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Leber: Hepatitis wird oft nicht erkannt

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Leber  

Hepatitis wird oft nicht erkannt

22.07.2013, 12:14 Uhr | dpa

Leber: Hepatitis wird oft nicht erkannt . Hepatitis: Eine kranke Leber wird oft nicht erkannt.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kranke Leber: Hepatitis bleibt oft unerkannt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Die Leber leidet stumm", sagen Mediziner. Der gängige Spruch verweist auf ein ernstes Problem: Denn viele durch Hepatitis-Viren ausgelöste Leberentzündungen bleiben unentdeckt. Somit wissen viele gar nicht, dass sie mit Hepatitis infiziert sind. Wer sich testen lassen sollte.

Die wenigsten wissen von ihrer Infektion

Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland jeweils etwa 400.000 bis 500.000 Menschen eine chronische Hepatitis B oder C haben, die beiden häufigsten Varianten. Das Erstaunliche: "Die wenigsten wissen davon, schreibt die Deutsche Leberhilfe in Köln. 

Unerkannte Hepatitis kann Leber zerstören

Frühsymptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit kann man auch für Grippe halten. Und selbst solche Warnzeichen bleiben oft jahrelang aus. Manchmal fallen bei einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte auf, "was jedoch oft ignoriert wird", beklagt die Selbsthilfeorganisation. Unentdeckt können beide Infektionen zu Leberzirrhose und -krebs führen. 

"Die Behandlung hat in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht", bilanziert die Leberhilfe zum Welt-Hepatitis-Tag am kommenden Sonntag. Das Problem: "Wir können nur helfen, wenn wir wissen, wer betroffen ist", sagt Prof. Heiner Wedemeyer, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Näher als Du denkst". 

Wer sich testen lassen sollte

Der wissenschaftliche Koordinator der Deutschen Leberstiftung spricht sich für ein Screening aus. Seiner Ansicht nach sollten sich vier Gruppen testen lassen: Wer vor 1991 ein Bluttransfusion bekam, einmal Drogen konsumiert hat, sich im Urlaub ein Tattoo stechen ließ und "alle Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten". 

Neue Medikamente gegen Hepatitis C

Hepatitis B ist nicht heilbar, aber es gibt Medikamente, die das Virus unterdrückten; gegen Hepatitis C würden voraussichtlich 2014 und 2015 neue, nebenwirkungsfreie Wirkstoffe zugelassen, fasst Wedemeyer den Stand der Therapiemöglichkeiten zusammen. "Damit sind wir in der Lage, eine chronische Erkrankung zu heilen - das ist in der Medizin fast einmalig."

Ursachenforschung geht voran

Auch die Ursachenforschung geht voran. So haben Forscher des Frankfurter Universitätsklinikums kürzlich neue Faktoren ausgemacht, die Hepatitis B begünstigen. Ihre Erkenntnisse wurden im Fachmagazin "Hepatology" publiziert. "Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus in der Leber", erklärt Forschungsgruppenleiter Christian Lange.

Vitamin D Mangel begünstigt Hepatitis

Eine niedrige Vitamin-D-Konzentration war in dieser Studie eine der stärksten Determinanten für eine hohe Konzentration an Hepatitis-B-Viren im Blut. "Diese Erkenntnis eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die medikamentöse Behandlung der Erkrankung", schreiben die Forscher. Sie hatten vier Jahre lang mehr als 200 Patienten mit chronischer Hepatitis B untersucht und unter anderem ungewöhnlich oft einen Vitamin-D-Mangel entdeckt. Jetzt will das Team prüfen, inwieweit Vitamin D zur Behandlung chronischer Hepatitis B eingesetzt werden kann. 

Es gibt keinen nationalen Aktionsplan

"In der Forschung ist Deutschland weltweit führend", sagt Experte Wedemeyer, "in der Versorgung leider nicht". Zu diesem Ergebnis ist auch eine europaweite Studie gekommen. Einer der Hauptgründe ist, dass es in Deutschland keinen nationalen Aktionsplan gibt, "wir haben einen Flickenteppich". Einen solchen Plan möchten mehrere Organisationen gemeinsam am Dienstag in Berlin vorstellen. 

Zahl der Hepatitis-B-Erkrankungen rückläufig

Die Zahl der Hepatitis-B-Erkrankungen hat in Deutschland einen neuen Tiefstand erreicht. Im vergangenen Jahr wurden 679 Fälle mit eindeutigem Krankheitsbild gemeldet. Das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahr und die wenigsten Meldungen dieser Leberentzündung seit Beginn der Erfassung 2001, berichtet das Robert Koch-Institut am Montag in Berlin. 2001 hatten Labore und Ärzte noch rund 2.300 Erkrankungsfälle an das Institut gemeldet. Als Hauptgrund für den starken Rückgang vermuten die Experten einen verbesserten Impfschutz in der Bevölkerung.

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