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Herzerkrankungen: Warnzeichen früh genug erkennen

Weniger Tote, mehr Kranke  

Herzerkrankungen: Warnzeichen früh genug erkennen

26.10.2019, 09:54 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Herzerkrankungen: Warnzeichen früh genug erkennen. Frau bei der Untersuchung: Viele Patienten erkennen Medizinern zufolge die Symptome einer Herzerkrankung zu spät. (Quelle: Getty Images/Sitthiphong)

Frau bei der Untersuchung: Viele Patienten erkennen Medizinern zufolge die Symptome einer Herzerkrankung zu spät. (Quelle: Sitthiphong/Getty Images)

Herzkrankheiten töten weniger Menschen in Deutschland. Das ist die gute Nachricht des Deutschen Herzberichts 2018. Die Zahl der herzkranken Menschen allerdings nimmt stetig zu. Dabei sind die Gründe bekannt.

Immer weniger Menschen in Deutschland sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut "Deutschem Herzbericht 2018" der Deutschen Herzstiftung zeigt sich eine Sterblichkeitsabnahme besonders deutlich für die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und die Koronare Herzkrankheit (KHK).

"Diese Entwicklung ist erfreulich, sie lässt nicht nur auf eine Verbesserung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung, sondern auch auf Verbesserungen in der Vorsorge von Herzerkrankungen schließen", sagt Professor Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und ergänzt: "Entwarnung darf man nicht geben, denn trotz aller Fortschritte in der Herzmedizin haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit über 338.000 Sterbefällen pro Jahr ihren Schrecken noch lange nicht verloren."

Frauen sterben häufiger an Herzkrankheiten

Wie der Herzbericht zeigt, sterben bei Betrachtung aller Herzkrankheiten mehr Frauen als Männer: 107.529 Frauen gegenüber 99.503 Männern. Woran liegt das? "Frauen mit Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose als Männer mit diesen Erkrankungen", erklärt Andresen. Bei Herzklappenkrankheiten liegt die Sterblichkeitsrate bei Frauen um 51 Prozent höher, bei Herzrhythmusstörungen um 45,8 Prozent und bei Herzschwäche um 64,1 Prozent.

Als mögliche Ursachen für dieses Gefälle sehen Herzspezialisten unter anderem:

  • geschlechtsspezifische Unterschiede in der Genetik
  • anatomische Unterschiede an Herz und Gefäßen
  • Unterschiede in der Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten
  • Unterschiede in der Symptomatik von Herzkrankheiten

"Diese Punkte müssen in der herzmedizinischen Versorgung mehr berücksichtigt werden", betont Andresen. 

Herzkrankheiten nehmen weiter zu

Während die Sterblichkeitsrate etwas absinkt, nimmt die Zahl der Herzkranken hingegen weiter zu. So hat zwar die Sterblichkeit für Herzschwäche abgenommen, dennoch gehört sie zu den häufigsten Diagnosen, die einen Klinikaufenthalt notwendig machen. Ursachen einer Herzschwäche sind in den meisten Fällen chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu zählen:

  • Bluthochdruck
  • Herzinfarkt
  • Diabetes
  • Herzklappenerkrankungen
  • Vorhofflimmern (die häufigste Herzrhythmusstörung)

Neben der Herzschwäche ist die Anzahl der Klinikaufenthalte auch im Bereich Herzrhythmusstörungen und Herzklappenerkrankungen gestiegen. Herzexperten betonen – und das gilt auch für andere Herzerkrankungen – dass vor allem der Prävention eine tragende Rolle zukommt. "Wenn es uns also gelingt, diese Erkrankungen konsequent zu behandeln, oder noch besser, deren Entstehung durch Prävention zu vermeiden, hätte die Herzschwäche sehr schnell ihren Schrecken verloren", betont Andresen.

Gesunder Lebensstil – gesünderes Herz

Um das eigene Erkrankungsrisiko zu senken und einer Herz-Kreislauf-Erkrankung vorzubeugen, steht ein gesunder Lebensstil im Fokus. Fast 30 Prozent der Reha-Herzpatienten sind Raucher, 18 Prozent stark übergewichtig, 22 Prozent haben Diabetes.

Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge reduziert sich ein Jahr nach dem Rauchstopp die Gefahr für eine koronare Herzkrankheit auf die Hälfte des Risikos eines Rauchers. Nach zwei bis fünf Jahren kann das Schlaganfallrisiko bereits auf das eines Nichtrauchers sinken. Nach 15 Jahren ist das Risiko für eine koronare Herzkrankheit nicht mehr höher als bei einem lebenslangen Nichtraucher.

Warnzeichen für krankes Herz frühzeitig ernst nehmen

Der Aufklärung kommt Medizinern zufolge ebenfalls eine wichtige Rolle zu, denn: "Die Herzschwäche beginnt zumeist langsam, Symptome wie Luftnot beim Treppensteigen werden fehlgedeutet und oftmals auf das Alter geschoben. Geschwollene Füße werden gar nicht bemerkt – tut ja auch nicht weh", so Andresen. Auch bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Symptome übersehen werden.

Aufmerksam werden sollten Sie bei diesen Beschwerden:

  • Atemprobleme: Sie können auf Herzschwäche, verengte Herzkranzgefäße, einen Herzklappenfehler oder eine Herzmuskelentzündung hinweisen.
  • Herzbeschwerden wie Herzstechen: Diese Symptome  können eine koronare Herzkrankheit (KHK) mit verengten Gefäßen oder eine Herzmuskelentzündung andeuten.
  • Starke Herzschmerzen: Schmerzen in der Brust gehören zu den Warnzeichen für einen Herzinfarkt – ebenso für einen Riss in der Hauptschlagader. Auch eine Lungenembolie löst starke Brustschmerzen aus.
  • Müdigkeit und Leistungsabnahme: Diese Anzeichen können auf ein schwaches Herz oder eine Herzentzündung hindeuten.
  • Herzrhythmusstörungen: Sie treten häufig bei Bluthochdruck, Herzklappenfehlern, einer KHK oder einer Herzschwäche auf.
  • Schwellungen an den Beinen: Geschwollene Beine und Füße können Anzeichen einer Herzschwäche sein.
  • Potenzprobleme: Sie können bei Männern Durchblutungsstörungen aufgrund verengter Gefäße (Arteriosklerose) anzeigen.

Das Alter ist ein Herzrisiko

Hinzu kommt, dass die Deutschen älter werden. Mit dem Alter steigt die Gefahr, dass sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt beziehungsweise verschlechtert. Das liegt nicht nur an den Alterungsprozessen im Körper und an den möglichen Folgen eines ungesunden Lebensstils.

Mit dem Alter nehmen Experten zufolge viele Patienten die Medikamenteneinnahme nicht mehr ernst. Die Dosierung wird oft eigenmächtig angepasst oder das Medikament ganz abgesetzt. Die Einnahme findet nur unregelmäßig statt oder wird ganz vergessen. "Hier müssen wir durch gezieltere ambulante Versorgung, vor allem aber durch bessere Aufklärung über Krankheitssymptome und Therapiemöglichkeiten, besser gegensteuern", sagt Andresen.

Wiederbelebung kann Leben retten

Auch bei den Kenntnissen zu lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen wünschen sich Herzexperten mehr Wissen. Der Deutschen Herzstiftung zufolge erleiden jedes Jahr etwa 65.000 Menschen in Deutschland ein plötzliches Herzversagen. Über 60.000 versterben daran. Ein großer Teil von ihnen könnte gerettet werden, wenn Zeugen (zumeist Angehörige) sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage) beginnen würden. Auswertungen der Herzstiftung zufolge ist das leider nicht der Fall: Die Laienreanimationsquote beträgt in Deutschland etwa 30 bis 35 Prozent.

"Wir müssen in den Schulen bereits damit beginnen, Schüler über solche Notfälle aufzuklären und sie in der Laienreanimation auszubilden. Darüber hinaus sollten Präventionsstrategien zur Bekämpfung der wichtigsten Grunderkrankungen des Plötzlichen Herztodes, allen voran die koronare Herzkrankheit, zur Anwendung kommen", wünscht sich Andresen. Hier habe die Herzmedizin mit Katheterverfahren, aber auch schonenden operativen Eingriffen sowie neuen medikamentösen Therapien viel erreicht. "Aber es gibt Verbesserungspotenziale", unterstreicht der Experte.

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Herzstiftung
  • rauchfrei-info.de

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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