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Faser-Muskel-Schmerz: Was steckt hinter der Krankheit Fibromyalgie?

Faser-Muskel-Schmerz  

Was steckt hinter der rätselhaften Krankheit Fibromyalgie?

11.02.2019, 08:22 Uhr | dpa, cch, t-online.de

Faser-Muskel-Schmerz: Was steckt hinter der Krankheit Fibromyalgie?. Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie äußert sich durch verschiedene Symptome. Ein Allheilmittel gibt es nicht. (Quelle: dpa/tmn/Christin Klose)

Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie äußert sich durch verschiedene Symptome. Ein Allheilmittel gibt es nicht. (Quelle: Christin Klose/dpa/tmn)

Starke Schmerzen, Schlafstörungen, körperliche und geistige Erschöpfung. Die Symptome des Fibromyalgie-Syndroms (FMS) sind vielfältig. Und die Krankheit zu erkennen, ist alles andere als einfach.

Fibromyalgie: Das sind die Symptome

Fibromyalgie ist eine neurologische Erkrankung. Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie "Faser-Muskel-Schmerz". Die Patienten leiden zum Beispiel unter lang andauernden Schmerzen an Muskeln und Sehnen, Ein- und Durchschlafstörungen und Erschöpfung. Die Schmerzen bestehen mehr als drei Monate und befinden sich in mehreren Regionen des Körpers. Hinzu kommen psychische Probleme: "So erfüllen etwa 60 bis 80 Prozent von ihnen die Kriterien einer depressiven oder Angststörung", sagt Prof. Winfried Häuser von der Klinik für Innere Medizin 1 am Klinikum Saarbrücken.

Von der Krankheit Betroffene müssen sich nach körperlicher oder geistiger Anstrengung oft deutlich länger regenerieren als gesunde Menschen. Zudem leiden sie laut der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung oftmals unter einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm, Geruch und Kälte.

Die Schmerzen kommen meistens in Schüben. Stress etwa kann einen Fibromyalgie-Schub auslösen.

Diagnose Fibromyalgie: Gibt es einen Test?

Es gibt keinen spezifischen Bluttest und keine Röntgenuntersuchungen für die Diagnose FMS, erklärt Häuser. Um Fibromyalgie festzustellen, müssen sich Mediziner die Vorgeschichte des Patienten gründlich ansehen und eine komplette körperliche Untersuchung sowie mehrere Labortests machen. Experten weisen darauf hin, dass es sich bei Fibromyalgie nicht um Weichteilrheumatismus handelt.

Die Untersuchungen kann ein Hausarzt durchführen und die Diagnose FMS stellen. Zur Bestätigung der Diagnose empfiehlt sich manchmal der Besuch bei einem Rheumatologen oder Schmerztherapeuten.

Laut der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung treten die ersten Symptome der Krankheit in den meisten Fällen ab dem 35. Lebensjahr auf. Sie verstärken sich im Verlauf. Frauen sind demnach deutlich häufiger als Männer betroffen.

Risikofaktoren für Fibromyalgie

Risikofaktoren für das FMS sind laut der wissenschaftlichen Leitlinie der Deutschen Schmerzgesellschaft zur Erkrankung:

  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • FMS-Erkrankung eines nahen Verwandten
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • wenig körperliche Aktivität
  • Misshandlung oder Missbrauch in Kindheit und Erwachsenenalter
  • Stress am Arbeitsplatz

Fibromyalgie kann viele Ursachen haben

Die Ursachen für die Erkrankung können vielfältig sein. Experten gehen davon aus, dass eine genetische Veranlagung sowie verschiedene biologische und psychische Faktoren für das Fibromyalgie-Syndrom verantwortlich sind.

Auffällig ist zudem, dass viele Betroffene ähnliche Persönlichkeitsmerkmale haben: "Die meisten Fibromyalgie-Patienten sind sehr sensibel, leistungsbereit und ehrgeizig", erklärt Thomas Weiss aus Mannheim, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychiatrie sowie Psychotherapie und psychosomatische Medizin. "Häufig kommt im Laufe des Lebens eine Überforderung dazu, die Personen geraten an ihre Grenzen – und dann geschieht etwas, das für sie schwer verständlich ist."

Plötzlich schlafen die Betroffenen nicht mehr gut, sie reagieren empfindlicher auf Reize und haben vegetative Beschwerden – Nervosität etwa. "Wir gehen davon aus, dass die Körper der Patienten die Reizschwelle herunterfahren, was in stressigen Situationen evolutionsbedingt ein sinnvolles Verhalten ist", sagt Weiss. Nachts nicht mehr zu schlafen, war früher zum Beispiel mal notwendig – als Schutz vor Gefahren.

Therapie: Was die Symptome von Fibromyalgie lindert

Den Patienten kann diese Erklärung vielleicht helfen, die Erkrankung zu verstehen. Die Symptome beseitigt sie jedoch nicht. "Wir geben zur Behandlung häufig sehr niedrig dosierte Antidepressiva", sagt Weiss. "Das soll nicht bedeuten, dass es sich bei Fibromyalgie um eine verkappte Depression handelt, aber die Mittel haben eine leicht schmerzstillende Wirkung." Und so schwer es Patienten bei starken Schmerzen und permanenter Erschöpfung oft fällt: Bewegung kann helfen, die Symptome zu lindern.

Diese Erfahrung hat auch Ulrike Eidmann aus Wuppertal gemacht. 1990 wurde bei ihr Fibromyalgie festgestellt. "Ich war vorher für längere Zeit wegen Rücken- und Muskelschmerzen krankgeschrieben, aber kein Arzt hatte eine Erklärung", erzählt sie. "Erst ein dreiwöchiger Klinikaufenthalt brachte mir eine Diagnose." In einer Reha begann sie dann, sich wieder viel zu bewegen. "Ich habe mit Nordic Walken und Fahrradfahren begonnen, außerdem bin ich viel geschwommen."


Therapie sollte individuell zugeschnitten sein

Die Symptome wurden besser und verschwanden schließlich weitgehend. Phasenweise ist sie inzwischen komplett schmerzfrei. Heute sagt sie: Jeder Patient müsse für sich selbst herausfinden, was ihm hilft. "Für mich war es sehr wichtig, auf mich zu hören und so zu erkennen, was mir guttut."

Wichtig ist es nach Ansicht von Häuser aber, es bei der Bewegung nicht zu übertreiben. "Training mit mittlerer und hoher Belastung führt bei vielen Patienten zur Schmerzzunahme", sagt er. Ausnahmen gebe es nur bei Personen, die bereits vor Beginn der Erkrankung sehr gut im Ausdauertraining waren.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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