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Virologin zu Corona-Forschung: "So schnell war Impfstoffentwicklung noch nie"


"So schnell war die Impfstoffentwicklung noch nie"

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 30.05.2020Lesedauer: 5 Min.
Interview
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

Prof. Dr. Marylyn Addo: Die Tropenmedizinerin gehört zu den wichtigsten Experten in der Corona-Krise.
Prof. Dr. Marylyn Addo: Die Tropenmedizinerin gehört zu den wichtigsten Experten in der Corona-Krise. (Quelle: Lars Berg/imago-images-bilder)
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Prof. Dr. Marylyn Addo ist eine der wichtigsten Expertinnen in der Corona-Krise. Im Interview mit t-online.de schätzt sie, wann mit einem Impfstoff gerechnet werden kann.

Bereits 2014 hat Prof. Dr. Marylyn Addo an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Ebola-Virus mitgewirkt. Jetzt arbeitet die Wissenschaftlerin auch an einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht und behandelt ihr Team auch Corona-Infizierte.


Diese bekannten Forscher sitzen im neuen Expertenrat

Prof. Dr. Christian Drosten: Der Chefvirologe der Berliner Charité zählt zu den bekanntesten Gesichtern seit der Corona-Pandemie. Drostens Forschungsschwerpunkte sind neu auftretende Viren – insbesondere mit Coronaviren kennt sich der Virologe seit Jahren aus. Sein Wissen teilt er regelmäßig im NDR-Podcast "Coronavirus-Update".
Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis: Er ist Geschäftsführender Oberarzt der Lungenklinik Köln-Merheim und Leiter des dortigen Ecmo-Zentrums. Außerdem ist er wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN).
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Vor SARS-CoV-2 untersuchte die Arbeitsgruppe der Medizinerin vor allem virale Infektionen wie Ebola oder das MERS-Coronavirus. Addo wurde 1970 in Bonn geboren und studierte in Bonn, Straßburg und Lausanne. Sie promovierte an der Universität Bonn, erhielt einen Masters Degree in London und zog für eine infektiologische Facharztausbildung nach Boston. Seit 2015 leitet sie die Abteilung Infektiologie am UKE. Im Gespräch mit t-online.de erklärt sie, warum sowohl Impfstoff als auch Medikamente gegen Covid-19 gebraucht werden und für wie wahrscheinlich sie eine erneute Coronavirus-Welle hält.

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t-online.de: Sie haben ja bereits an der Entwicklung eines Ebola-Impfstoffes mitgewirkt, wie würden Sie den aktuellen Stand der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus einschätzen?

Prof. Dr. Marylyn Addo: Beide Impfstoffentwicklungen – also Ebola damals und auch SARS-CoV-2 jetzt – müssen und mussten in einem enormen Tempo vorangehen. Ich würde sagen, bei jedem Ausbruch hat sich die Impfstoffentwicklung beschleunigt. Das liegt zum einen daran, dass wir aus anderen Ausbrüchen gelernt haben, aber zum anderen auch daran, dass die Technologien noch schneller und innovativer sind. Es ist noch nie da gewesen, dass ein Virus im Januar entdeckt wurde und im März dann schon der erste Mensch in einer klinischen Prüfung geimpft wurde. So schnell war die Impfstoffentwicklung noch nie. Das fühlt sich natürlich für alle immer noch zu langsam an. Aber es gibt über 140 Impfstoffstrategien momentan, viele von den Impfstoffen sind schon in der klinischen Prüfung. Es gab schon die ersten Resultate von einer Studie mit 100 Menschen aus China mit einem viralen Vektorimpfstoff. Also das geht schon rasant schnell. Ich glaube auch, dass wir bald – also zur zweiten Jahreshälfte – die ersten Schutzdaten sehen. In den jetzt laufenden Studien geht es ja vor allem um die Sicherheit der Impfstoffe. In der nächsten Phase werden wir testen, ob jemand, der den Impfstoff bekommt, ihn gut verträgt, ausreichend Antikörper bildet und auch vor einer Infektion geschützt ist. Wenn das in diesem Tempo weitergeht, werden wir hier erste Ergebnisse vielleicht schon in der zweiten Jahreshälfte haben. Also: Es läuft gut.

Was wird Ihrer Einschätzung nach schneller verfügbar sein, ein Impfstoff oder Medikamente gegen Covid-19?

Die Medikamente sind auch in der klinischen Prüfung und da hat das Medikament Remdesivir zumindest eine gewisse Wirksamkeit gezeigt. Dabei handelt es sich um ein Beiprodukt, ursprünglich wurde es für die Behandlung von Ebola entwickelt. Bis ein gezielt für Covid-19 hergestelltes Medikament existiert, wird es wahrscheinlich noch ein bisschen dauern. Aber wir haben mit Remdesivir schon einmal ein Medikament, das wir bei bestimmten Covid-19-Patienten einsetzen können. Und es laufen klinische Prüfungen – also ich denke, dass auch hier das Tempo hoch ist und wir vielleicht bald neue Wirkstoffe zur Verfügung haben.

Auch die Entwicklung der Impfstoffe geht recht schnell. Das kommt allerdings auch darauf an, wie sich die Pandemie weiterentwickelt: Wenn es keine Corona-Fälle mehr gibt, wird es auch schwierig, einen Beweis zu führen. Momentan gibt es ja leider in der Welt noch genug Fälle – daher kann es gut sein, dass wir da auch bald Signale bekommen.

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Ich denke, wir haben momentan eigentlich schon die Situation, dass wir ein Medikament haben und noch keinen Impfstoff. Und wir werden beides brauchen – Remdesivir wird nicht die einzige Antwort bleiben, es werden auch bessere Medikamente entwickelt werden müssen. Auch, wenn es einen Impfstoff gibt. Denn bis der alle Menschen erreicht hat, wird es weiterhin Infektionen geben, die wir behandeln müssen.

Für wie erfolgsversprechend halten Sie das Konzept der passiven Immunisierung?

Bei der passiven Immunisierung wird die Immunität einer genesenen Person auf eine kranke Person transferiert. Im individuellen Heilversuch von Covid-19-Erkrankten kann schon derzeit Blutplasma von genesenen Corona-Erkrankten verabreicht werden oder in der Zukunft eventuell Antikörper, die von Gesundeten isoliert werden. Beides wurde beispielsweise bei Ebola getestet und hier hat das sogenannte Rekonvaleszentenplasma nicht so gut funktioniert. Im Gegensatz dazu ist der therapeutische Einsatz von monoklonalen Antikörpern mittlerweile die Standardtherapie für Ebola. Die Message muss sein: Das ist ein sehr interessantes Konzept, aber wir müssen in Studien prüfen, ob es auch funktioniert.

Was halten Sie von den Lockerungen, die aktuell in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern durchgeführt werden – rechnen Sie mit einer zweiten Infektionswelle?

Es ist in dieser Situation und in der Biomedizin allgemein nie möglich hundertprozentige Vorhersagen zu treffen. Insgesamt würde ich sagen, dass der Verlauf bisher und die sinkenden Zahlen das Resultat davon gewesen sind, dass die Gesellschaft in Deutschland den sogenannten „Lockdown“ so gut mitgemacht hat und die Maßnahmen eingehalten hat. Insofern ist es meiner Meinung nach auch gerechtfertigt, jetzt Lockerungen zuzulassen. Hinzu kommt, dass der Sommer beginnt und sich die Menschen viel im Freien bewegen. Wichtig ist es zu beobachten,, wie sich „Superspreading-Events“ verhalten. Also wenn 50 oder 100 Fälle zum Beispiel im Kontext eines Gottesdienstes, einer Feier oder auch in einem Altenheim auftreten. Dann muss schnell gehandelt werden. Das wird uns sicherlich noch begleiten. Ob wir jetzt im Herbst noch einmal so eine große Welle bekommen, kann sicher keiner vorhersagen. Ich würde denken, dass viele sagen: "Es muss nicht unbedingt sein." Aber diese Prognosen sind immer schwierig, weil es tatsächlich keiner wissen kann.

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Aus aktuellem Anlass: Verstehen Sie die Angriffe auf Prof. Christian Drosten und die Kritik an seiner Studie, die nun auch von Kollegen wie Prof. Alexander Kekulé aus Halle kommt?

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Ich finde diese Situation bestürzend und ganz schlimm. Das ist ein Diskurs, der meiner Meinung nach nicht in den Medien geführt werden darf. Sowohl die Form als auch die Art finde ich verwerflich. Ich distanziere mich auch sehr davon, dass Menschen wie Herr Drosten oder auch Herr Lauterbach beispielsweise Morddrohungen erhalten, das müssen wir als Gesellschaft unterbinden. Das finde ich in diesem Kontext besonders wichtig.

Stichwort Aerosol: Wie riskant ist die Verbreitung des Virus über die Luft – kann ein Mund-Nasen-Schutz eine Ausbreitung überhaupt eindämmen?

Aerosole sind ja diese ganz kleinen Partikelchen, die auch zur Übertragung des Virus beitragen können. Unsere Maßnahmen bisher waren primär auf die Tröpfchen-Infektion fokussiert. Es gibt Studien, die zeigen, dass auch Aerosole durch den Mund-Nasen-Schutz eingedämmt werden können. Grundsätzlich sollte jeder immer wieder die wichtigsten Hygieneregeln einhalten: Händewaschen, Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen und die Husten- und Niesetikette beachten. Damit lässt sich das Infektionsrisiko minimieren. Lüften und gute Luftzirkulation sind ebenso ein wichtiges Thema. Wenn man diese Maßnahmen konsequent durchführt, kann man auch das Ausbreiten von Aerosolen eindämmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Prof. Addo!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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