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Alltagswissen: Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?

Süßer Schmerz  

Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?

21.07.2019, 10:01 Uhr | t-online.de, sth

Alltagswissen: Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?. Frau kitzelt die Fußsohlen eines Kindes: Bereits Darwin war überzeugt, dass man nur dann kitzelig ist, wenn man den Punkt der Stimulation nicht kennt. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/Eurobanks)

Frau kitzelt die Fußsohlen eines Kindes: Bereits Darwin war überzeugt, dass man nur dann kitzelig ist, wenn man den Punkt der Stimulation nicht kennt. (Symbolbild) (Quelle: Eurobanks/Getty Images)

Berührungen durch andere sind etwas Besonderes: Deshalb verarbeitet sie das menschliche Gehirn auch auf eine spezielle Art. Das merken wir im Alltag auch dann, wenn wir gekitzelt werden. 

Schon Charles Darwin war davon überzeugt: Ein Mensch kann nur gekitzelt werden, wenn er den Punkt der Stimulation vorher nicht kennt. Aus diesem Grund könne sich ein Kind auch nicht selbst kitzeln. Mit dieser Theorie lag Darwin richtig.

Warum sind wir kitzlig?

Es verarbeitet fremde Berührungen anders, als wenn wir uns selbst anfassen. Das zeigt unter anderem eine aktuelle Studie der Linköping-Universität in Schweden.

Dabei verglichen die Forscher unter anderem die Gehirnaktivität von Probanden, wenn sie angefasst wurden und wenn sie sich selbst berührten. Die MRT-Scans zeigten: Bei Fremdberührungen werden mehr Gehirnareale aktiviert – und die Reaktion ist intensiver. Das Gehirn priorisiert also offenbar Reize, die durch Berührung von anderen entstehen.

Sind Tiere kitzlig?

Ob wir den Menschen mögen, der uns kitzelt, spielt offenbar auch eine Rolle. Je mehr wir ihn mögen, desto kitzliger scheinen wir zu sein. Das sagten Neurobiologen der Berliner Humboldt-Universität nach einer Studie an Ratten. Die Forscher vermuteten, dass die Tiere ähnlich wie Menschen auf Kitzeln reagieren. Die Ergebnisse fassten die Studienautoren damals in einem Video für den Youtube-Kanal Bernstein TV zusammen.

Konkret zeigte das Experiment, dass Ratten mehr oder weniger kitzlig waren, je nachdem in welcher Stimmung sie waren. In einer relativ entspannten Situation reagierten die Tiere unter anderem mit Freudensprüngen und mit speziellen Rufen, wenn die Forscher sie kitzelten. Bei verängstigten Ratten waren solche Verhaltensweisen unterdrückt, schrieben die Forscher Michael Brecht und Shimpei Ishiyama.

Ein Trick des Gehirns?

Neurobiologe Brecht ist überzeugt, dass er mit dem Versuch an Ratten die "kitzlige Stelle" im Gehirn gefunden hat. Sie soll in dem Bereich liegen, der auch für den Spieltrieb verantwortlich ist. 


Darum vermutete Brecht: "Wir glauben, dass es Gemeinsamkeiten im Gehirn gibt zwischen den Mechanismen von Kitzeln und Spielen (...) Was ich mir denke, ist, dass Kitzeln ein Trick des Gehirns ist, um Tiere oder Menschen miteinander interagieren beziehungsweise spielen zu lassen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Buch von Rebecca Böhme: "Human Touch – Warum körperliche Nähe so wichtig ist, Erkenntnisse aus Medizin und Hirnforschung", C.H.Beck Verlag, 25.1.2019
  • Humboldt-Universität Berlin: Warum sind wir kitzlig?
  • Buch von Jürgen Brater: "Warum haben wir Sand in den Augen und Schmetterlinge im Bauch?", Verlag Beltz & Gelberg, 24. Januar 2011
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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