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So unberechenbar ist Schuppenflechte

Unangenehme Hautkrankheit  

So unberechenbar ist Schuppenflechte

29.10.2014, 08:09 Uhr | dpa

So unberechenbar ist Schuppenflechte. Schuppenflechte: Rote Flecken auf der Haut sind wichtige Symptome der Schuppenflechte. (Quelle: Arno Burgi )

Rote Flecken auf der Haut sind wichtige Symptome der Schuppenflechte. (Quelle: Arno Burgi )

Rote Flecken auf der Haut, Schuppen und Juckreiz sind Symptome der Schuppenflechte. Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Wir verraten, welche Ursachen die chronische Hautkrankheit auslösen und welche Therapien helfen können.

Die Krankheit ist nicht ansteckend

Eine Bankangestellte zählt das Geld für einen Kunden ab. Ihre Nagelbetten sind stark gerötet, wulstig und rissig. Die Oberfläche der Fingernägel hat kleine Dellen, die Nägel sind gelblich-braun verfärbt. Der Kunde rümpft die Nase und schaut unangenehm berührt zur Seite.

Solche Reaktionen erleben Patienten mit Schuppenflechte immer wieder. Sie leiden unter den Veränderungen ihrer Haut, den bleibenden Anzeichen der Krankheit und dem gesellschaftlichen Umgang damit. Schuppenflechte gehört zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Ansteckend ist die medizinisch auch Psoriasis genannte Krankheit nicht.

Die Oberhaut wächst rasend schnell

Schätzungsweise sind zwei bis drei Prozent der Bevölkerung betroffen, schätzt Thomas Rosenbach vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen.

Ursache ist meist eine genetische Veranlagung, eine Fehlfunktion des Immunsystems. Sie führt zu einem gutartigen, rasend schnellen Wachstum der Oberhaut. Bei einem gesunden Menschen brauchen die Zellen ab ihrer Entstehung in tiefer liegenden Hautschichten 28 Tage, um an die Hautoberfläche zu wandern und dort als kleine Hornhautschüppchen abgestoßen zu werden. Bei einem Schuppenflechte-Patient dauert der Prozess sieben Tage oder weniger.

Diese Körperregionen sind betroffen

Bei der häufigsten Form der Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist vorrangig die Haut an Ellenbogen, Knien, am Kopf, hinter den Ohren, am Bauchnabel und im Intimbereich beziehungsweise in der Gesäßfalte betroffen. "Bei etwa der Hälfte derjenigen, die an Psoriasis vulgaris erkranken, sind auch die Nägel beteiligt", erläutert Rosenbach. Die Patienten empfinden nicht nur die Schuppung als unangenehm. Auch Juckreiz, Spannungsgefühle in der Haut und Blutungen sind möglich.

Individueller Krankheitsverlauf erschwert die Therapie

"Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen beginnt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr, prinzipiell kann sie jedoch in jedem Lebensalter beginnen, das heißt von der Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter", erläutert Sandra Philipp vom Psoriasis-Centrum an der Charité in Berlin. "Ob, wann und in welcher Form und Ausprägung die Krankheit zum ersten Mal ausbricht, ist nicht voraussagbar", ergänzt Hans-Detlev Kunz vom Deutschen Psoriasis Bund. Jeder habe seine eigene Schuppenflechte. Genau das mache die Therapie enorm schwierig.

Salben und UV-Strahlen können helfen

Alle bekannten Therapien zielen darauf ab, die Symptome zu lindern, das Abheilen zu beschleunigen, akute Krankheitsphasen zu verkürzen und neue Schübe zu vermeiden oder hinauszuzögern. "Der erste Therapieschritt ist die Hautpflege", sagt Philipp. Dadurch lasse sich beispielsweise der Juckreiz lindern sowie das Aufkratzen der Haut und Entstehen weiterer Entzündungsherde vermeiden.

Salben sind in jedem Therapiekonzept unverzichtbar. "Der Goldstandard sind heute Cremes, die Vitamin D und Kortison enthalten", sagt Rosenbach. Sind mehr als zehn Prozent der Hautoberfläche betroffen oder die Patienten in ihrer Lebensqualität sehr stark beeinträchtigt, geht es weiter: Eine Möglichkeit ist die Therapie mit vorsichtig dosierten UV-Strahlen. Sie wird oft auch mit Solebädern kombiniert, auch bekannt als Licht-Bade-Therapie.

Biologika hemmen das vermehrte Wachstum der Hautzellen

"Darüber hinaus kann eine innerliche Behandlung sinnvoll sein", sagt der Hautarzt. Sie ziele darauf, das vermehrte Wachstum der Hautzellen zu hemmen. Vergleichsweise neu auf dem Markt sind genetisch hergestellte Wirkstoffe (Biologika). Sie ähneln bestimmten körpereigenen Substanzen, werden meist gespritzt oder als Infusion verabreicht. "Die Kosten für Biologika sind extrem hoch. Sie dürfen erst angewandt werden, wenn alle anderen Therapien erfolglos sind", erläutert Rosenbach. Langzeiterfahrungen liegen mit diesen Wirkstoffen zum Teil nur begrenzt vor.

Chronischer Verlauf oder wiederkehrende Schübe

Die Schuppenflechte verläuft entweder chronisch oder in wiederkehrenden Schüben. Es gebe viele Patienten, die selber etwas zur Therapie beitragen wollen, berichtet Philipp. Man müsse jedoch sagen, dass die Krankheit dadurch allein nicht heilbar, aber in ihrem Verlauf beeinflussbar sei.

Gemeinsam können Hautarzt und Patient ergründen, welche individuellen Auslöser infrage kommen und ob sie vermeidbar sind. "Ein häufiger Trigger bei älteren Patienten sind Betablocker", nennt Rosenbach ein Beispiel. Bluthochdruck-Patienten können vielfach auf andere Medikamente umgestellt werden. Auch Übergewicht wirke sich ungünstig auf den Verlauf von Schuppenflechte aus. "Zudem beeinträchtigt es die Wirkung von Medikamenten."

Psychische Probleme sind auch ein Auslöser

Die Psyche spielt ebenfalls eine große Rolle. "Oft lösen einschneidende Erlebnisse wie der Verlust eines Partners oder auch ein Trauerfall den Ausbruch der Krankheit oder auch einen Schub aus", sagt Philipp. Solche psychischen Belastungen lassen sich kaum vermeiden. Wichtig ist jedoch, nach Entspannungsmöglichkeiten zu suchen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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