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Gesundheit: Ärzte erleben weiße Überraschung in der Lunge


Ein rätselhafter Patient  

Weiße Überraschung in der Lunge

04.11.2013, 11:49 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Gesundheit: Ärzte erleben weiße Überraschung in der Lunge. Ist die Lunge schlecht durchblutet, droht womöglich akute Lebensgefahr. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ist die Lunge schlecht durchblutet, droht womöglich akute Lebensgefahr. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wegen akuter Atemnot muss ein britischer Rentner behandelt werden. Die Ärzte suchen nach der Ursache seiner Beschwerden. Sie vermuten eine Lungenembolie, bei der jede Sekunde zählt. Doch sie werden überrascht.

Atemnot und stechende Schmerzen

Der 67-jährige Patient muss in der Notaufnahme des Manchester Royal Infirmary behandelt werden, er ringt nach Luft. Bereits im Urlaub hatte er unter trockenem Husten gelitten und Antibiotika dagegen genommen, erzählt er den Ärzten. Die Beschwerden hätte das aber kaum gelindert. Auf dem Heimflug sei seine Atemnot schlimmer geworden. Nun quälen den Patienten stechende Schmerzen in der linken Brustseite.

Keine Hinweise auf Allergien oder Asthma

Auf Nachfrage erzählt der Mann, er habe bereits seit zwei Jahren gelegentlich ein pfeifendes Atemgeräusch. Ärzte hätten deshalb bei ihm Asthma diagnostiziert. Doch objektive Untersuchungen der Lungenfunktion, die normalerweise bei Asthmatikern durchgeführt werden, schreiben Vaibhav Kumar und Karthik Santhanakrishnan im Medizinjournal "The Lancet", gibt es nicht. Gleichwohl seien dem Mann vorsorglich Medikamente verschrieben worden, um die Atemwege zu beruhigen und im Notfall einen Asthmaanfall lindern zu können.

Bei der Untersuchung des 67-Jährigen finden die britischen Ärzte weder typische Allergien noch andere Hinweise, die für ein Asthma sprechen. Allerdings war der Mann vor knapp vierzig Jahren wegen Lungentuberkulose behandelt worden. Vor fünf Jahren brach sie erneut aus. Volle sechs Monate, so erzählt es der Patient, sei er deshalb wie vorgeschrieben mit Anti-Tuberkulose-Mitteln behandelt worden.

Stress, schnelle Atmung, wenig Sauerstoff im Blut

Der Mann ist Diabetiker und auf Insulin angewiesen. Er hat nicht an Gewicht verloren, kein Fieber oder nächtliche Schweißausbrüche und hustet auch kein Blut - alles Symptome, die auf bösartige Erkrankungen oder eine erneute Lungentuberkulose hinweisen könnten.

Während der Untersuchung ist der Patient gestresst. Er atmet deutlich zu schnell - 34-mal pro Minute. Im Vergleich zu einem ruhigen, gesunden Erwachsenen ist das mehr als doppelt so schnell. Das Blut wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff gesättigt.

Linke Lunge ist schlecht durchblutet

Als die Ärzte ihren Patienten abhören, fällt ihnen auf der linken Brustseite das Pfeifgeräusch auf. Weit unten in der linken Lunge hören sie die Luft nur schwach strömen. Die Blutanalyse zeigt Zeichen für eine Entzündung. Zudem deutet sie darauf hin, dass mit dem Übertritt des Sauerstoffs aus den Lungenbläschen ins Blut etwas nicht stimmt.

Doch weder im Elektrokardiogramm (EKG), noch auf einer Röntgenaufnahme der Lunge entdecken die Ärzte etwas Auffälliges. Schließlich untersuchen sie bei dem Patienten per sogenannter Lungenszintigrafie, wie die Lunge mit Blut versorgt wird. Dabei stellen sie fest, dass die linke Lunge nicht normal durchblutet wird. Experten sprechen dann von einem Perfusionsdefekt. Ob die gestörte Luftversorgung des linken Lungenflügels der Grund dafür ist, können sie allerdings nicht prüfen - die Atemnot des Patienten ist dafür zu groß.

Aufschluss in der Röhre

Um die Ursache für den Perfusionsdefekt zu finden, schieben die Ärzte ihren Patienten in die Röhre und machen eine Computertomografie (CT). Sie gehen davon aus, dass eine Lungenembolie - also ein durch einen Blutpfropf verstopftes Blutgefäß in der Lunge - schuld für die mangelnde Blutversorgung der linken Lunge ist. Das wäre ein lebensbedrohlicher Notfall.

Mediziner finden Kalk in der Lunge

Das CT-Ergebnis überrascht die Mediziner: Auf dem Bild ist kein Hinweis auf eine Lungenembolie zu sehen. Stattdessen entdecken sie im linken Hauptbronchus, jener Verbindung, die von der Luftröhre zu den Lungenlappen abgeht, eine kalkhaltige Masse. In der anschließenden Bronchoskopie können sie den sogenannten Broncholithen direkt auf dem Bildschirm sehen.

Weil sie befürchten, dass der Broncholith Blutungen auslösen könnte, wird der Patient in die Abteilung für Herz- und Lungenchirurgie verlegt, wo der Kalkklumpen entfernt wird. Dazu fräsen sie bei einer erneuten Bronchoskopie einen Großteil aus dem Bronchus heraus. Am Tag nach dem Eingriff kann der Patient entlassen werden; bei Nachuntersuchungen hat er keine Beschwerden mehr, auch die Funktionstests der Lunge liefern normale Ergebnisse.

Broncholithen bleiben oft lange unbemerkt

Broncholithen sind sehr seltene Kalkstrukturen, die in den Bronchien wachsen. Weil die Gewächse so selten sind und sehr unterschiedliche Symptome auslösen können, dauert es durchschnittlich vier bis fünf Jahre bis zur richtigen Diagnose, schreiben die britischen Ärzte im "Lancet". Meist falle nur ein trockener Husten auf. Der von ihnen beschriebene Patient mit seinen für Asthma typischen Beschwerden sei deshalb äußerst ungewöhnlich.

Eine Ursache für Broncholithen können verkalkte Lymphknoten in der Nähe der Luftwege sein, die angeregt durch die ständige Bewegung durch Atmung und Herzarbeit wachsen. Die verkalkten Lymphknoten entstehen aus chronischen Entzündungen, die vor allem der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis verursacht.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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