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Übergewicht bei Kindern: Sind TV und PC schuld?

Übergewicht bei Kindern  

Machen TV und PC unsere Kinder dick?

27.06.2012, 17:20 Uhr | Christiane Löll, dpa, dpa-tmn, t-online.de

Übergewicht bei Kindern: Sind TV und PC schuld?. Mit Fast-Food vor der Glotze - immer mehr Kinder sind fettleibig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit Fast-Food vor der Glotze - immer mehr Kinder sind fettleibig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gegen Übergewicht bei Kindern gibt es eine einfache Formel: weniger Glotze und Fast-Food, mehr Bewegung und Gemüse. Doch die Umsetzung ist nicht leicht. Ohne die ernsthafte Beteiligung der Eltern geht nichts, allerdings dürfen sie Kinder niemals einfach auf Diät setzen. Ob auch Ihr Kind Übergewicht hat, können Sie in unserem BMI-Rechner für Kinder ermitteln.

Wann gilt ein Kind überhaupt als dick? Ist das Kind nur moppelig, und die Fettpölsterchen wachsen sich aus? Oder trägt es wirklich zu viele Kilos mit sich herum? Das sei mit bloßem Auge nicht immer einzuschätzen, sagt Silke Restemeyer, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. "Ein kleiner Wonneproppen kann sich in der nächsten Wachstumsphase zum Spargeltarzan auswachsen."

Rund zwei Millionen Kinder in Deutschland zu dick

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) aus dem Jahr 2006 lebten in Deutschland etwa 1,9 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche, davon waren 800.000 fettleibig. Auf der Basis von Daten von 1985 bis 1999 hatte sich die Zahl der Fettleibigen verdoppelt. Die Studie wird derzeit aktualisiert.

"Daten von Einschulungsuntersuchungen zeigen einen vorsichtigen Rückgang an übergewichtigen Kindern", sagt Reinhard Mann, Leiter des Ernährungsreferates der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). "Es ist aber unklar, ob daraus ein Trend ablesbar ist. Denn die größten Gewichtszunahmen zu Übergewicht und Adipositas haben wir im Grundschulalter."

Viele Eltern schätzen Gewicht ihrer Kinder falsch ein

Eltern neigten dazu, das Gewicht ihrer Kinder falsch einzuschätzen. "Daher sollte man sich die Zahlen anschauen", sagt Mann. Gemeint ist der Body-Mass-Index (BMI): aktuelles Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Im Gegensatz zu Erwachsenen müssen bei Kindern auch Alter und Geschlecht berücksichtigt werden - denn sie wachsen ja noch.

Wer unsicher sei, soll den Kinderarzt ansprechen. Die Mediziner können anhand von Referenzkurven feststellen, wie es um das Gewicht bestellt ist, und überprüfen, ob eine Stoffwechsel- oder Hormonerkrankung als Ursache für die vielen Pfunde infrage kommt. Außerdem können sie nach Risikofaktoren für Folgeerkrankungen wie Diabetes fahnden, sollte es sich um extremes Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) handeln.

Stundenlanger Medienkonsum schlimmer als Fast-Food?

Ist ein Kind übergewichtig, könne man es erst einmal beobachten, sagt Mann: "Was und wie isst mein Kind? Gibt es geregelte, gemeinsame Mahlzeiten? Wie ist das Bewegungsverhalten?" Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten könnten in dieser Phase viel bewirken.

Als Ursache für eine Zunahme an dicken Kindern sieht der Psychologe das Mehr an Zeit, dass die Kinder mit Medien verbringen. "Man erwartet ja, dass Übergewicht mit dem Essen zu tun hat. Entscheidender ist aber der Medienkonsum, da gibt es eine starke Verbindung zwischen der Zeit am PC, an der Spielkonsole und vor dem Fernseher und dem Gewicht." Vorschulkinder sollten sich damit nicht länger als eine halbe Stunde am Tag beschäftigen, Grundschulkinder nicht mehr als eine Stunde.

