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Herzinfarkt: Forscher finden genetische Ursache


Schicksal einer Großfamilie  

Forscher finden genetische Ursache für Herzinfarkt

11.11.2013, 12:59 Uhr | Nicola Kuhrt für Spiegel Online

Herzinfarkt: Forscher finden genetische Ursache. Herzinfarkt-Risiko: Forscher haben eine genetische Ursache entdeckt.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Herzinfarkt-Risiko lässt sich nur zum Teil beeinflussen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zwei Genveränderungen können, wenn sie gemeinsam auftreten, zu einem Herzinfarkt führen. Diese Entdeckung machten Mediziner, nachdem sie Mitglieder einer Großfamilie aus Deutschland untersucht hatten - 23 von ihnen hatten einen Herzinfarkt erlitten.

Ungewöhnlich viele Herzinfarkte in der Familie

Der Tod durch Herzinfarkt ist ihr allgegenwärtig: Nüchtern berichtet Agnes Diedrich (Anmerk. der Redaktion: Name geändert) über ihre Krankheit - und dass nicht nur ihr Vater und einige ihrer Cousinen, sondern auch fünf ihrer sechs Brüder an einem "Schlag" starben. "Das passierte so oft, das hat keinen mehr gewundert." Die Beamtin selbst kam 1997 mit einem Infarkt in die Reha in Bad Rothenfelde. Ihr Bruder war einen Monat früher dort gewesen, er hatte zwei Bypässe erhalten. Damals fiel den Ärzten endlich die besondere Häufung von Herzinfarkten in der Familie auf. "Natürlich waren wir bereit, an einer Studie teilzunehmen", sagt die 68-Jährige.

Suche nach genetischer Ursache

Wissenschaftler des Deutschen Herzzentrums und des Helmholtz Zentrums in München untersuchten fortan das Erbgut einzelner Familienmitglieder. Genauer: Sie suchten nach genetischen Mutationen, die Auslöser der Krankheit sein könnten. Bei jedem neuen Forschungsstand rief Agnes Diedrich ihre noch lebenden, knapp 40 Familienmitglieder bei sich im Emsland zusammen.

Zwei Genveränderungen erhöhen Risiko drastisch

Nach nun 17 Jahren ist jetzt ein Ergebnis da: Entdeckt haben die Forscher gleich zwei Genveränderungen, die, wenn sie gemeinsam auftreten, die Ursache für einen Herzinfarkt sein können, wie sie im Fachmagazin "Nature Genetics" berichten.

Demnach wirken sich die Genveränderungen negativ auf die Aktivität von Blutplättchen aus. Dies führe zu einem vermehrten Verkleben der Blutplättchen und zu einem dramatisch erhöhten Herzinfarktrisiko.

Beide Mutationen führen zur Blockade

In Deutschland erleiden jährlich rund 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, 52.000 Menschen starben laut Statistischem Bundesamt daran (2011). Ausgelöst wird der "Schlag" in Folge des Zelltods von Herzmuskelzellen, der nach einer länger andauernden Durchblutungsstörung eintritt. In den meisten Fällen ist ein Blutgerinnsel in einer Engstelle eines Herzkranzgefäßes der Auslöser.

Herzinfarkt-Risiko nur zum Teil beeinflussbar

Das Herzinfarkt-Risiko lässt sich zum Teil beeinflussen. So gelten Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht oder Rauchen als Faktoren, die schneller zu einem Infarkt führen können. Doch es gibt auch von Patienten nicht beeinflussbare Risiken wie das Alter oder eben eine genetische Veranlagung.

Enzyme arbeiten nicht mehr richtig

Hier setzten die Wissenschaftler an. Im Erbgut dreier Cousinen der Familie Diedrich, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, suchten sie nach Mutationen, die bei den gesunden Familienmitgliedern nicht vorkamen. Nach unzähligen bioinformatischen Filterschritten blieben am Ende gleich zwei Mutationen in den Genen GUCY1A3 und CCT7 übrig. Beide Gene wirken sich auf lösliche Guanylylzyklasen aus - also auf Enzyme, die unter anderem dafür sorgen, dass Arterien sich weiten und Blutplättchen gehemmt werden.

Forscher vom Institut für Humangenetik der Universität Lübeck und der Pharmakologie der Universität Bochum untersuchten die entdeckten Mutationen in Zellkulturen und im Mausmodell. Dabei zeigte sich, dass die Mutation von CCT7 die Enzymzellen instabiler werden ließ. Beide Mutationen zusammen blockierten die Enzymaktivität komplett.

Eine gute Nachricht für die Familie

Die Folgen wurden im Mausmodell deutlich: Es bildeten sich schneller Blutgerinnsel, die zum gefährlichen Verschluss der Blutgefäße führen können.

"In Zukunft werden wir prüfen, ob sich die Auswirkungen der Mutationen neutralisieren lassen", sagt Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum in München. So kann man mit Acetylsalizylsäue (ASS) leicht die Blutplättchen hemmen. Außerdem ist ein neuer Wirkstoff in Erprobung, der gezielt die lösliche Guanylylzyklase aktiviert.

Eine gute Nachricht für die Familie Diedrich gab es bereits jetzt: Nach einer Erbgutanalyse steht fest, die Tochter von Agnes ist nicht Trägerin der gefährlichen Genmutation.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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