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Diabetes: Bewegung ist Medikamenten überlegen


Gesundheit  

Bewegung senkt Risiko für Typ-2-Diabetes

03.01.2008, 12:34 Uhr | Spiegel Online / Jörg Blech, t-online.de

Bewegung senkt das Diabetes-Risiko. (Foto: Archiv)Bewegung senkt das Diabetes-Risiko. (Foto: Archiv)Alle zehn Minuten wird in den reichen Staaten ein Arm oder Bein amputiert - wegen Diabetes. Die Wohlstandskrankheit breitet sich weltweit dramatisch aus. Klinische Studien bestätigen: Nicht die Gene, sondern die Trägheit der Menschen steckt hinter der Epidemie.

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Diabetes bedroht Naturvölker

Vor einiger Zeit trafen sich im australischen Melbourne Mediziner aus der ganzen Welt und gingen erst wieder auseinander, nachdem sie eine düstere Prognose abgegeben hatten: Die Zahl der Ureinwohner auf der Erde werde in diesem Jahrhundert rapide sinken, manche Gruppen und Stämme würden sogar gänzlich aussterben. Der Grund sei die träge Lebensweise vieler indigener Menschen und die damit verbundene Gefahr, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Bei den Aborigines in Australien, aber auch bei den Indianern Nordamerikas seien schon sechs Jahre alte Kinder an dem früher als Altersdiabetes bekannten Leiden erkrankt, mahnten die Forscher. Später im Leben drohten den Betroffenen Herzinfarkte, Nierenversagen und Erblindung.

Alle zehn Sekunden eine Amputation

Wer als Bewohner eines Industriestaats jetzt die Ureinwohner bedauert, sollte nicht vergessen, Verwandte, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Kollegen und womöglich sich selbst ebenfalls zu bedauern. Denn eines wurde auf der Melbourner Konferenz auf eine merkwürdige Art ausgeblendet: Das Schicksal der Aborigines, Polynesier und Navajos ist natürlich unser eigenes. Genetisch gesehen sind wir mit diesen Menschen weitgehend identisch – und leiden genauso sehr wie sie unter körperlicher Inaktivität. Alle zehn Sekunden wird irgendwo in den wohlhabenden Weltgegenden einem Bürger ein Gliedmaß wegen Diabetes amputiert. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr ungefähr 24.000 Menschen an der Krankheit.

Unser Körper stammt aus der Steinzeit

Das um sich greifende Stoffwechselleiden führen Evolutionsmediziner als Paradebeispiel dafür an, wie der menschliche Organismus noch auf Steinzeit gepolt ist. Der Körper vermag nur eine kleine Menge an Traubenzucker (Glukose) in Muskeln und Leber zu speichern; dieser Vorrat ist schon nach einem Fastentag erschöpft. Deshalb braucht der Körper Regelkreise, die den Glukosevorrat in Hungerszeiten schützen.

Träge Muskeln erhöhen Blutzuckerspiegel

"Für unsere Vorfahren war es von Vorteil, dass nur aktive Muskeln dem Blutstrom Glukose entziehen können", erklärt der Evolutionsmediziner Frank Booth von der University of Missouri in Columbia. In Zeiten von Kartoffelchips und Autofahren wird dieses System zum Nachteil: Die inaktiven Muskeln sind unfähig, Glukose aus dem Blut zu fischen, so dass sie sich dort immer stärker konzentriert. Diese Unordnung im Stoffwechsel führte zur Namensgebung der Krankheit. Zuckerkranke trinken große Mengen und scheiden demgemäß ungewöhnlich viel Harn aus, der Zucker enthält. Daher der Name Diabetes mellitus, abgeleitet von den griechischen Worten für durchlaufen ("diabainein") und Honig ("meli").

Studie: Bewegung ist Medikamenten überlegen

Um den hohen Zuckerspiegel im Blut zu regulieren, bildet die Bauchspeicheldrüse in gewaltigen Mengen das Hormon Insulin. Doch durch die überschießende Ausschüttung werden die eigenen Körperzellen resistent gegen das Hormon. Der Zuckerstoffwechsel bricht zusammen, der Mensch erkrankt an Diabetes. Übersteigt die Glukosekonzentration einen Schwellenwert, so drohen Kreislaufschwäche, schwere Gefäßschäden, Erblindung und Zuckerkoma. Ein ebenso simples wie erfolgreiches Mittel gegen diese Form der Zuckerkrankheit ist es, die Kranken körperlich zu mobilisieren. Studien zeigen nämlich immer deutlicher: Bewegung wirkt mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser als Produkte der Pharmaindustrie.

Wer sich bewegt, lebt gesünder

So wurden in den USA 3234 übergewichtige Menschen mit beginnendem Diabetes (gestörte Glukosetoleranz) nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen unterteilt: Die einen bekamen jeden Tag zwei Pillen eines Standardmedikaments (jeweils 850 Milligramm Metformin); es verringert die Glukose-Herstellung in der Leber und senkt auf diese Weise den Blutzuckerspiegel. Anderen Testpersonen wurde ein Scheinmedikament verabreicht. Die Mitglieder der dritten Gruppe schließlich sollten sich fettärmer ernähren und an fünf Tagen der Woche 30 Minuten zu Fuß gehen mit dem Ziel, sieben Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren. Nach knapp drei Jahren war in der Medikamenten-Gruppe das Auftreten von Diabetes mellitus um 31 Prozent verringert. Die Menschen in der Bewegungs-Gruppe waren jedoch gesünder: Hier war die Inzidenz um 58 Prozent gesunken.

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Starke Risiko-Senkung durch Leibesübungen

Diesem Befund lassen sich viele andere zur Seite stellen. Statistiker der University of Leicester in England hat ebenfalls interessiert, inwiefern eine Änderung der Verhaltensweise einen beginnenden Typ-2-Diabetes umkehren kann. Zur Beantwortung ihrer Frage haben sie vor kurzem die medizinische Literatur durchstöbert und 17 klinische Studien mit 8084 Teilnehmern zum Thema ausfindig gemacht. Die Durchsicht der Daten ergibt für körperliche Aktivität einen Effekt, der "mindestens so wirksam ist wie pharmakologische Interventionen" und mit geringeren Nebenwirkungen verbunden ist. Für Menschen, die bereits erste Anzeichen von Typ-2-Diabetes haben, bedeutet das: Moderate Leibesübungen können das Risiko einer Erkrankung glatt halbieren.

Bewegung schützt auch vor Altersdiabetes

Dieser Empfehlung können auch Menschen folgen, die gesund sind, sich aber diese schleichenden Form der Zuckerkrankheit vom Leib halten wollen. Das Auftreten von Typ-2-Diabetes steht nämlich in einem umgekehrten Verhältnis zum Grad der körperlichen Aktivität: Wer sich ausgewogen ernährt, Übergewicht vermeidet, nicht raucht, Alkohol in Maßen konsumiert und sich jeden Tag 30 Minuten körperlich betätigt, der erkrankt viel seltener an dem Leiden. Vielleicht sollte man sich auf die Lebensweise unserer körperlich aktiven Ahnen in der Steinzeit besinnen: Unter ihnen war das Wohlstandsleiden unbekannt.

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