Sie sind hier: Home > Gesundheit > Kindergesundheit >

Tourette-Syndrom: Verlauf, Symptome, Behandlung

...

Verlauf, Symptome, Behandlung  

Tourette-Syndrom: Leben mit "Schluckauf im Gehirn"

21.02.2018, 09:19 Uhr | rev, sah, t-online.de

Tourette-Syndrom: Verlauf, Symptome, Behandlung. Tourette-Syndrom: Meist treten bei Erkrankten zunächst nur motorische Störungen auf, bevor auch das Sprachzentrum betroffen ist. (Quelle: Getty Images/Marjan_Apostolovic)

Tourette-Syndrom: Meist treten bei Erkrankten zunächst nur motorische Störungen auf, bevor auch das Sprachzentrum betroffen ist. (Quelle: Marjan_Apostolovic/Getty Images)

Es ist wie ein "Schluckauf im Gehirn" und äußert sich durch verschiedene Tics, darunter häufig auch obszöne und aggressive Äußerungen: das Tourette-Syndrom. Aber was genau steckt dahinter?

Was ist das Tourette-Syndrom?

Das Tourette-Syndrom ist eine Nervenerkrankung. Benannt wurde das Tourette-Syndrom nach Gilles de la Tourette, der 1885 die Symptomatik der Krankheit erstmals beschrieb. Betroffene leiden unter mehreren motorischen und vokalen Tics, die sich in unterschiedlichen Abständen wiederholen. Von einem motorischen Tic wird gesprochen, wenn es zu spontanen, unkontrollierten und schnellen Muskelbewegungen kommt. Auch die vokale Lautäußerung entzieht sich dem Willen der Betroffenen.

Meist treten bei Erkrankten zunächst nur motorische Störungen auf, bevor auch das Sprachzentrum betroffen ist. Von einem Tourette-Syndrom wird gesprochen, wenn die Symptome mehrfach am Tag, fast jeden Tag oder immer wieder über einen Zeitraum von einem Jahr auftreten. Häufig bricht die Krankheit vor dem 18. Lebensjahr aus – die meisten typischen Bewegungstics beziehungsweise Muskelzuckungen treten erstmals im Kindesalter zwischen dem siebten und zehnten Lebensjahr auf.

Ältere Schätzungen gingen davon aus, dass circa 40.000 Menschen in Deutschland an der auffälligen Erkrankung leiden. Laut der Tourette-Gesellschaft Deutschland e. V. sollen jedoch ein Prozent der Bevölkerung, also etwa 800.000 Menschen, betroffen sein. Zudem seien mehr Jungen als Mädchen am Tourette-Syndrom erkrankt, wie die Tourette-Gesellschaft t-online.de mitteilt.

Tics beim Tourette-Syndrom

Die Tics des Tourette-Syndroms umfassen keinesfalls nur das Herausbrüllen von Schimpfworten, worauf das Tourette-Syndrom in der Öffentlichkeit oft beschränkt wird. Fachleute unterscheiden zwischen motorischen und vokalen Tics sowie "einfachen Tics" – bei denen nur wenige Muskelgruppen betroffen sind – und "komplexen Tics".

Motorische Tics

Einfache motorische Tics treten häufig im Bereich von Gesicht und Kopf auf und äußern sich beispielsweise durch:

  • Augenblinzeln
  • Augenrollen
  • Stirnrunzeln
  • Naserümpfen
  • Mundzuckungen
  • Kopfrucken oder -werfen
  • Schulterzucken
  • Grimassenschneiden

Komplexe motorische Tics können folgende Auswirkungen haben:

  • Springen
  • In die Hocke gehen
  • Fußstampfen
  • Berühren anderer Leute oder Gegenstände
  • Nachahmung der Bewegung anderer
  • Zurechtzupfen der Kleidung
  • Schnüffelndes Riechen
  • Wildes Grimassenschneiden
  • Zeigen obszöner Gesten
  • Körperverdrehungen
  • Selbstverletzendes Verhalten, wie den eigenen Körper schlagen, kneifen, Kopf anschlagen

