GESUNDHEIT  

Pannen bei Grippeschutzübung

25.02.2008, 10:29 Uhr | bri/dpa

Gesundheit: Pannen bei Grippeschutzübung. (Foto: Imago)Pannen bei Grippeschutzübung. (Foto: Imago)Wenn die Grippe richtig zuschlägt, könnte hierzulande Chaos ausbrechen. Bei der bundesweiten Grippeschutzübung "Lükex 07" im November sei es in Thüringen zu zahlreichen Pannen gekommen, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus. Fast ein Viertel der Einzelübungen, sei fehlgeschlagen. Das Magazin berief sich auf Akten des Innen- ministeriums in Erfurt, die "nur für den internen Dienstgebrauch" bestimmt sind. Ministeriumssprecher Michael Koch wertete die Übung dagegen als Erfolg: "Das Erkennen der Mängel war genau das Ziel der Übung."


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27 Millionen Grippe-Fälle simuliert

Bei dem Planspiel nahmen deutschlandweit 3000 Experten aus Bund und Ländern teil. Die Übung ging von einer Pandemie aus, bei der 27 Millionen Deutsche erkranken und 100.000 sterben. Geprobt wurde das Zusammenspiel von Polizei, Gesundheitsbehörden und Rettungsdiensten. Es sollte der Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens verhindert werden.

Plünderung von Apotheken

Das Ergebnis des Planspiels: Von den 86 trainierten Einzelübungen sind 20 nicht bewältigt worden. Weil Übungsteilnehmer falsch oder zögerlich reagierten, wäre es unter anderem zu Plünderungen von Apotheken gekommen, komplette Einheiten von Polizei und Feuerwehr wären kaum noch arbeitsfähig gewesen. In einigen Landkreisen wäre die medizinische Versorgung zusammengebrochen. In den Akten wird nach Focus-Informationen die "fehlende beziehungsweise unzureichende Kommunikation" zwischen den Entscheidungsträgern bemängelt. Zudem seien Arbeitsschritte nicht ausreichend kontrolliert worden. In den Szenarien gehen die Behörden davon aus, dass bei Notfällen die Bürger zu Selbsthilfe greifen und beispielsweise Apotheken plündern in denen noch Arzneimittel verfügbar sind.

Innenministerium: Übung war ein Erfolg

Im Bundesinnenministerium wertet man die Grippe-Übung jedoch als Erfolg. Ob auch in anderen Bundesländern Fehler aufgetreten sind, ist unklar. "Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Übungen Fehler auftreten", sagte eine Sprecherin aus dem Bundesinnenministerium.

Die Pandemie kommt bestimmt

Das Szenario für die Übung basierte auf Modellrechnungen einer Expertengruppe des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Der Übung lag ein mittelschweres Katastrophenszenario zugrunde. Im nationalen Pandemieplan gibt es jedoch noch ein schweres Szenario: In diesem gehen die Experten sogar von rund 40 Millionen Erkrankten und 171.000 Toten in Deutschland aus. Es gilt laut RKI als sicher, dass irgendwann wieder eine derartige Pandemie ausbricht. Und frühestens nach fünfeinhalb Monaten würde in solch einem Fall ein Impfstoff zur Verfügung stehen.

Öffentliches Leben lahmgelegt

Schon die normale Grippewelle schafft es, zum Beispiel den Nahverkehr zu behindern. Mitte Februar fielen an einem Sonntag allein in Düsseldorf 50 S-Bahnzüge aus, weil Lokführer an der Grippe erkrankt waren. Bei einer Pandemie würden bundesweit Busse und Bahnen stillstehen, weil Fahrer und Zugpersonal ausgefallen sind. Schulen und Kindergärten müssten schließen, weil Lehrer und Kindergärtner wegen Krankheit ausfallen. Arztpraxen und Krankenhäuser wären hoffnungslos überfüllt, Medikamente würden knapp werden. Das öffentliche Leben wäre weitgehend lahmgelegt.



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