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Hilft Kalzium gegen weiße Flecken auf dem Nagel?


Mythos oder Medizin?  

Hilft Kalzium gegen weiße Nagel-Flecken?

06.11.2014, 12:36 Uhr | Julia Merlot, Spiegel Online

Hilft Kalzium gegen weiße Flecken auf dem Nagel?. Weiße Flecken auf den Nägel haben nicht, wie oft behauptet wird, Kalziummangel als Ursache. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Weiße Flecken auf den Nägel haben nicht, wie oft behauptet wird, Kalziummangel als Ursache. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Weiße Flecken auf den Fingernägeln - für viele ein unangenehmer Schönheitsmakel. Doch woher kommen die lästigen Punkte? Und lässt eine Kalziumbehandlung sie wirklich verschwinden?

Schneiden, feilen, polieren und nach Lust und Laune mit einer schicken Farbe bepinseln - Nagelpflege kann viele Formen annehmen. Bei manchen Menschen reichen ein paar beherzte Schnitte mit der Nagelschere, andere verbringen viel Zeit mit einem riesigen Arsenal an Werkzeugen. Eines verbindet sie alle: Gelegentlich tauchen weiße Flecken auf den Nägeln auf. Häufig wird Nährstoffmangel als Ursache vermutet, meist ist die Rede von zu wenig Kalzium, aber auch Eiweiß, Eisen oder Biotin - auch Vitamin H oder Vitamin B genannt - sind im Gespräch.

Komplizierte Nagelmatrix

Tatsächlich sind alle diese Stoffe wichtig für gesunde Nägel, die Bestandteil der Haut sind. Die Geburtsstätte der Hornplatten, die Nagelmatrix, liegt unter dem Nagelhäutchen. Ein Teil von ihr schimmert am Nagelanfang als kleiner weißer Halbmond durch. Bestimmte Hautzellen, Keratinozyten, wandern von der Nagelmatrix Richtung Nagelbett, sterben ab und verhärten. Mehr als 100 solcher Schichten aus Keratinschuppen lagern dicht übereinander und bilden die nicht mal einen Millimeter dicke Nagelplatte. Gelegentlich jedoch gerät die Hornproduktion am Nagel durcheinander.

Nichts als ein bisschen Luft

"Weiße Flecken auf den Nägeln sind meist die Folge von kleinen Verletzungen der Nagelmatrix", erklärt Erwin Schultz, Chefarzt der Hautklinik am Klinikum Nürnberg. Sie entstehen etwa bei zu gut gemeinter Maniküre, wenn das Nagelhäutchen stark zurückgeschoben oder entfernt wird. Auch Stöße auf den Nagelansatz können die Geburtsstätte des Nagels vorübergehend beschädigen. "Dann wachsen die Hornschichten nicht mehr richtig zusammen, es können sich Hohlräume und Lufteinschlüsse bilden, die den Nagel weißlicher erscheinen lassen", so Schultz. Rechtshänder haben typischerweise mehr Flecken auf den Nägeln der rechten Hand, Linkshänder auf denen der linken.

"Bei stärkeren Verletzungen am Nagel können auch weiße Streifen quer über den Nagel entstehen", sagt Schultz. Auch Fiebererkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem können der Nagelmatrix zusetzen. Ist die Verletzung repariert, wächst der Nagel normal weiter und die weißen Stellen wandern mit. "Mit der Ernährung haben diese Flecken nichts zu tun", sagt Schultz. Für die Nagelgesundheit insgesamt seien Nährstoffe aber schon wichtig.

Die Mär vom Kalzium

Keratin ist nichts anderes als ein Eiweiß oder Protein, dessen Bausteine zum Teil über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Zudem benötigt der Körper B-Vitamine wie Biotin, um einen stabilen Nagel herzustellen. Sie sind unter anderem in Tomaten, Naturreis oder Nüssen enthalten. "Wenn die Ernährung nicht stimmt, werden die Nägel brüchig", erklärt der Hautarzt. In der westlichen Welt allerdings sei Mangelernährung extrem selten. Nahrungsergänzungsmittel können die Nagelgesundheit daher in der Regel nicht verbessern - eine ausgewogene Ernährung ersetzen sie schon gar nicht.

Im Jahr 2000 etwa ergab eine Studie, dass Kalziumpräparate keinen Nutzen für die Nägel haben. Ian Reid von der University of Auckland in Neuseeland hatte damals 683 Frauen über ein Jahr hinweg jeden Tag Kalziumtabletten oder ein wirkungsloses Scheinmedikament gegeben, wobei die Frauen nicht wussten, welchen Stoff sie nahmen. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Frauen fand, dass ihre Nägel glatter und nicht mehr so brüchig waren - unabhängig davon, in welcher Gruppe sie gewesen waren. Ein klassischer Placebo-Effekt. Das Ergebnis der Studie verwunderte Experten kaum: Laut Reid bestehen Nägel nur zu 0,03 Prozent aus Kalzium, das zudem vor allem auf der Oberflache sitzt.

Wohnung sauber, Nägel futsch

Statt durch Mangelernährung entstehen brüchige Nägel in der westlichen Welt meist durch häufiges Händewaschen, Kontakt mit Reinigungsmitteln und Nagellackentferner. Hinzu kommt die genetische Veranlagung, die mit darüber entscheidet, wie empfindlich die Nägel auf äußere Einflüsse reagieren. Wer brüchige Nägel hat, dem können oft schon Putz- und Spülhandschuhe helfen oder ein gelegentliches Fingerbad in Olivenöl. Positiver Nebeneffekt: Öl und fettige Creme tun auch der Nagelmatrix gut und schützen damit vor weißen Flecken - vorausgesetzt, man schont das Nagelhäutchen auch bei der Maniküre.

Bis die weißen Flecken verschwunden sind und sich der Nagel stabilisiert, muss man allerdings etwas Geduld mitbringen: Es dauert etwa ein halbes Jahr, bis der Daumennagel einmal ausgetauscht wurde. Fußnägel wachsen noch langsamer. Wenn sich die Stabilität der Nägel trotz ausgewogener Ernährung, rücksichtsvoller Maniküre und Wasserschutz nicht bessert, empfiehlt Schultz: "Wer befürchtet, dass Veränderungen am Nagel körperliche Ursache haben, sollte zum Arzt gehen."

Fazit: Weiße Flecken auf den Nägeln entstehen durch Verletzungen und nicht durch Kalziummangel. Eine ausgewogene Ernährung kann immerhin vor brüchigen Nägeln schützen - meist sind allerdings Putzmittel und zu viel Wasser für Splitternägel verantwortlich. Wenn Nägel dauerhaft instabil sind oder sich verformen, sollte der Arzt einen Blick darauf werfen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem aktuell erschienenen Buch "Mythos oder Medizin: Brauchen Wunden Luft oder Pflaster? Die spannendsten Fragen und Antworten aus der beliebten Kolumne bei SPIEGEL ONLINE" von Irene Berres und Julia Merlot. Der Artikel wurde für den Online-Auftritt leicht bearbeitet.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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