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Panik vor dem Bohrer: Wenn die Zahnarzt-Angst zur Krankheit wird

Panik vor dem Bohrer  

Wenn die Zahnarzt-Angst zur Krankheit wird

08.05.2019, 04:37 Uhr | dpa

Panik vor dem Bohrer: Wenn die Zahnarzt-Angst zur Krankheit wird. Nur etwas Bammel - oder ausgewachsene Panik? Die Angst vor dem Zahnarzt kann zur Krankheit werden.

Nur etwas Bammel - oder ausgewachsene Panik? Die Angst vor dem Zahnarzt kann zur Krankheit werden. Foto: Benjamin Nolte. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa/tmn) - Niemand geht gerne zum Zahnarzt. Doch eine echte Behandlungsphobie geht noch weit darüber hinaus.

"Bei einer Zahnbehandlungsphobie erscheinen Betroffene erst gar nicht in der Praxis und das oft über viele Jahre hinweg", sagt Prof. Peter Jöhren. Der Fachzahnarzt für Oralchirurgie ist Leiter der Zahnklinik Bochum.

Psychosomatische Angsterkrankung

Nach Angaben der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) leiden fünf bis zehn Prozent der Menschen in Deutschland unter einer Zahnbehandlungsphobie. Dabei handelt es sich um eine psychosomatische Angsterkrankung. Betroffene geraten regelrecht in Panik, wenn sie auch nur an den Besuch beim Zahnarzt denken. "Das kann sich beispielsweise in Form von Schweißausbrüchen, Herzrasen, Schwindel und Kreislaufproblemen äußern", erklärt Thomas Wolf. Er ist Oberarzt an der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin an der Universität Bern.

Es gibt mehrere mögliche Ursachen der Angst. "Oft ist es der erlebte Schmerz vor, während und nach einer Zahnbehandlung, der bei betroffenen Patienten zur Vermeidung führt", erklärt Jöhren. In einer Studie gaben 86 Prozent der betroffenen Patienten an, dass sie traumatisierende Erfahrungen im Behandlungsstuhl erlebt hätten - zu 70 Prozent in der Kindheit.

Nichtbehandlung kann schwere Folgen haben

Was also tun? Einfach nicht hingehen ist schließlich keine Option: Entzündete Zähne, die über einen längeren Zeitraum unbehandelt bleiben, können fatale Folgen haben - vom Schmerz mal ganz abgesehen. "Möglich sind ernsthafte akute und chronische Erkrankungen", sagt BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich. So können Bakterien über den befallenen Zahn hinaus bis tief in die Kieferknochen eindringen. Über den Blutkreislauf kann es so zu einer manchmal lebensbedrohlichen Entzündung im Körper kommen.

Ohne Behandlung der Phobie geht es also nicht. "Das ist aber nicht Aufgabe von Zahnärzten, sondern von ausgebildeten Psychotherapeuten", sagt Wolf. Bei akuten Schmerzen, die eine zahnärztliche Therapie unaufschiebbar machen, kann der Angstpatient gegebenenfalls unter Sedierung oder unter Vollnarkose gesetzt werden.

Vollnarkose ist keine Lösung

"Eine Vollnarkose sollte aber nur bei akut notwendiger Behandlung durchgeführt werden", sagt Oesterreich. Denn so ist die Phobie nicht überwunden - und damit auch nicht das Problem, was sich womöglich dahinter verbirgt.

Letztendlich kann nur ein Psychotherapeut mit dem Patienten den passenden Weg aus der Phobie finden. Betroffene können beispielsweise ein sogenanntes Anti-Angst-Training absolvieren. Dabei werden Patienten von einem Therapeuten behutsam an die Situation beim Zahnarzt herangeführt. "Beim ersten Zusammentreffen ist es wichtig, mit Informationen und Empathie das oft beim Patienten verloren gegangene Vertrauen gegenüber dem Zahnarzt wiederaufzubauen", erklärt Jöhren.

Patient muss Bedürfnisse äußern

Einfühlsam sollte sich der Arzt nach den Wünschen des Patienten erkundigen und diese aufschreiben, damit sie bei der Behandlung nicht in Vergessenheit geraten. "Manchen Patienten hilft es etwa, wenn sie während der Behandlung über Kopfhörer ihre Lieblingsmusik hören oder einfach Entspannungsmusik im Hintergrund", sagt Wolf.

Heutzutage ist aufgrund moderner Verfahren in aller Regel eine schmerzfreie Zahnbehandlung möglich. "Damit die Psychotherapie dauerhaft Erfolg hat, ist entscheidend, dass der Patient bei den zahnärztlichen Behandlungen keine schlechten Erfahrungen macht", betont Jöhren. Schon kleinste Verstöße gegen die Abmachungen zwischen Therapeut, Zahnarzt oder Patient können zu erneutem Abwehrverhalten führen, warnt Jöhren: "Das Versprechen der schmerzfreien Behandlung darf keinesfalls gebrochen werden."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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