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Arzneimittel: SPD-Experte sieht wohnortnahe Versorgung gefährdet

Preisbindung bei Medikamenten  

Experte: wohnortnahe Versorgung ist gefährdet

20.10.2016, 09:23 Uhr | dpa, AFP

Arzneimittel: SPD-Experte sieht wohnortnahe Versorgung gefährdet. Karl Lauterbach fordert: Apotheken müssen für Beratung besser bezahlt werden. (Quelle: dpa)

Karl Lauterbach fordert: Apotheken müssen für Beratung besser bezahlt werden. (Quelle: dpa)

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte und stellvertretender Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, sieht nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Arzneimittelpreisbindung den Gesetzgeber in der Pflicht. "Wenn wir nicht gegensteuern, könnte die wohnortnahe Versorgung durch Apotheken gefährdet sein", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Dies könne aber verhindert werden, wenn die Apotheken für deren Beratungsleistung besser bezahlt würden. "Die Beratung muss in den Vordergrund der Apothekenvergütung rücken, nicht der Verkauf", sagte Lauterbach.

Deutliche Rabatte für gesetzlich Versicherte

Nach Ansicht des Gesundheitsexperten wird das EuGH-Urteil insgesamt zu billigeren Preisen von Arzneimittel führen, weil ein beratungsfreier Bezug rezeptpflichtiger Medikamente über den Versandhandel Einzug halten werde.

Mittelfristig rechnen Experten mit deutlichen Rabatten für gesetzlich Versicherte in Deutschland. Der Direktor des Münchner Instituts für Gesundheitsökonomie, Günter Neubauer, sagte der "Bild"-Zeitung, er erwarte, dass auch Versandapotheken mit Rabatten nachziehen. "Und auch die niedergelassenen Apotheken um die Ecke werden versuchen, mit Rabatten um Kunden zu werben." Bei der Zuzahlung seien Preisnachlässe von 20 Prozent drin.

Internet-Apotheken reagieren bereits auf das Urteil

Nach Ansicht Neubauers würden gerade Patienten "mit vielen und teuren Medikamenten", zum Beispiel Dialyse-Patienten, profitieren. "Apotheken werden versuchen, sie mit Rabatten an sich zu binden", sagte Neubauer voraus.

Dem Bericht zufolge reagierte die niederländische Internet-Apotheke DocMorris sofort auf das EuGH-Urteil. Seit Mittwoch erstattet DocMorris demnach Kunden auf Rezepte zwei Euro pro Medikament. Das entspricht je nach Höhe der Zuzahlung bis zu 40 Prozent. Die Europa Apotheek erstattet nach eigenen Angaben bis zu zehn Euro je rezeptpflichtigem Medikament, wie "Bild" berichtet.

Der EuGH hatte am Mittwoch die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt. Die Festlegung einheitlicher Abgabepreise benachteilige Versandapotheken im EU-Ausland und beschränke somit den freien Warenverkehr in der EU, befand das Gericht in Luxemburg. Die deutschen Apotheker zeigten sich schockiert von der Entscheidung.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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