wieder arbeiten. "Die Ärztin hat schon geschimpft, ich solle mich nicht überfordern", sagt sie. Einmal im Monat muss Lorang derzeit noch ins Krankenhaus - zur Kontrolle der Nierenwerte.

"Lebe den Tag, denn es könnte dein letzer sein."

Die junge Frau lacht immer wieder, wenn sie von der Zeit im Krankenhaus erzählt, ironisiert, wenn sie sagt, der blutige Durchfall sei "keine schöne Angelegenheit gewesen". "Das ist natürlich ein Einschnitt, wenn man immer kerngesund war und dann plötzlich so schwer krank wird. Aber ich bin vollkommen darüber hinweg." Die Krankheit habe sie lockerer gemacht, die Relationen zurechtgerückt. "Ich sehe vieles nicht mehr so engstirnig." Statt sich über manches aufzuregen, sage sie sich lieber: "Lebe den Tag, denn es könnte dein letzter sein."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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