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Corona-Pandemie | Bringt Omikron die Wende? "Es sieht sehr gut aus!"


Bringt Omikron die Wende? "Es sieht sehr gut aus!"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 4 Min.
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Corona-Impfung: Wie viele Pikse sind nötig?
Corona-Impfung: Wie viele Pikse sind nötig? (Quelle: picture alliance/dpa | Oliver Berg/dpa-bilder)
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Erst zwei Pikse, dann Boostern

Wie viele Spritzen brauchen wir, um Corona in den Griff zu bekommen? Angesichts der Gefahr durch die Omikron-Variante startete Israel bereits eine Impfkampagne für den vierten Piks für Ältere und Immungeschwächte. Doch erste Ergebnisse sind eher bescheiden. Brauchen wir so viele Impfungen wirklich? t-online fragte den Immunologen Andreas Radbruch.


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t-online: Herr Radbruch, aus Ihrer Sicht, wie lange hält der Impfschutz nach der zweiten und nach der dritten Impfung?

Andreas Radbruch: Die zugelassenen Impfstoffe sind sehr gut. Das zeigt sich immer wieder. Die hohe Quote von zweifach Geimpften von über 80 Prozent der über 18-Jährigen und über 85 Prozent bei den über 60-Jährigen hat offenbar zu einer deutlichen Senkung der Krankheitslast beigetragen.

Auch mehr als sechs Monate nach der zweiten Impfung beträgt der Schutz vor schwerer Erkrankung der Geimpften bei Infektion mit allen bisherigen Varianten von SARS-CoV-2 noch über 95 Prozent – auch bei den Älteren. Und das wird vermutlich auch so bleiben, denn die Geimpften haben ein stabiles immunologisches Gedächtnis aufgebaut, was man daran sehen kann, dass die Zellen, die die schützenden Antikörper machen, sich im Knochenmark eingenistet haben.

Andreas Radbruch
Andreas Radbruch (Quelle: Gero Breloer)


Dr. Andreas Radbruch ist Immunologe und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin.

Es scheint aber nicht so stark zu sein wie bei anderen Impfungen oder warum wird dann geboostert?

Dieses Gedächtnis ist noch nicht ganz so stark wie unser Gedächtnis zum Beispiel gegen Tetanus. Durch das Boostern wird es noch einmal verstärkt. Nach den neuen Untersuchungen aus Südafrika bietet schon die zweifache Impfung mit den mRNA-Impfstoffen immer noch einen 70-prozentigen Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe bei Infektion mit der Omikron-Variante. Sie müssen sich klar machen: Das ist immer noch besser als bei Grippeimpfstoffen.

Und boostern verbessert diesen Schutz noch mal?

Ja, da wird das Boostern wohl noch eine Schippe drauflegen. Das Bundesgesundheitsministerium nennt dies fälschlicherweise "Auffrischung" des immunologischen Gedächtnisses, richtiger müsste es "Verstärkung" heißen. Die durch die zweifache Impfung erzeugte Immunität gegen schwere Verläufe vergisst das Immunsystem nicht, sie bleibt bei 95 Prozent gegen alle alten SARS-CoV-2 Varianten und 70 Prozent gegen Omikron.

Durch das Boosten wird das immunologische Gedächtnis gegen alle Varianten von SARS-CoV-2, auch gegen Omikron, noch einmal verstärkt. Wie sehr ist zurzeit unklar, das wird man erst sechs Monate nach dem Boost erfassen können, wenn die Impfreaktion abgeklungen ist und unsere Immunität auf dem immunologischen Gedächtnis beruht.

Jetzt fragen sich viele: Wie oft müssen wir denn verstärken? Wie viele Spritzen braucht es? Braucht ein älterer Mensch, der vielleicht im Oktober geboostert wurde, demnächst die vierte Spritze?

Nein, man muss dem Immunsystem auch erst mal die Zeit geben, ein wirksames Gedächtnis aufzubauen und möglichst gute Antikörper und Gedächtniszellen zu entwickeln. Die entstehen erst Monate nach der Impfung, wenn nur noch wenig Impfstoff da ist und nur noch die Immunzellen aktiviert werden, die das wenige noch erkennen können. Dann entstehen die "schärfsten" Antikörper. Nicht die Menge macht's, sondern die Qualität.

Wie kann denn die Qualität geprüft werden?

Wichtig wäre es, die Antikörpertests und die Tests zur Erfassung der Gedächtnis-Immunzellen zu standardisieren. Dann kann Immunität gemessen und verglichen werden. Und dann könnte man gezielt denjenigen, deren Immunsystem nicht so gut auf die Impfung reagiert hat, eine individuell angepasste Impfung anbieten.

Es ist doch merkwürdig, dass in einer Zeit, in der in der Medizin die "personalisierte Behandlung" auf den Schild gehoben wird, ausgerechnet beim Impfen alle gleich behandelt werden. Dabei ist unser Immunsystem so individuell wie sonst nur unsere Fingerabdrücke.

Also Ältere müssen jetzt nicht gleich zur nächsten Spritze antreten?

Aus meiner Sicht sollte nach der dritten Impfung mindestens sechs Monate abgewartet werden. Und wenn man dann wirklich nachboostern wollte, dann mit einem angepassten Omikron-Impfstoff. Ein weiterer Boost mit dem jetzigen Impfstoff macht wenig Sinn.

Wir wissen gar nicht, ob das gegen Omikron hilfreich ist?

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Nein, ständiges "blindes" Boostern macht sowieso wenig Sinn. Das Immunsystem reagiert dann irgendwann gar nicht mehr, außer mit Nebenwirkungen. Die mRNA-Impfstoffe bieten uns nach der gegenwärtigen Datenlage schon nach zwei- und dreimaliger Impfung einen sehr guten, langfristigen Schutz.

Wie schwer wird uns die Omikron-Welle treffen?

Es zeichnet sich ja ein Szenario ab, nach dem wir es jetzt mit einer Variante zu tun haben, die sich leichter verbreitet als alle bisherigen, aber die weniger schwere Verläufe induziert und gegen die auch die Geimpften schon recht gut geschützt sind. Dazu kommen alte und neue anti-virale Medikamente, die schwere Verläufe verhindern oder zumindest abmildern können. Es sieht also sehr gut aus!

Eine kleine Einschränkung: sofern nicht als Nächstes eine Variante aufkreuzt, die sich noch besser verbreitet, aber dann auch wieder schwere Verläufe induziert. Das kann man natürlich nicht ausschließen, aber zurzeit ist eine solche Variante nicht in Sicht.

Nun soll die Quarantäne-Dauer für Kontaktpersonen verkürzt werden. Ist das sinnvoll?

Hier scheint mir die Angst vor einer Lähmung des öffentlichen Lebens die treibende Kraft zu sein. Der Wunsch, die Verbreitung des Virus zu unterbrechen, tritt offensichtlich etwas in den Hintergrund. Und das kann ich gut verstehen. Es ist gewissermaßen die Kapitulation der "Zero Covid"-Strategie, die ja schon länger überfällig war. Wir werden lernen müssen, mit den Viren zu leben.

Herr Radbruch, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Interview mit Andreas Radbruch
  • Eigene Recherche
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