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Lockerung der Corona-Maßnahmen? Ergebnisse der Heinsberg-Studie machen Hoffnung


Erste Ergebnisse der Heinsberg-Studie machen Hoffnung

  • Melanie Rannow
  • Sandra Simonsen
Von M. Rannow, S. Simonsen, N. Sagener

Aktualisiert am 10.04.2020Lesedauer: 3 Min.
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Umstrittene Zwischenergebnisse: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet informierte mit Stephan Pusch, Landrat aus Heinsberg und dem Virologen Hendrik Streeck über die Heinsberg-Studie.
Umstrittene Zwischenergebnisse: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet informierte mit Stephan Pusch, Landrat aus Heinsberg, und dem Virologen Hendrik Streeck über die Heinsberg-Studie. (Quelle: Land NRW/Uta Wagner)
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Bereits seit zehn Tagen werden die Menschen und Haushalte im Kreis Heinsberg untersucht, jetzt gibt es erste Ergebnisse der Covid-19-Studie. Der Virologe Hendrik Streeck präsentiert erste wichtige Erkenntnisse.

Hendrik Streeck ist derzeit einer der wichtigsten Virologen Deutschlands. Aktuell leitet er im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg die Studie "Covid-19 Case Cluster-Study". Die Untersuchung ist die erste, die eine für Deutschland repräsentative Stichprobe der Bevölkerung untersucht. Deshalb setzt auch die Politik große Hoffnungen in die Studie und ihre Ergebnisse.

Der 42-jährige Direktor am Institut für Virologie im Universitätsklinikum Bonn und sein Team wollen mit der Studie herausfinden, über welche Wege sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 überträgt, wie viele der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation landen oder versterben, und wie hoch die Dunkelziffer ist – also die Zahl derjenigen, die sich unbemerkt mit dem Virus anstecken. Jetzt gibt es erste Zwischenergebnisse.

Zwischenergebnisse der Studie in Heinsberg

Bisher wurden im Kreis Heinsberg mehr als 1.000 Menschen in über 400 Haushalten untersucht, etwa die Hälfte der getesteten Haushalte und die Tests von 509 Personen wurden bereits ausgewertet. Das entspricht laut Professor Streeck einer repräsentativen Stichprobe. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass in der Gemeinde Gangelt eine Immunität von 15 Prozent der Bevölkerung nachgewiesen werden konnte.

Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben liege dort, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten, bei 0,37 Prozent. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung würden 0,06 Prozent der Menschen an Covid-19 sterben. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate verstorbener Infizierter betrage 1,98 Prozent und liege damit um das Fünffache höher, sagte der Virologe. In Gangelt seien auch Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, die keine oder nur milde Symptome hatten.

Studienergebnisse für Lockerung der Maßnahmen?

Aufgrund der ersten Ergebnisse hält Streeck eine beginnende Lockerung der strengen Auflagen im Zuge der Coronavirus-Pandemie für möglich. Weil die meisten Menschen "so aktiv und diszipliniert" mitmachten, sei es jetzt möglich, in eine "Phase zwei" einzutreten, sagte Streeck am Donnerstag.

Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland (Stand: 7. April 2020; Quelle: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation).
Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland (Stand: 7. April 2020; Quelle: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation).

Streeck unterstützt die Vier-Phasen-Strategie der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Man habe erfolgreich die erste Phase hinter sich gebracht, nämlich die gesellschaftliche Quarantänisierung. Nun sei es Zeit, in die zweite Phase einzutreten: die beginnende Rücknahme der Quarantänisierung. Auch in dieser Phase müssten Risikogruppen weiter verstärkt geschützt werden, so die Forscher. Das würde beispielsweise bedeuten, dass Besuche in Altersheimen weiterhin nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sind.

Wichtig sei zudem, dass hygienische Verhaltensweisen weiterhin eingehalten würden. "Wir haben gelernt, wie wir uns hygienisch richtig verhalten", sagte Streeck. Die Entscheidung müsse letztlich jedoch von der Politik getroffen werden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte an, dass die Ergebnisse in der kommenden Woche in die Entscheidungen des Krisenstabs eingebunden würden.

Der Landrat des Kreises Heinsberg Stephan Pusch sagte, die restriktiven Schutzmaßnahmen zeigten Wirkung. Die Kurve der Infektionszahlen flache ab. "Der Kreis Heinsberg ist an einer riesengroßen Katastrophe vorbei geschlittert."

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Immunität bedeutet Verlangsamung der Ausbreitung

Dadurch, dass in Gangelt bereits 15 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Coronavirus sind, werde die Ausbreitung verlangsamt. Bisher habe die Immunität allerdings einen begrenzten Zeitraum von sechs bis 18 Monaten. Die Pilotstudie zeige in diesem Zwischenergebnis, dass mit einer Rücknahme von Auflagen bei Sicherung der Hygienemaßnahmen begonnen werden könne, sagt Streeck. Damit würde in die zweite Phase übergegangen, Phase vier wäre schließlich der Zustand, wie er vor Ausbruch des Coronavirus war.

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Allerdings ist die Immunität aus dem Kreis Heinsberg nicht auf Deutschland übertragbar. Eine Herdenimmunität wäre bei 60 bis 70 Prozent erreicht. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass die Infektionsrate und auch der Schweregrad von Covid-19 durch die Einhaltung der Hygienemaßnahmen reduziert werden können.

Übertragungswege werden weiter untersucht

Bisher ist gesichert, dass der Hauptübertragungsweg des Coronavirus die Tröpfcheninfektion ist. Sicher sei nun zudem, dass das Coronavirus auf Flächen überleben kann, ob es dann auch zur Übertragung kommt, muss jedoch weiter untersucht werden. Vor allem in der frühen Erkrankungsphase gebe es besonders viele Viren im Mund-Rachen-Bereich. Deshalb sei es besonders wichtig, Abstand zu halten und Mundschutz zu tragen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Pressekonferenz zur Studie
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Christiane Braunsdorf
Armin LaschetCOVID-19CoronavirusDeutschlandHeinsbergHendrik Streeck
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