Die Portionen werden immer größer

Einen weiterer Grund nennt die Medizinerin Andrea Bielstein: In der Gesellschaft habe sich die Wahrnehmung verändert, was eine angemessene Portion sei. "Das gilt für die Mahlzeiten der Erwachsenen genauso wie für die der Kinder - viele von ihnen bekommen genauso viel auf den Teller wie ihre Eltern", sagt die Ärztin von der Adipositas-Sprechstunde des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift in Hamburg. Als Orientierung nimmt sie die AID-Ernährungspyramide zur Hand, die auch von der DGE empfohlen wird. Sie enthält "Bausteine" mit Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse, Getreide, Milchprodukte und Fleisch. Eine Portion sollte so groß sein, dass sie in die Hand desjenigen passt, der die Portion isst.

Kinder mit Übergewicht nicht einfach auf Diät setzen

Grundsätzlich warnen die Fachleute, Kinder eigenmächtig auf Diät zu setzen. "Ein übergewichtiges Kind darf grundsätzlich keine Reduktionsdiät erhalten", sagt Reinhard Mann. "Wenn Kinder in der Wachstumsphase mangelernährt werden, dann essen sie später, was sie bekommen können, und haben keine Bremse mehr beim Essen." Restemeyer mahnt: "Auch ein übergewichtiges Kind braucht das, was ein Kind generell benötigt: Eine bestimmte Menge an Nährstoffen und Energie sind notwendig für die Entwicklung." Eltern könnten aber den Ernährungsplan beeinflussen: beispielsweise weniger fett- und zuckerhaltige Snacks, statt Vollmilch fettarme Milch, statt Fleischwurst mageren Schinken.

Die ganze Familie muss mitmachen

Laut der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter sollten Abspeckprogramme eine Kombination von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie enthalten - isolierte Maßnahmen führten nicht zum Erfolg. Und in einer Leitlinie wird betont, dass Eltern und Familie eine "gleichbewertete Zielgruppe" für die Therapie sein müssten. Restemeyer nennt Beispiele: "Welche Wege können wir als Familie zu Fuß gehen? Gibt es die Möglichkeit für Ausflüge mit dem Fahrrad oder eine Sportart, die das Kind gerne ausübt?" Entscheidend sei, dass Eltern und Geschwister mitziehen und die Anregungen der Eltern "überzeugend 'rüberkommen".

Auch pädagogisch ist es eine Herausforderung, mit übergewichtigen Kindern umzugehen. "Mit Verboten, restriktivem Essen und einem 'Du bist zu dick' erreichen Sie oft das Gegenteil", sagt Mann. "Sie müssen lernen, sich selbst zu kontrollieren, und brauchen ihre Eltern als Vorbilder."

Besser vorbeugen statt abspecken

Vielerorts gibt es spezielle Programme für Kinder mit Gewichtsproblemen, die sehr unterschiedlich gestaltet sind. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat eine dreijährige Studie dazu erstellt, die demnächst veröffentlicht wird. Anhand von Fragebögen wurde bei mehr als 2000 Kindern der Erfolg evaluiert. Ergebnis: "Es ist erschreckend: Die Verhaltensweisen ändern sich kaum, auch der Gewichtsstatus nicht", sagt Reinhard Mann von der BZgA.

Nicht alle Daten seien interpretierbar, aber: "Jetzt ist Nachdenken angesagt. Aus anderen Studien wissen wir, dass Behandlungen am besten abschneiden, bei denen die Eltern vernünftig einbezogen wurden." Und man müsse sagen: "Keine stationäre Behandlung, ohne eine Nachsorge angekurbelt zu haben." Die BZgA setze eher auf Präventionsprogramme für alle Kinder, was eine ausgewogene Ernährung, Medienkonsum und Bewegungsverhalten angehe.

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