Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomeGesundheitKolumne - Ulrike Scheuermann

6 Tipps: So können wir Kooperation fördern


Diese Fähigkeit hat uns zur herausragenden Spezies gemacht

Eine Kolumne von Ulrike Scheuermann

Aktualisiert am 08.08.2021Lesedauer: 5 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
Qualitativ geprüfter Inhalt

Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Hand in Hand arbeiten: Wenn Menschen kooperieren, agieren sie zweckgerichtet zusammen auf ein gemeinschaftliches Ziel hin.
Hand in Hand arbeiten: Wenn Menschen kooperieren, agieren sie zweckgerichtet zusammen auf ein gemeinschaftliches Ziel hin. (Quelle: alvarez/getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextRBB-Mitarbeiter treten in StreikSymbolbild für einen TextDschungel: Nächster Star ist rausSymbolbild für einen TextHeftiger Wutausbruch im DschungelSymbolbild für einen TextDAZN-Kommentator (24) ist totSymbolbild für einen TextRassismus-Vorfall gegen Kroos-KlubSymbolbild für einen TextLive im TV: Rockstar beschimpft RegierungSymbolbild für einen TextFeuer: Großeinsatz in Kölner HochhausSymbolbild für ein VideoJetzt kommt die WetterwendeSymbolbild für einen TextTumulte bei Debatte um AsylunterkunftSymbolbild für einen Text14-jährige Ukrainerin vermisstSymbolbild für einen TextBrauerei muss nach 130 Jahren schließenSymbolbild für einen Watson TeaserLucas Cordalis: Fans mit bösem VerdachtSymbolbild für einen TextSpielen Sie das Spiel der Könige
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Die Corona-Krise hat unsere Kooperationsfähigkeit auf die Probe und unter Beweis gestellt. Wir haben viel geschafft – ein guter Anlass, diese wichtige Fähigkeit des Menschen zu würdigen.

Zu Beginn der Pandemie haben sich Menschen im Supermarkt ums Toilettenpapier gestritten – wie absurd. Aber später haben wir uns auf Kontaktbeschränkungen geeinigt und die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Die Arbeit ging per Videomeeting und Lernen funktionierte auch mit Homeschooling. Die Corona-Krise hat unsere Kooperationsfähigkeit auf die Probe und unter Beweis gestellt.

Wenn Menschen kooperieren, agieren sie zweckgerichtet zusammen auf ein gemeinschaftliches Ziel hin. Es geht um gemeinschaftliche Arbeit an Problemen oder Aufgaben, die allein nicht zu bewältigen wären.

In der Corona-Krise entscheidet das Maß des Zusammenwirkens darüber, wie sich die Pandemie entwickelt. Das große Ziel ist weiterhin, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wenn wir bereit zur Kooperation sind, das Gemeinwohl nach vorn stellen und auf persönliche Vorteile verzichten, können wir dieses Ziel erreichen.

Das soziale Kapital in Deutschland

Vertrauen und Kooperation sind die Basis einer jeden Zivilgesellschaft, damit Länder reich werden und bleiben, konstatieren Forscher, die sich mit dem Zusammenhang von Kooperationsfähigkeiten und Wirtschaftskraft beschäftigen. Wenn man dieses sogenannte "soziale Kapital" einer Gesellschaft betrachtet, geht es um alles, was Kooperation ausmacht: menschliche Wärme, Zusammenhalt, Vertrauen, freiwilliges gegenseitiges Helfen.

Eine Gesellschaft hat ein hohes Sozialkapital, wenn sie durch viel Engagement und Zusammenarbeit getragen ist. Davon profitieren die Einzelnen mehr, als es sie kostet. Macht dagegen niemand etwas für das Gemeinwohl, sind alle misstrauisch und helfen sich deshalb auch nicht mehr.

Das Sozialkapital eines Landes kann so immer mehr abnehmen und die Wirtschaftskraft des Landes schrumpft. Ohne Kooperation gehen Gesellschaften, Gruppen, Unternehmen und auch die Wirtschaft kaputt, so der Soziologieprofessor Martin Schröder von der Philipps-Universität Marburg. Und eben auch die Gesundheit, wie wir zurzeit erfahren.

Wie schätzt man das Sozialkapital eines Landes ein? Die Mitgliedschaft in Vereinen und ehrenamtliches Engagement sind ein Indikator dafür. In Deutschland sieht es da ziemlich gut aus: Es gab noch nie so viel ehrenamtliches Engagement, so viele Vereine und ein so hohes Vertrauen wie heute.

Das Engagement für die Gemeinschaft nimmt deutlich zu: In den 1980er-Jahren engagierten sich 22 Prozent der Deutschen ehrenamtlich, zum Beispiel in Kirchen, sportlichen und sozialen Vereinen, in Schulen und Kindergärten. 2015 waren es schon 32 Prozent. Dieser Wert liegt seitdem stabil bei 30 Prozent. Das ist viel. Und das passt dazu, dass im internationalen Vergleich den Deutschen ein sehr kooperatives Sozialverhalten in der Pandemie bescheinigt wird.

Kooperation ist eine Schlüsselkompetenz des Menschen

Weder der aufrechte Gang noch unsere Körperkräfte oder die Geschicklichkeit unserer Hände, nicht einmal die Sprache haben uns im Verlauf der Menschheitsgeschichte zu der herausragenden Spezies werden lassen, die wir heute sind. Es sind unsere Beziehungs- und Kooperationskompetenzen. Nur durch Kooperation konnten Menschen im Verlauf der Evolution so erfolgreich zu den hoch entwickelten Wesen heranwachsen, die wir heute sind.

Wir haben ein durch und durch soziales Gehirn. "Maximale Kooperation bei minimaler Konkurrenz, das ist der Mensch", sagt Prof. Michael Tomasello, Anthropologe und Verhaltensforscher.

Deshalb haben wir so große Gehirne: Der Platz wird für die komplexen Beziehungsfähigkeiten benötigt, die wir fürs Kooperieren brauchen. Sie beanspruchen den Löwenanteil unserer Gehirnkapazität. Eine riesige Masse an Hirnzellen sorgt dafür, dass wir in kooperativen und langfristig stabilen Gemeinschaften leben können. Wenn wir uns mit dem Partner absprechen, wer das Kind heute abholt. Wenn wir die Arbeitsaufgaben in einem zwanzigköpfigen Projektteam koordinieren. Wenn wir uns in der Kommune, der Stadt, dem Bundesland und im ganzen Land und sogar weltweit auf Maßnahmen gegen die Virusausbreitung einigen.

Aber woher können wir Kooperation? Lernen wir diese Fähigkeit im Lauf des Lebens oder bringen wir sie schon gleich mit?

Kleine Kinder sind kooperativ und nicht egoistisch

Um herauszufinden, welches Verhalten angeboren und welches anerzogen ist, untersucht man kleine Kinder, zum Beispiel in der Verhaltensforschung. Kinder unter drei Jahren sind fast grenzenlos kooperativ, ultrasozial und nicht egoistisch, helfen anderen gerne und sind großzügig. Sie bewerten kooperatives Verhalten bereits mit sechs Monaten höher als egoistisches und bevorzugen im Experiment die Spielfigur, die vorher einer anderen geholfen hat.

Als die Menschen noch in überschaubaren Gruppen von 50, 100 oder 150 als Jäger und Sammler zusammenlebten, mussten sie maximal kooperationsbereit sein. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und gegenseitige Unterstützung waren die Grundlage, um gemeinsam zu überleben.

Meistgelesen
Ein F-16-Kampfjet der griechischen Luftwaffe (Archivbild): Die Ukraine bittet jetzt um Kampfflugzeuge.
USA schließen Kampfjet-Lieferungen nicht aus
Symbolbild für ein Video
Gestörter Polarwirbel: "Das könnte uns blühen"
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Sechs Tipps: Kooperation betonen, Konkurrenz abbauen

Wenn nach den ersten Lebensjahren der Einfluss der Gesellschaft stärker wird, werden Kinder egoistischer. Denn auch die Gesellschaft prägt unser Verhalten. In Asien werden Kooperation und Konformität besonders betont, in westlichen Gesellschaften eher Individualität, Geld, Macht und Status.

Auch das Wirtschaftssystem, das bei uns grundsätzlich auf Konkurrenz basiert, prägt unsere Kooperationsbereitschaft: Einzelne und Unternehmen müssen mit anderen konkurrieren, um sich am Markt zu etablieren und zu halten. Wie können wir dennoch Kooperation betonen, weil alle davon profitieren?

  • Verlässliche Beziehungen pflegen: Erst wenn Menschen wissen, dass sie auch zukünftig miteinander zu tun haben werden, sind sie ausreichend interessiert an Kooperation.
  • Verbundenheit herstellen: Wenn man jemanden persönlich kennt, mag und vertraut, so empfindet man automatisch weniger Konkurrenz und kooperiert gerne.
  • Sich körperlich berühren: Kleine unverfängliche Berührungen steigern den Zusammenhalt und die Kooperationsbereitschaft. Forscher beobachteten Basketballteams: Viele kleine Berührungen früh in der Saison sagten den Erfolg des Teams später in der Saison vorher. Also, je mehr High Fives, desto größer der Spielerfolg.
  • Um Hilfe bitten: Das fällt vielen Menschen schwer. Sie haben zum Beispiel Angst, anderen zur Last zu fallen oder nicht genug zurückgeben zu können. Dabei helfen Menschen meist gerne und fühlen sich wichtig und kompetent, wenn sie gefragt werden.
  • Die Freude am Helfen entdecken: Gegenseitige Hilfe bereitet allen Beteiligten Freude, auch denen, die helfen. Hilfe ist ein Bindungsbooster, sie sichert Zuwendung und soziales Ansehen und sorgt für Dankbarkeit.
  • Sich mit kooperativem Verhalten anstecken: Wenn es üblich ist, sich zu helfen, Informationen auszutauschen, anstatt sein Wissen zu verheimlichen, auf Gegenseitigkeit zu achten und wenn Zusammenwirken, Fairness und Gerechtigkeit zur sozialen Norm werden, passen sich nach und nach alle daran an. Es entwickelt sich ein Klima der Kooperation.

Kooperation ist eine – DIE – besondere Kompetenz von uns Menschen, die den Errungenschaften unserer Kultur zugrunde liegt. Wir sollten uns immer wieder neu bewusst werden, was wir zusammen – und nur zusammen – schaffen können.

Ulrike Scheuermann ist Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin. Seit 25 Jahren hilft sie Menschen dabei, gut für sich zu sorgen. Ihre Self-Care-Programme finden in ihrer Akademie in Berlin statt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Ulrike Scheuermann
  • Martin Schröder: Warum es uns noch nie so gut ging und wir trotzdem ständig von Krisen reden. Benevento 2019
  • Michael Tomasello: Mensch werden. Eine Theorie der Ontogenese. Berlin 2020
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Deutschland
Ernährung







t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website