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Schönheits-OPs: So unzureichend beraten Ärzte

Schönheitsoperationen  

Schönheits-Chirurgen beraten unzureichend

14.05.2012, 12:25 Uhr | dpa

Schönheits-OPs: So unzureichend beraten Ärzte. Schönheits-OPs: "Sie wollen groß? Sie kriegen groß!" - Chirurgen beraten oft schlecht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schönheits-OPs: "Sie wollen groß? Sie kriegen groß!" - Chirurgen beraten oft schlecht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ob der Tod der Pornodarstellerin "Sexy Cora" nach einer Busen-OP oder der Skandal um minderwertige Brustimplantate: Immer wieder gerät die Schönheitschirurgie in die Schlagzeilen. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg hat gezeigt: Ärzte beraten oft katastrophal. Checkliste: So sieht ein gutes Beratungsgespräch beim Schönheits-Chirurgen aus.

Ein Riesengeschäft in Deutschland

Mehr als eine halbe Million Schönheitsoperationen gibt es jährlich in Deutschland. Tendenz steigend, glaubt man den Schätzungen von Experten. Am häufigsten sind Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen, Nasen- und Lidkorrekturen sowie die Bauchdeckenstraffung. Nicht mitgezählt sind unzählige kosmetische Eingriffe wie das Aufspritzen der Lippen oder Botox gegen Falten. Frauen legen sich nach wie vor häufiger unters Messer für die Schönheit, die Männer holen jedoch auf. Ein Riesengeschäft also.

Verbraucherzentrale kritisieren schlechte Beratung

Verbraucherschützer kritisieren, dass viele Chirurgen nicht genügend über Folgen von Schönheits-OPs aufklären. Das ist besonders heikel, weil es sich in vielen Fällen um medizinisch nicht notwendige Eingriffe handelt. "Leider melden sich bei uns keine Menschen, die sich operieren lassen wollen, sondern jene, bei denen es schief gegangen ist", sagte Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Sie wollen groß? Sie kriegen groß!"

Die Hamburger Verbraucherschützer haben die Qualität von Beratungsgesprächen getestet: Eine junge Frau mit dem angeblichen Wunsch nach einer Brustvergrößerung hatte sich bei 26 plastischen Chirurgen in sieben deutschen Großstädten einen Beratungstermin geben lassen. Nach Auswertung der Gespräche kritisieren die Verbraucherschützer: Lediglich fünf Ärzte erzielten ein gutes Ergebnis, 21 Ärzte dagegen ein schlechtes. Die Note "sehr gut" erhielt niemand. Nur etwa ein Viertel der Ärzte hätte ausdrücklich erwähnt, dass eine Brustvergrößerung eine Folge-OP nach sich ziehen könne und die Kassen die Kosten dafür wahrscheinlich nicht übernehmen. Nur vier Ärzte erkundigten sich eingehender nach der Motivation. "Sie wollen groß? Sie kriegen groß!" - habe ein Chirurg gesagt.

Viele Menschen haben gestörte Körperwahrnehmung

Doch gerade die Motivation sollte nicht außer Acht gelassen werden, so das Fazit auf einer Podiumsdiskussion zum Thema in Hamburg. Vor allem, da die Medien oft irreale Schönheitsideale zeigten. "Etwa fünf bis 15 Prozent der Menschen, die zum Schönheitschirurgen gehen, haben eine Körperdysmorphophobie", sagte Aglaja Stirn, Chefärztin für Psychosomatische Medizin im Asklepios Westklinikum Hamburg. Gemeint ist eine gestörte Wahrnehmung des Körperbildes. Diesen Menschen könne mit einer Schönheits-OP nicht geholfen werden, so Chirurg Müller.

Viele Chirurgen operieren fachfremd

Im Gegensatz zu den USA operieren in Deutschland viele Chirurgen "fachfremd", sagt Klaus Müller, Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie (Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek). Das heißt: Auch Kieferchirurgen oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte machen in Privatkliniken Brustvergrößerungen oder saugen Fett ab. Die Begriffe "Schönheitschirurg" sowie "Klinik" sind nicht geschützt. Müller sieht darin ein Kernproblem der Branche.

Plastischer Chirurg nach sechsjähriger Weiterbildung

Seit 2005 ist der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ein anerkannter Facharzttitel. Die Weiterbildung dauert mindestens sechs Jahre und beinhaltet Schönheits-Operationen. Zum Geschäft dieser Chirurgen gehören auch Wiederherstellungen des Gewebes nach Verbrennungen und Unfällen oder Hautstraffungen bei ehemals Fettleibigen.

Qualifikation wird meist nicht offengelegt

Die meisten Interessenten suchen demnach im Internet nach dem Arzt ihres Vertrauens - und lassen sich nicht selten blenden von "beeindruckenden Villen in bester Lage", in denen operiert wird. "Die Qualifikation der behandelnden Ärzte und die Qualität ihrer Arbeit bleiben dabei jedoch meist im Dunkeln", sagte Müller. Zu weiteren Risiken zählt er eine schlechte Betreuung nach der Operation und zu wenig Personal in den Einrichtungen - oft aus Kostengründen.

Standards für ein Mindestmaß an Qualität

Derzeit erstellt die Hamburger Ärztekammer Standards, die ein Mindestmaß an Qualität sicherstellen soll. Auf dem Gebiet der Schönheitschirurgie tätige Ärzte sollen Auskunft über ihre Fallzahlen, Fachkompetenz und Behandlungsverfahren geben. So soll eine Positiv-Liste ins Internet gestellt werden, sagte Annemarie Jungbluth von der Ärztekammer. Operierte sollen Feedback geben können, ob ihre Erfahrungen mit der Selbstauskunft des Arztes übereinstimmen. Ob eine unabhängige Beratung vor einer Schönheits-OP, ein Verbot solcher Eingriffe für Minderjährige oder rechtliche Konsequenzen für Ärzte, die außerhalb ihres Fachgebiets tätig sind - an welchen Stellschrauben Politik und Ärzteschaft drehen werden, ist offen.

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