Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome >

Nachtmilchkristalle: Einschlafhilfe oder Werbegag?

Nachtmilchkristalle: Einschlafhilfe oder Werbegag?

22.08.2012, 13:45 Uhr | df (CF)

Sogenannte Nachtmilchkristalle sind in Deutschland als Einschlafhilfe erhältlich. Sie werden aus der Milch nachts gemolkener Kühe gewonnen und enthalten das Schlaf fördernde Hormon Melatonin. Der Nutzen der Kristalle ist jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen.

Nachtmilch enthält mehr Melatonin

Die ausreichende Produktion von Melatonin im menschlichen Körper ist wichtig für einen gesunden und erholsamen Schlaf - soviel steht fest. Das Hormon steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus und wird daher auch als Schlafhormon bezeichnet. Gebildet wird es bei Menschen wie bei Tieren in der Dunkelheit. Bei Kühen sorgt der erhöhte nächtliche Melatoningehalt im Blut dafür, dass auch in der Milch nachts mehr Melatonin enthalten ist als tagsüber.

Optimierte Melatonin-Produktion

Ein deutscher Hersteller entwickelte in Zusammenarbeit mit Milchviehbetrieben ein patentiertes Hell-Dunkel-Beleuchtungsverfahren, das die Melatoninproduktion bei Kühen optimieren soll. Die so gewonnene Nachtmilch verarbeitet das Unternehmen zu Kristallen. Mit zusätzlicher Unterstützung durch gezielte Fütterung gelang es den beteiligten Landwirten laut einem Bericht des WDR, den Melatoningehalt der Milch um das fünf- bis achtfache zu steigern.

Schlaf fördernde Wirkung umstritten

Die Wirksamkeit der aus der Milch hergestellten Kristalle ist jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen. Zwar berichtet der WDR von einer - von der Herstellerfirma mitfinanzierten - Studie, bei der 73 Prozent der Teilnehmer, die zehn Tage lang vor dem Zubettgehen ein Milchkristallpräparat einnahmen, von einem erholsameren Schlaf berichteten. Björn Lemmer vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg kritisiert jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD, dass es keine seriöse Untersuchung gebe, die die Wirksamkeit des Präparats zeige. Er bezeichnet die Nachtmilchkristalle als reinen Werbegag.

Keine Nebenwirkungen bekannt

Wer die vergleichsweise teuren Nachtmilchkristalle ausprobieren möchte, muss nach Einschätzung von Experten aber zumindest keine starken Nebenwirkungen fürchten. Angesichts der relativ niedrigen Dosierung von Melatonin in dem Präparat sei von schädlichen Wirkungen nicht auszugehen, so Björn Lemmer gegenüber DAPD. Bei andauernden Schlafstörungen empfiehlt sich unabhängig davon auf jeden Fall ein Beratungsgespräch beim Hausarzt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team von t-online

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal