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Herzinfarkt: Risikopatienten überleben öfter


Herzinfarkt  

Ärzte staunen über Herzinfarkt-Rätsel

17.11.2011, 09:51 Uhr | Spiegel Online

Herzinfarkt: Risikopatienten überleben öfter. Plötzliches Druckgefühl in der Brust - das könnte ein Infarkt sein. (Foto: imago)

Das könnte ein Infarkt sein. (Foto: imago)

Es klingt paradox: Je mehr Risikofaktoren man für einen Herzinfarkt hat, desto eher überlebt man das Ereignis. Besonders gut stehen die Chancen für Raucher mit erhöhten Fettwerten, Diabetes, Bluthochdruck und genetischer Belastung. Warum das so ist - darüber können Ärzte nur spekulieren.


Risikopatienten überleben öfter einen Herzinfarkt

Verstopfte Arterien, hoher Blutdruck, zu viel Zucker in den Adern - bei einem Herzinfarkt bedeutet dies schlechte Überlebenschancen, könnte man meinen. So ist es aber nicht, sagen US-Wissenschaftler, die über 540.000 Herzinfarkte untersucht haben. Ihren Ergebnissen zufolge ist sogar das Gegenteil der Fall: Je mehr Risikofaktoren ein Mensch für einen Herzinfarkt hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er ihn überlebt. "Das ist wirklich eine Überraschung", sagt Eckart Fleck, Direktor der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum in Berlin. "Es gibt zwar nur eine kleine Gruppe von Menschen ohne Risikofaktoren, aber für sie sind Infarkte offenbar gefährlicher."

Nicht immer gibt es typische Symptome

Allein in Deutschland starben nach Angaben des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr mehr als 59.000 Menschen an einem Herzinfarkt, davon 56 Prozent Männer und 44 Prozent Frauen. Ursache ist entweder eine plötzliche Verstopfung eines oder mehrerer Herzkranzgefäße durch ein Blutgerinnsel oder eine zunehmende Verengung durch Arteriosklerose. Zwar treten oft typische Symptome auf wie Schmerzen in Brust, Arm oder Rücken, Schweißanfälle oder Luftnot. Mitunter aber merken die Betroffenen nur ein Ziehen im Bauch oder sogar gar nichts - eine Therapie kommt dann oft zu spät.

Studie zu Risikofaktoren und tödlichem Ausgang

Zu ihren paradoxen Ergebnissen kamen die Forscher um John Canto vom Center of Cardiocascular Prevention in Lakeland (Florida), indem sie auf das nationale US-Register für Herzinfarkte (NRMI) zurückgriffen: Sie werteten die Daten von 542.008 Menschen aus, die zwischen 1994 und 2006 einen ersten Herzinfarkt erlitten. 50.788 von ihnen starben im Krankenhaus. Um einen Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und einem tödlichen Ausgang zu untersuchen, forschten die Wissenschaftler in den Angaben, ob die Patienten geraucht hatten, unter Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfetten litten und ob es in der Familie bereits Fälle von Erkrankungen der Herzkranzgefäße gegeben hatte. Der Großteil der Herzinfarkte (85,6 Prozent) traf Menschen, die mindestens einen Risikofaktor hatten. Dementsprechend klein (14,6 Prozent) war die Zahl derjenigen, die keine erkennbaren Vorerkrankungen hatten. Das Durchschnittsalter der Infarkt-Patienten mit allen fünf Risikofaktoren lag bei knapp 57 Jahren, jene ohne einen einzigen Risikofaktor waren im Schnitt hingegen fast 72 Jahre alt. Tödlich endete der Infarkt vor allem in der Gruppe der älteren Menschen ohne Risikofaktoren: 14,9 Prozent von ihnen starben. Mit zunehmender Zahl der Risikofaktoren nahm die Gefahr eines tödlichen Ausgangs weiter ab: Während immerhin jeder zehnte Patient mit nur einem zugrunde liegenden Leiden an dem Infarkt verstarb, lagen die Todesraten bei 7,9 Prozent, 5,3 Prozent, 4,2 Prozent und 3,6 Prozent bei zwei, drei, vier oder fünf Risikofaktoren.

Schützender Effekt von Medikamenten?

Weil die Vermutung nahe liegt, dass das Alter für die hohe Todesrate verantwortlich war, rechneten die Forscher sowohl das Alter als auch andere Faktoren wie etwa das Körpergewicht aus der Datenanalyse heraus. Das Ergebnis blieb das gleiche: Je mehr Risikofaktoren, desto kleiner die Gefahr, an einem Infarkt zu sterben. "Anhand der Registerdaten lassen sich keine Ursachen erkennen, es ist lediglich eine Bestandsaufnahme", sagt Kardiologe Eckart Fleck. Die Daten seien aber durchaus repräsentativ, etwa weil die Patienten in unterschiedlichen Krankenhäusern flächendeckend nach ähnlichen Behandlungsstandards therapiert wurden. Auch die Studienautoren können über die Ursachen für die unerwarteten Zusammenhänge nur spekulieren: Ein Grund könnte sein, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Jama", dass die Patienten mit Risikofaktoren bereits Medikamente wie Beta-Blocker oder cholesterinsenkende Statine schluckten, die möglicherweise einen schützenden Effekt hatten. Mehrere der Autoren geben am Ende des Artikels allerdings an, dass sie von Pharmafirmen finanziell unterstützt wurden. Zudem räumen sie ein, dass es trotz der Anpassung der Daten an das Alter und andere klinische Faktoren möglicherweise noch weitere Einflussgrößen gibt, die nicht untersucht wurden oder nicht nachgewiesen werden konnten.

Nur drei Stunden Zeit, um ein Gerinnsel aufzulösen

Herzspezialist Fleck spekuliert darüber hinaus, dass Patienten mit Risikofaktoren möglicherweise einen anderen Infarkt erleiden als Menschen ohne Vorerkrankungen. "Bekommt ein Herz immer wieder zu wenig Sauerstoff, wie es bei Patienten mit Arteriosklerose der Fall ist, so kann es sich teilweise an die Unterversorgung gewöhnen", so Fleck. "Verstopft hingegen plötzlich ein einzelnes Gefäß eines ansonsten herzgesunden Menschen, sind die Folgen möglicherweise schwerwiegender." Allerdings geben die von Canto und seinen Kollegen erhobenen Daten keine Auskunft darüber, welche Patienten wie ausgeprägt Arteriosklerose hatten, welche Herzkranzarterie betroffen war und welcher Abschnitt des Herzmuskels durch den Infarkt zerstört wurde. "Es ist auch denkbar, dass Menschen mit Risikofaktoren sensibler auf Warnhinweise ihres Körpers reagieren und schneller Hilfe suchen", überlegt Fleck. Für einen Katheter-Eingriff am Herzen, bei dem ein Blutgerinnsel aufgelöst wird, haben Ärzte nur maximal drei Stunden Zeit. Wer in dieser Zeit nicht ins Krankenhaus kommt, bei dem können Mediziner nur noch versuchen, die Folgen des Infarkts so gut wie möglich unter Kontrolle zu bringen und den Kreislauf zu entlasten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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