Vokale Tics

Einfache vokale Tics sind zum Beispiel:

  • Räuspern
  • Fiepen
  • Quieken
  • Grunzen
  • Zungenschnalzen
  • Nachahmung von Vogelstimmen oder anderen Tiergeräuschen

Komplexe vokale Tics äußern sich beispielsweise durch:

  • Herausschleudern von Worten in kurzen Sätzen, die nicht im logischen Zusammenhang mit dem Gesprächsthema stehen
  • Ausstoßen sinnloser, beschimpfender oder obszöner Worte (Koprolalie)
  • Wiederholung von Lauten beziehungsweise Wortfetzen, die gerade gehört wurden (Echolalie)
  • Wiederholung von gerade selbst gesprochenen Worten (Palilalie)

Ablauf der Tics

Das Tourette-Syndrom tritt bei Betroffenen in verschieden starken Ausprägungen auf. In seiner extremsten Form können Erkrankte obszöne Gesten mit Beschimpfungen von sich geben, die das Umfeld befremden. Allerdings sind sie unwillkürlich, nicht steuerbar und damit nicht korrigierbar. Warum es sich dabei oft um Beleidigungen und Obszönitäten handelt, konnten Mediziner bisher nicht feststellen.

Manchmal gelingt es Betroffenen, die Tics zeitlich hinauszuzögern. Das führt in der Regel aber dazu, dass der Drang zur Ausübung der Tics noch stärker wird und ist in etwa vergleichbar mit einem Schluckauf oder dem Reflex zu niesen. Im weiteren Verlauf der Krankheit können die Beschwerden zu- oder abnehmen oder sogar für mehrere Monate ganz verschwinden. Vor allem Ärger, Stress, innere Anspannung, aber auch Freude können dafür sorgen, dass die Tics vermehrt auftreten. Selbst im Schlaf können Tics auftreten, sie sind in der Regel jedoch weniger ausgeprägt.

Video: Leben mit dem Tourette-Syndrom

Wie das Leben mit dem Tourette-Syndrom aussehen kann, zeigt der Youtuber Bijan auf seinem Kanal "Tourettikette". In dem folgenden Video durften seine Follower ihm Fragen zum Tourette-Syndrom stellen, die Bijan offen und ehrlich beantwortet hat.

Ursache von Tourette

Die genaue Ursache des Tourette-Syndroms ist nicht vollständig geklärt. Doch es wird angenommen, dass bei Erkrankten Vorgänge im Gehirnstoffwechsel gestört sind. Das legen Untersuchungen nahe, die zeigen, dass die Hirnströme von Menschen mit Tourette-Syndrom sich von denen gesunder Menschen unterscheiden.

Auch eine erbliche Belastung wird als Grund für die Erkrankung für wahrscheinlich gehalten. Zumindest weisen Familien- und Zwillingsstudien darauf hin, dass erbliche Faktoren beim Tourette-Syndrom eine große Rolle spielen. Betroffene haben oft Familienmitglieder, die ebenso an der Störung leiden.

Diagnose von Tourette

Um das Tourette-Syndrom zu diagnostizieren, gibt es bislang keine Labortests oder neurologische Untersuchungsverfahren. Stattdessen werden die entsprechenden Symptome beobachtet und der bisherige Verlauf der Krankheit genau untersucht. Mittels weiterer Verfahren, wie beispielsweise einem Elektroenzephalogramm (Hirnstrombild), können andere neuropsychiatrische Erkrankungen als Ursache für die Tics ausgeschlossen werden.

Wie lässt sich das Tourette-Syndrom behandeln?

Das Tourette-Syndrom ist bisher nicht heilbar. Jedoch lassen sich viele Tics mithilfe einer gezielten Behandlung lindern. Die Art der Therapie ist stark von der Ausprägung der Symptome abhängig. Leidet der Betroffene nur unter leichten Tics und unter keinen sozialen Konsequenzen, ist nicht immer eine Therapie notwendig. Manchmal bringt schon die Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen über die Diagnose "Tourette" eine Erleichterung.

