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Gesund durch die WM: Spannende Fußballspiele belasten das Herz

Gesundheitsrisiko WM  

So schützen Sie Ihr Herz bei nervenaufreibenden Fußballspielen

18.06.2018, 12:30 Uhr | Larissa Koch, t-online.de, lk

Gesund durch die WM: Spannende Fußballspiele belasten das Herz. Mann mit Deutschlandfahne schaut zu Hause WM und regt sich auf. (Quelle: Getty Images/filipefrazao)

Tor für die Gegenseite: Nur nicht aufregen. Das sagt sich so leicht. Herzprobleme nehmen während der WM zu. (Quelle: filipefrazao/Getty Images)

TOOOR! Bei spannenden Fußballspielen fiebern wir ordentlich mit. Da rast der Puls und unser Herz ist gefordert. Wissenschaftler der Ludwigs-Maximilian-Universität hatten bereits während der WM 2006 festgestellt, dass deutlich mehr Menschen mit Herzproblemen in Krankenhäuser kamen. So schützen Sie Ihr Herz.

Ab 45 Jahren steigt bei Männern statistisch das Herzinfarktrisiko. Frauen haben ab dem Alter von 55 Jahren ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Und dieses ist wiederum während einer Fußball-Weltmeisterschaft offenbar nochmals erhöht. Das liegt an den Stressreaktionen, denen unser Herz-Kreislauf-System dabei ausgeliefert ist.

Die Forscher der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) hatten in ihrer Studie über die WM im Jahr 2006 festgestellt, dass es an Spieltagen mit Beteiligung der deutschen Fußballnationalmannschaft fast ein Drittel mehr sogenannte kardinale Notfälle gab als in Vergleichszeiträumen. Andere Einflüsse, etwa Hitze oder Luftschadstoffbelastung, wurden bei der Analyse ebenfalls berücksichtigt. Männer waren stärker betroffen als Frauen. Männer mit bereits bestehender koronarer Herzerkrankung hatten während deutscher Spiele sogar ein vierfach erhöhtes Risiko für einen herzbedingten Notfall. Die Spitzen der Notfälle traten bei den sehr dramatischen Spielen zwischen Deutschland und Argentinien im Viertelfinale sowie Deutschland und Italien im Halbfinale auf, erklärte die LMU. Die Studie wurde im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht. 

Ein Elfmeterschießen ist Höchstleistung für das Herz

Auf die Idee muss man erstmal kommen, aber messen Sie doch mal während eines Fußballspiels Ihren Blutdruck. Der spricht meist Bände. Und auch der Puls ist nicht im Normalmodus. Laut Deutscher Herzstiftung kann dieser bei einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen derart ansteigen, als würde man selbst auf dem Platz stehen und müsste das Runde ins Eckige bringen. "Bei bestimmten Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems kann es dann schnell zu Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzproblemen kommen – in Extremfällen sogar zum Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod", erklärt die Stiftung.

Um das erhöhte Risiko zu minimieren, gibt es nützliche Strategien zur Stressreduktion. Die Deutsche Herzstiftung nennt Tipps, die Herzprobleme vermeiden helfen.

Keine üppigen Mahlzeiten vor dem Spiel

Machen Sie es wie die Profis und verzichten Sie vor dem Spiel auf fette und schwere Speisen. Denn diese strapazieren den durch Anspannung gestressten Körper zusätzlich. Neben kalorienreichen Knabbereien wie Kartoffelchips gibt es auch schmackhafte Alternativen. Die Herzstiftung rät zu Obst und Gemüse mit leckeren Quarkdips für genügend Energie beim Jubeln. Spitzensportler essen gesund. Die WM ist insofern gar nicht der schlechteste Zeitpunkt, Ihre Essgewohnheiten umzustellen, schließlich haben Sie permanent Vorbilder vor Augen. Geeignet ist zum Beispiel die gesunde Mittelmeerküche.

Genießen Sie bei schönem Wetter das Spiel im Freien beim Public Viewing. Verrauchte Kneipen belasten das Herz-Kreislauf-System. 

Beim Spiel das Atmen nicht vergessen

Das spannende Elfmeterschießen steht kurz bevor – da bleibt uns schnell die Luft weg. Gerade in stressigen Situationen neigen wir dazu, die Luft anzuhalten ohne es zu merken. Aber unser Herzkreislauf-System braucht Sauerstoff, insbesondere in Momenten der Anspannung. Werden Sie sich dessen bewusst und atmen Sie tief ein. Gleichmäßiges Atmen kann den Blutdruck sowie die Herzfrequenz senken.

