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Gesundheit: Alkohol schädigt Frauen stärker als Männer

GESUNDHEIT | ALKOHOL  

Alkohol schädigt Frauen stärker

19.11.2007, 16:42 Uhr | sum, müh, AFP

Die Vorurteil, dass nur Männer regelmäßig einen über den Durst trinken, ist widerlegt. In Deutschland greifen auch immer mehr Frauen zur Flasche. Jede Sechste trinkt laut Bundesregierung erheblich zu viel Alkohol. Das hat gerade bei Frauen sehr negative Folgen, wie eine aktuelle Studie der Universität St. Petersburg und des Sucht-Zentrums zeigt. Nicht nur die Organe werden durch hohen Alkoholkonsum schneller geschädigt als bei Männern. Auch die räumliche Auffassungsgabe, die Fähigkeit Probleme zu lösen, die Verarbeitung optischer Reize oder das strategische Denken werden stärker in Mitleidenschaft gezogen.

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Schon kleine Mengen schädlich

In nahezu allen Bereichen schnitten die Frauen bei den kognitiven Tests am schlechtesten ab. Die Studie wurde von 2003 bis 2005 an 78 männlichen und 24 weiblichen Alkoholikern sowie 68 Vergleichspersonen je drei Wochen nach der Entgiftung durchgeführt. Die Forscher kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass die schädliche Wirkung von Alkohol bei Frauen früher und bei kleineren Trinkmengen einsetzt als bei Männern.

Alkohol setzt Frauen besonders zu

Dasselbe gilt auch in Bezug auf die gesundheitlichen Folgen von Alkoholmissbrauch. Frauen haben einen höheren Anteil an Körperfett als Männer, also auch einen geringeren Wasseranteil. Alkohol löst sich aber in Wasser. So konzentriert er sich bei Frauen stärker und schädigt schneller Organe wie Leber und Gehirn. Auch der weibliche Hormonhaushalt bewirkt nach Angaben der Universität Wien eine größere Aufnahme von Alkohol. Zusätzlich steige das Osteoporose-Risiko.

Konsumverhalten hat sich angeglichen

Ein frommer Wunsch, denn heute sind bereits rund 25 Prozent der 1,6 Millionen Alkoholabhängigen Frauen. Vor 40 Jahren waren es noch zehn Prozent. Doch warum steigt der Alkoholmissbrauch bei Frauen? "Frauen sind finanziell unabhängiger, Alkohol ist überall verfügbar und er findet in der Gesellschaft breite Akzeptanz", sagt Christa Merfert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Das Konsumverhalten habe sich unter den Geschlechtern angeglichen.

Gefährliche Trends

Dabei trinken gerade gut gebildete Frauen mit hoher sozialer Stellung zu viel. 30 Prozent von ihnen trinken gar so viel, dass die Bundesregierung ihr Verhalten als gesundheitsgefährdend einstuft. Merfert-Diete bestätigt den Trend: "Der riskante Gebrauch von Alkohol wird zu einem Verhalten eher erfolgreicher, älterer Frauen." Sie hätten oft ein hohes Einkommen und seien alleinstehend oder geschieden. Dass sie trinken, habe dieselben Gründe wie bei Männern. "Die hohen körperlichen, geistigen und seelischen Anforderungen, die an sie gestellt werden, bringen sie aus der Balance." Für Frauen in klassischen weiblichen Rollen seien dagegen eher Medikamentenmissbrauch und Tabakabhängigkeit typisch.

Zwei Altersgruppen auffällig

Doch nicht nur bei erfolgreichen Frauen ist ein gefährlicher Trend zu beobachten. Junge Mädchen, die früher beim Trinken eher zurückhaltend gewesen seien, "bauen Alkohol heute wie selbstverständlich in den Alltag ein, was früher hauptsächlich bei Jungen zu beobachten war", erklärt die Expertin. Besonders die inzwischen per Steuer verteuerten Alkopops und andere Mischgetränke seien für diese Entwicklung verantwortlich. Diese Trends beobachtet auch die Kaufmännische Krankenkasse (KKH). Eine gemeinsame Studie mit der Medizinischen Hochschule Hannover ergab zwei Altersgruppen mit besonders auffälligen Alkoholproblemen. Bei Frauen seien vor allem die 45- bis 49-Jährigen und die 15- bis 19-Jährigen besonders betroffen.

Viel zu viel Alkoholkonsum

Neben den 1,6 Millionen Menschen, die als alkoholabhängig gelten, trinken laut Suchtbericht der Bundesregierung mehr als zehn Millionen Bier, Wein und Schnaps in "riskanter Weise". Von den 12- bis 25-Jährigen greift demnach bereits jeder Fünfte regelmäßig zur Flasche. Ingesamt liegt der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols in Deutschland bei mehr als zehn Litern pro Jahr. So genannte Flatrate-Partys, bei denen Kneipenbesucher zum Pauschalpreis so viel trinken können wie sie wollen, könnten diesen besorgniserregenden Verbrauch noch in die Höhe treiben.

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