Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Herz-Kreislauf & Cholesterin >

Herzschwäche: Regionale Unterschiede stellen Forscher vor Rätsel


Mehr Tote im Osten  

Herzschwäche: Unterschiede stellen Forscher vor Rätsel

01.07.2020, 15:24 Uhr | dpa

Herzschwäche: Regionale Unterschiede stellen Forscher vor Rätsel. 3D-Illustration eines Herzens: In der aktuellen Studie wurde die Entwicklung zwischen den Jahren 2000 und 2017 untersucht. (Quelle: Getty Images/ rustycloud)

3D-Illustration eines Herzens: In der aktuellen Studie wurde die Entwicklung zwischen den Jahren 2000 und 2017 untersucht. (Quelle: rustycloud/Getty Images)

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzschwäche haben in den letzten Jahren zugenommen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Osten schwerer betroffen ist als der Westen. Woran liegt das?

Herzschwäche ist im Osten viel weiter verbreitet und es sterben deutlich mehr Menschen daran als im Westen. Der Grund ist unklar.

30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in Ostdeutschland viel mehr Krankenhausaufnahmen wegen Herzschwäche als in Westdeutschland. Auch sterben im Osten deutlich mehr Menschen an Herzschwäche, die auch Herzinsuffizienz genannt wird.

Das geht aus veröffentlichten Studie der HFA Discoveries hervor, einer wissenschaftlichen Plattform der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Herzinsuffizienz gilt als häufigster Grund für Krankenhauseinweisungen in Deutschland.

Keine Angleichung nach Wiedervereinigung

Bislang seien die Forscher davon ausgegangen, dass sich Anzahl und Dauer der Krankenhausaufenthalte und auch die Zahl der Toten durch Herzschwäche nach der Wiedervereinigung angleichen würden, sagt Erstautor Marcus Dörr von der Universitätsmedizin Greifswald. "Diese Hypothese musste verworfen werden – und in der Tat wurde das Gegenteil festgestellt", erklärte Dörr.

Studie zeigt: stärkerer Anstieg in Ostdeutschland

In der aktuellen Studie wurde die Entwicklung zwischen den Jahren 2000 und 2017 untersucht. Die ausgewerteten Daten stammen aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, einer jährlichen Erhebung von stationären Routinedaten. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die absolute Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz in ganz Deutschland von 2000 bis 2017 dramatisch zunahm, nämlich um 93,9 Prozent (von 239.694 Fällen pro Jahr auf 464.724 Fälle pro Jahr). Dieser Anstieg war in Ostdeutschland (+118,5 Prozent) deutlich stärker als in Westdeutschland (+88,3 Prozent).

2017 war die Herzinsuffizienz mit einem Anteil von 8,2 Prozent an den Todesfällen im Krankenhaus dort mit Abstand die häufigste Todesursache. Im Osten gab es 64 beziehungsweise 65 Todesfälle je 100.000 Einwohner in den Jahren 2000 und 2017, im Westen in denselben Jahren 39 beziehungsweise 43 Todesfälle je 100.000 Einwohner.

Mögliche Gründe für die Ergebnisse

Dörr zufolge lässt sich der Unterschied nicht mit dem vier Jahre höheren Durchschnittsalter im Osten erklären. "Eine mögliche Erklärung für unsere Befunde könnte in der unterschiedlichen Prävalenz (Häufigkeit) von Risikofaktoren liegen, welche die Entstehung sowie das Fortschreiten und damit die Notwendigkeit für eine Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz beeinflussen", sagt er.

So kämen Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas in Ostdeutschland häufiger vor als in Westdeutschland. Verschiedene Strukturen der Patientenversorgung könnten die Unterschiede zumindest teilweise erklären, sagt Dörr. Noch seien die Gesundheitssysteme nicht vollständig angeglichen.

Mehr Krankheiten im Osten

Professor Andreas Stang vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung sagt, die Studie sei so neu, dass er sie noch nicht kenne. Im Durchschnitt sei aber die Bevölkerung im Osten aber kränker als im Westen. So seien Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes mellitus wesentlich häufiger als in westdeutschen Bundesländern. "Dies löst mehr und schwere Herzkrankheiten aus", sagt er.

Dörr erklärt, weitere Forschung sei nötig. Zudem sei herauszufinden, ob solche regionalen Unterschiede auch in anderen europäischen Ländern bestehen. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal