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Multiresistenter Tuberkulose-Keim bei Flüchtlingen entdeckt

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Europaweiter Ausbruch  

Multiresistenter Tuberkulose-Keim bei Flüchtlingen entdeckt

16.01.2018, 21:00 Uhr | Lars Wienand, t-online.de

Multiresistenter Tuberkulose-Keim bei Flüchtlingen entdeckt. Ein Tuberkulose-Fall auf einem Röntgenbild: Wissenschaftler haben einen europaweiten Ausbruch eines multiresistenten Erregers entdeckt und eingedämmt.  (Quelle: dpa/Gregor Fischer)

Ein Tuberkulose-Fall auf einem Röntgenbild: Wissenschaftler haben einen europaweiten Ausbruch eines multiresistenten Erregers entdeckt und eingedämmt. (Quelle: Gregor Fischer/dpa)

Mediziner haben einen europaweiten Ausbruch eines bislang unbekannten multiresistenten Tuberkulose-Keims unter Flüchtlingen entdeckt. Desaströse Verhältnisse in Libyen sollen Ursache sein.

Bei Flüchtlingen vom Horn von Afrika ist ein bisher unbekannter Tuberkulose-Erreger gefunden worden, dem vier verschiedene Antibiotika nichts anhaben konnten. Den ersten Hinweis hatten Schweizer Mediziner gefunden, deutsche Fachleute aus Borstel entdeckten unabhängig davon einen zweiten Fall. Länderübergreifend begann die Recherche.

Aus dem Schweizer Empfangszentrum für Flüchtlinge in Chiasso kam am 12. Februar 2016 die Probe eines somalischen Asylbewerbers, die den Experten im Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien (NZM) elektrisierte: "Der Erreger wies eine Kombination von Resistenzen gegen vier verschiedene Antibiotika auf, die noch nie beschrieben worden war", erklärt Peter Keller, Entdecker des Keimes und stellvertretender Chef der Diagnostik, in einer Mitteilung der Universität Zürich. Nur kurze Zeit später machten Mitarbeiter des Nationalen Referenzzentrum (NRZ) am Forschungszentrum Borstel die gleiche Entdeckung. 

2016 in Deutschland 100 Tote durch Tuberkulose

In der Schweiz und in Deutschland gab es damit Fälle von einer Tuberkulose-Erkrankung, deren Keim den Forschern neu war und die sich nur schwer behandeln lässt. Die Erkrankten mussten isoliert werden und monatelang am Medikamententropf hängen. Tuberkulose ist die Infektionskrankheit, an der weltweit die meisten Menschen sterben. In Deutschland zählte das Robert-Koch-Institut 100 Todesfälle im Jahr 2016. Sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland gingen die Referenzzentren nun gezielt auf die Suche und stießen auf weitere Fälle dieses Keims. 

Das europäische Warnsystem im Gesundheitswesen funktionierte dann offenbar: Die zuständigen Stellen anderer Länder wurden informiert, das European Center for Disease Control and Prevention (ECDC) erhielt alle Details zum Erreger aus der Schweiz und aus Deutschland, wie die Referenzzentren berichten. Bis zum 19. April 2017 wurden dann insgesamt 29 Fälle identifiziert, zusätzlich auch in Frankreich, Österreich, Schweden, Finnland und Großbritannien. Die beteiligten Wissenschaftler schreiben in einem Beitrag für das Fachmagazin "The Lancet", bis Mitte Juli 2017 seien in Deutschland und Italien vier weitere Fälle  gemeldet worden. 

Erkrankte waren 26 oder jünger

Die Kranken waren maximal 26 Jahre alt und kamen aus Somalia (21), Eritrea (3), Sudan (2), Äthiopien (2) und Djibouti. 14 wurden in Deutschland diagnostiziert. Der Schweizer Experte Keller erklärt, dass dank der Warnung die weitere Verbreitung des Erregers verhindert werden konnte. Außerdem gibt es nun eine europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger.

Ein Bild aus einem Flüchtlingslager in Libyen: Dort herrschen miserable hygienische Zustände, dort soll sich auch der Tuberkulose-Erreger verbreitet haben.  (Quelle: Reuters/Ismail Zitouny )Ein Bild aus einem Flüchtlingslager in Libyen: Dort herrschen miserable hygienische Zustände, dort soll sich auch der Tuberkulose-Erreger verbreitet haben. (Quelle: Ismail Zitouny /Reuters)

Die Experten versuchten auch den Weg des Erregers zurückzuverfolgen und befragten die Erkrankten vertraulich. Sie kamen aus weit voneinander entfernten Orten. Damit wurde klar, dass der Keim unterwegs übertragen worden sein muss. Bei den Befragungen der Betroffenen stießen die Fachleute immer wieder auf einen Ort: Bani Walid, ein für seine katastrophalen Zustände bekanntes Flüchtlingslager in Libyen.

Mindestens zwölf der Erkrankten waren in diesem Lager, fünf davon zeitgleich im November 2015, die anderen aber zumindest aber überlappend mit einem anderen Erkrankten. Einige schilderten, in einer geschlossenen Halle mit 300 anderen Menschen eingepfercht gewesen zu sein, in der sehr unhygienische Zustände geherrscht hätten und viele Menschen gehustet hätten.

Keine Einheimischen in Europa angesteckt

Die beteiligten Wissenschaftler schreiben deshalb, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ansteckungen erfolgten und dann auf der weiteren Reise noch die anderen Patienten angesteckt wurden. Ursprünglich stamme der Erreger vermutlich aus dem Norden Somalias. Übertragung an Einheimische in Europa seien nicht gemeldet worden.

Neu ankommende Flüchtlinge werden in Deutschland bei der Eingangsuntersuchung auf übertragbare Krankheiten untersucht. Dabei wird auch die Lunge geröntgt. Die Migration vor allem aus Ländern Afrikas hat die Zahl der Tuberkulose-Fälle in Deutschland 2015 steigen lassen, 2016 blieb sie etwa auf dem Niveau. Von den 5915 festgellten Fällen lag bei 104 eine Resistenz gegen mindestens zwei Antibiotika vor. 

Quellen und weiterführende Hinweise:
- Artikel im Fachmagazin "The Lancet"
- Pressemitteilung Universität Zürich
- Pressemitteilung Forschungszentrum Borstel
- Bericht des Robert-Koch-Instituts zur Tuberkulose in Deutschland

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