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Gicht nicht auf die leichte Schulter nehmen

Von dapd
Aktualisiert am 07.08.2018Lesedauer: 3 Min.
Beim ersten Gicht-Anfall schmerzt hĂ€ufig der große Zeh.
Beim ersten Gicht-Anfall schmerzt hĂ€ufig der große Zeh. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Die Schmerzen kommen gern in der Nacht. Dann tut der große Zeh plötzlich höllisch weh, schwillt an, ist heiß und krebsrot. Der Anfall kann so schlimm sein, dass selbst eine federleichte Bettdecke ĂŒber dem Fuß als unertrĂ€glicher Druck empfunden wird. Wer zum ersten Mal von einer solchen Schmerzattacke ĂŒberrollt wird, glaubt zuerst, sein Zeh sei gebrochen. TatsĂ€chlich macht der Betroffene einen akuten Gichtanfall mit.

Schon Alexander der Große, Ludwig XIV., Friedrich der Große und auch Goethe kannten die extremen Schmerzen. Heute leiden etwa zwei Prozent der Deutschen an Gicht. Hinter der Gelenkkrankheit steckt ein viel zu hoher HarnsĂ€urespiegel im Körper. Und es werden immer mehr, wie Stefan Schewe, Rheumatologe und Professor am Klinikum der UniversitĂ€t MĂŒnchen, berichtet.

Viel Fleisch und Alkohol als Ursache

Zwar ist die Veranlagung fĂŒr Gicht erblich. Direkter Auslöser der Schmerzattacken sind aber meist zu ĂŒppiges Essen, viel Fleisch, Schalentiere und Innereien, reichlich Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht. Heute gilt Gicht als Wohlstandskrankheit, das oft Hand in Hand geht mit Diabetes oder Bluthochdruck.

MÀnner erkranken hÀufiger

An der Stoffwechselstörung erkranken hauptsĂ€chlich MĂ€nner, meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen trifft die Gicht normalerweise nicht vor den Wechseljahren – wahrscheinlich, weil die weiblichen Geschlechtshormone bis dahin als Schutzschild fungieren. WĂ€hrend Goethe & Co. meist wochenlang die ZĂ€hne zusammenbeißen mussten, bis ein Anfall aufhörte, sind die Schmerzen inzwischen mit einer Spritze schnell in den Griff zu kriegen.

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Spritze hilft nur kurzfristig

Doch damit ist die Krankheit nicht vorbei, wie viele Patienten glauben. Ihr Körper produziert immer weiter zu viel HarnsĂ€ure. Deren nadelspitze Kristalle lagern sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ab. Die Folge sind schmerzhafte GelenkentzĂŒndungen am großen Zeh, an Knie und Ellenbogen sowie in den Nieren.

Gelenke werden langsam zerstört

"Bleibt die Gicht unbehandelt, kommen immer mehr AnfĂ€lle in immer kĂŒrzeren AbstĂ€nden", warnt Schewe. Das GefĂ€hrliche an dem Leiden sei, dass nach ein paar Jahren die akuten Schmerzattacken zwar aufhören, die Harnkristalle sich aber noch stĂ€rker ablagern. Die Folgen: Chronische Gelenkzerstörung, schlimme SchĂ€den an Knochen, Gelenken und Nieren. Wegen des stĂ€ndig erhöhten HarnsĂ€urespiegels steigt auch das Risiko fĂŒr tödliche Herzerkrankungen, wie eine amerikanische Langzeitstudie herausgefunden hat.

Gicht nicht auf die leichte Schulter nehmen

Die meisten Betroffenen und sogar viele HausĂ€rzte nehmen die Krankheit oft auf die leichte Schulter, ist Rheumatologe Schewe besorgt: "Da wird viel falsch gemacht." Manche Patienten ließen aus Leichtsinn einfach ihre Medikamente weg, wenn der akute Schmerz vorĂŒber sei. Und viele Mediziner seien zu zögerlich, was das konsequente Therapieren mit Medikamenten angeht.

HarnsÀurespiegel im Blick haben

Dabei muss der HarnsĂ€urespiegel auf Dauer unbedingt runter, wenn die Krankheit nicht fortschreiten soll. Gichtpatienten mĂŒssten einen HarnsĂ€urespiegel von unter sechs Milligramm pro Deziliter erreichen, betont Schewe. Aber wie ist das zu schaffen? Einmal ĂŒber das regelmĂ€ĂŸige Einnehmen von Medikamenten, die entweder das ÜbersĂ€uern des Körpers von vornherein abblocken oder helfen, die HarnsĂ€ure auszuscheiden.

Wenig Fleisch, viel Sport

Und dann heißt es konsequent Maß halten, Sport treiben und sich purinarm zu ernĂ€hren. Purine sind Eiweißverbindungen, die in Lebensmitteln vorkommen. Besonders viele davon sind in Alkohol enthalten, vor allem in Bier, weniger in Wein. Aber auch in rotes Fleisch, Innereien, MeeresfrĂŒchte, Speck und HĂŒlsenfrĂŒchte enthalten Purine. Ohne Verzicht kommen die AnfĂ€lle immer wieder. "Wer einmal Gicht hatte, wird sie sein Leben lang nicht mehr los", mahnt Schewe.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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