Bei mittelschweren Symptomen sind vor allem Entspannungstherapien und verhaltenstherapeutische Maßnahmen sinnvoll. Hierbei geht es darum, Stressreaktionen zu mindern, da diese oft die Tics auslösen oder verstärken. Bestenfalls lernen die Patienten besonders unangenehme Tics durch weniger belastende zu ersetzen.

Sind die Tics sehr ausgeprägt und der Betroffene leidet schwer darunter, kann eine medikamentöse Behandlung der richtige Weg sein. Dabei werden Medikamente wie beispielsweise Neuroleptika eingesetzt, die Tic-reduzierend wirken sollen.

Tourette-Syndrom bei Kindern

Kinder bemerken ihre Tics anfangs oftmals gar nicht selbst. Meist sind es die Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder und deren merkwürdiges Verhalten machen. Aber gerade wenn das Tourette-Syndrom in der Kindheit oder Jugend ausbricht, stehen die Chancen relativ gut, dass sich die Symptome bessern, wenn nicht sogar ganz verschwinden. Meist verstärken sich die Tics zwar während der Pubertät, lassen zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr aber wieder nach.

Die geistige Leistungsfähigkeit von Tourette-Patienten ist nicht beeinträchtigt, jedoch führen die zahlreichen Tics fast unumgänglich zu Schwierigkeiten beim Lernen in der Schule oder im späteren Berufsleben. Da das Umfeld der Betroffenen für gewöhnlich nicht über die Krankheit informiert ist, fallen die Reaktionen oft genervt, erschrocken, verständnislos oder empört aus – speziell dann, wenn ein Unwissender von einer Person mit Tourette-Syndrom beleidigt wird. Dadurch kann es schnell zu Ausgrenzungen und Zurückweisungen kommen.

Wie Eltern mit dem Tourette-Syndrom umgehen sollten

Eltern betroffener Kinder und Teenager müssen sich bewusst sein, dass ihr Kind keine Kontrolle über seine Tics hat. Es ist zwecklos, das Kind zu ermahnen, wenn es wieder mal zuckt, bellt oder mit Schimpfwörtern um sich wirft. Stattdessen sollten Eltern dem Kind das Gefühl vermitteln, dass es mit seiner Störung geliebt wird.

Es ist deshalb sinnvoll, den Tics im alltäglichen Umgang so wenig Beachtung wie möglich zu schenken. Auch wenn das nicht immer möglich sein wird, denn Kinder mit Tic-Störungen werden oft von Mitschülern ausgelacht, gehänselt und beschimpft. Das sind schreckliche Erfahrungen, die ein Kind am ehesten mit der Unterstützung der Eltern verarbeiten kann.

Eltern sollten mit ihrem Kind über die Erlebnisse reden und auch darüber, wie es am besten auf solches Verhalten von anderen reagiert. Auch ein Gespräch mit dem Lehrer oder mit Eltern von Schulkameraden kann womöglich dafür sorgen, dass dem Kind künftig mehr Verständnis entgegengebracht wird.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wollen alle Debatten auf t-online.de schnell und sorgfältig moderieren und können deswegen aus der Vielzahl unserer Artikel nur einzelne Themen für Leserdebatten gezielt auswählen. Dabei ist uns wichtig, dass sich das Thema für eine konstruktive Debatte eignet und es keine thematischen Dopplungen in den Diskussionen gibt. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Aufstellung der aktuellen Leserdebatten finden Sie auf unserer Übersichtsseite. Mehr zu unserer Community erfahren Sie in unseren FAQ. Wir freuen uns auf angeregte und kontroverse Diskussionen.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Duftkerze mit der bekannten NIVEA Creme-Note
jetzt bestellen auf NIVEA.de
Anzeige
Summer Sale bei TOM TAILOR: Sparen Sie bis zu 50 %
jetzt im Sale
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Kindergesundheit

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018