Alkohol in Maßen trinken

Auch wenn das kalte Bier zum Fußball für viele dazugehört, sollte man auf die Dosis achten, denn Alkohol kann den Blutdruck erhöhen und die Gefäße belasten. Die Deutsche Herzstiftung warnt vor großen Alkoholmengen, da diese Herzrhythmusstörungen auslösen können. Gegen ein Glas Wein oder Bier sei aber nichts einzuwenden.

Nehmen Sie das Spiel nicht zu ernst

Versuchen Sie sich bei besonders spannenden Spielabschnitten innerlich ein bisschen vom Geschehen auf dem Rasen zu distanzieren. Wenn die Deutsche Elf ein Tor kassiert, ist das zwar bitter, aber davon geht die Welt nicht unter – naja, vielleicht kurz. Setzen Sie sich während des Elfmeterschießens zum Beispiel eine Reihe weiter nach hinten vom Fernseher weg – so gewinnen Sie im wahrsten Sinne des Wortes Abstand. 

Verlassen Sie die Situation, um Ihr Herz zu entlasten

Wenn Sie schon merken, dass sie sich aufregen, dann ist ein "Cut" manchmal sehr sinnvoll. Gehen Sie zum Beispiel kurz auf den Balkon oder in den Garten und atmen tief durch oder laufen ein paar Schritte. Die Situation für einen Moment zu verlassen, kann schon viel bewirken.

Vor allem die Halbzeit ist prädestiniert für einen kurzen Ausflug um den Block, anstelle sich gemeinsam mit anderen Zuschauern jetzt nochmal im Detail über schlechte Leistung der Spieler oder Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern zu echauffieren. Ein bisschen Abstand zum Spiel reguliert Puls und Blutdruck wieder.

Bei Symptomen sofort 112 wählen

Abwarten dürfen Sie keinesfalls, stellt die Herzstiftung klar. Sobald Sie Symptome merken, wie ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, reagieren Sie unmittelbar noch während des Spiels und verständigen den Notruf unter 112. Denn, wenn tatsächlich ein Herzinfarkt vorliegt, kann es jederzeit zu tödlichem Kammerflimmern kommen.

Frauen haben andere Symptome bei Herzinfarkten als Männer. Hier lesen Sie mehr dazu.

Nach dem Spiel selbst Sport treiben

Da mangelnde Bewegung zu den größten Risikofaktoren für Herzinfarkte und Herzerkrankungen zählt, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung den Schwung des aktuellen Spiels zu nutzen und im Anschluss mit Freunden selbst aktiv zu werden. Fußball, Walken, Joggen oder Radfahren machen Spaß und tun der Gesundheit gut. So sind Sie fit für das nächste spannende Spiel.

Gesunde Menschen sind nicht gefährdet

Gesunde Fans sind aber nicht gefährdet. So betont die Deutsche Herzstiftung: "Ein Mensch mit einem gesunden Herz kann alleine durch die Aufregung beim Anschauen eines Fußballspiels normalerweise weder einen Herzinfarkt noch einen plötzlichen Herztod erleiden, auch wenn das Spiel noch so spannend ist", unterstreicht Professor Dr. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Herzpatienten sollten ihre Medikamente nehmen

Sind Sie bereits Herzpatient, vergessen Sie vor lauter Aufregung nicht, Ihre Medikamente einzunehmen. Falls Ihnen Nitrospray verschrieben wurde, dann legen Sie sich dieses vor dem Spiel in greifbare Nähe, damit Sie es bei akut einsetzenden Angina pectoris-Beschwerden frühzeitig anwenden können. 

Wenn Sie dazu neigen, auf emotionalen und körperlichen Stress mit Angina-pectoris-Anfällen zu reagieren, können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt vorbeugend Isosorbiddinitrat lutschen, falls keine Gegenanzeigen bestehen, Sie also den Wirkstoff nicht vertragen. Die Wirkung hält laut Herzstiftung bis zu vier Stunden an.

Koronare Herzerkrankung:

Zuschauer mit diesem Krankheitsbild können durch die außergewöhnliche Belastung einer Fußballweltmeisterschaft gefährdet sein. Bei der koronaren Herzerkrankung sind Herzkranzgefäße stark eingeengt. Die Gefäßwände sind bereits vorbelastet. Durch erhöhten Blutdruck sowie die Ausschüttung von Stresshormonen (Cortisol) kann es dann zu Rissen in den Gefäßwänden kommen. In den Rissen wiederum können sich Blutpropfen ablagern, die wiederum zu einer weiteren Verengung führen können. Damit wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut beziehungsweise Sauerstoff versorgt. Das Herzinfarktrisiko steigt. Bei einem Herzinfarkt sterben Herzmuskelzellen ab. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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