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Krebs behandeln: Sport hilft im Kampf gegen den Tumor

Sport als Waffe gegen den Tumor  

Dem Krebs kann man ein Stück weit davonlaufen

20.02.2016, 10:05 Uhr | Andrea Goesch

Krebs behandeln: Sport hilft im Kampf gegen den Tumor. Krebspatienten sollten sich körperlich fordern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Krebspatienten sollten sich körperlich fordern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer an einer schweren Krankheit leidet, sollte meistens seine Kräfte schonen. Dieser Rat scheint bei Krebs nicht zu gelten. Mediziner empfehlen Tumorpatienten sogar, eine Sporttherapie in die Behandlung miteinzubeziehen. Das steigere nicht nur das Wohlbefinden, sondern unterstütze auch das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs. 

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachmagazin "Cell Metabolism", wiesen dänische Forscher nach, dass intensive Bewegung gegen Krebs wirkt. Dabei handelt es sich zwar um einen Versuch an Mäusen, Experten gehen jedoch davon aus, dass beim Menschen ähnliche Schutzmechanismen greifen. 

Hohes Laufpensum bremst Tumorwachstum  

Im Tierexperiment hatten sich bei krebskranken Mäusen, die regelmäßig im Hamsterrad liefen, die Tumoren verkleinert. Verglichen mit den Geschwulsten untätiger Artgenossen waren sie um rund die Hälfte geschrumpft. Der Grund hierfür liegt nach Ansicht der Forscher im Adrenalin, dass durch intensive Bewegung freigesetzt wird. Es aktiviere die krebsbekämpfenden Immunzellen, die über das Blut zum Tumor gelangten. 

Doch lassen sich die Ergebnisse der Tier-Studie tatsächlich auf den Menschen übertragen? "Nicht in vollem Umfang", sagt Professor Karen Steindorf, Leiterin der Abteilung Bewegung, Sport und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Immunprofil des Menschen sei zu komplex, um mit dem von Mäusen verglichen zu werden. Wenn sich die Ergebnisse der Studie auf den Menschen übertragen ließen, wäre dies ein großer Fortschritt für die Krebstherapie. Doch der Weg bis dahin sei noch weit, so Steindorf.

Sportlich aktive Menschen überleben den Krebs öfter 

"Fest steht aber, dass sich Sport in vielerlei Hinsicht positiv auf eine Krebserkrankung auswirkt , vor allem was Wohlbefinden und Lebensqualität angeht," so die Expertin. Das gelte nicht nur für die sogenannte Fatigue (chronische Müdigkeit), die oft bei Krebspatienten auftritt, sondern auch für belastende Behandlungen wie OPs, Strahlen- und Chemotherapie.

Bislang gebe es  jedoch noch keine klinischen Studien, die einen direkten Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Tumorwachstum nachweisen konnten. "Wohl aber liegen Beobachtungsstudien vor, nach denen die Überlebenswahrscheinlichkeit von körperlich aktiven Patienten höher ist als bei denjenigen, die sich schonen", sagt Steindorf. 

Um zu verstehen, welche Faktoren sich auf das Krebswachstum beim Menschen auswirken, müssten aber weitere, sehr viel komplexere Untersuchungen durchgeführt werden.

Beobachtungsstudien für Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs 

Doch wie sieht es im Bereich der Prävention aus? Kann man durch Sport bestimmten Krebserkrankungen vorbeugen? "Auf jeden Fall", sagt Steindorf und verweist auf drei Beobachtungsstudien des DKFZ. Diese stellten fest, dass bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs die Sterblichkeitsrate bei bewegungsarmen Patienten höher war als bei sportlich aktiven.

Allerdings sei hier zu berücksichtigen, dass sich körperliche Bewegung grundsätzlich positiv auf den gesamten Körper auswirke, vor allem auf die Gesundheit des Herzens. Daher hätten Menschen, die sich viel bewegten, generell eine höhere Lebenserwartung. 

Krebsexpertin: Jeder zweite Tumor ist vermeidbar

Dennoch gehen Onkologen davon aus, dass körperliche Aktivität ein wesentlicher Faktor ist, um einem Tumor vorzubeugen. "Wir wissen, dass jede zweite Krebserkrankung durch einen vernünftigen Lebensstil vermeidbar wären", sagt Steindorf. Zu diesem gehörten neben einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht von Nikotin und Alkohol vor allem auch regelmäßige körperliche Bewegung.

Ist es also möglich, dem Krebs ein Stück weit davonzulaufen? "Ja", sagt Steindorf. Auch wenn die Zusammenhänge zwischen Tumorwachstum und sportlicher Aktivität nicht ausreichend bewiesen seien, habe Bewegung zahlreiche positive Effekte in Bezug auf die Vorbeugung und den Verlauf von Tumorerkrankungen. Daher sollten sich Menschen, die an Krebs erkrankt sind, körperlich fordern, sofern es ihr Gesundheitszustand zulässt.

Sporttherapie in die Behandlung miteinbeziehen  

Tumorpatienten empfiehlt Steindorf sogar eine gezielte Sporttherapie. Bewährt habe sich eine Mischung aus Ausdauersport und Krafttraining. Wichtig dabei sei, dass es sich um ein Trainingsprogramm handelt, das den körperlichen Zustand des Krebspatienten und mögliche Beeinträchtigungen berücksichtigt. "Hierzu gibt es onkologisch geschulte Trainer mit einer speziellen Ausbildung", sagt Steindorf. 

Zudem entstehen mittlerweile in vielen Regionen Sportangebote für Krebspatienten, bei denen man unter fachkundiger Aufsicht trainieren kann. Ein großes Problem sei allerdings noch die Kostenübernahme. Nur wenige Krankenkassen zahlen für die Sporttherapie.

Einen ersten Schritt macht derzeit die Technikerkrankenkasse (TK). Sie weitet ihr Angebot "Sport als Therapie" jetzt auch auf die häufigsten Krebserkrankungen aus. Im zweiten Quartal dieses Jahres können Krebskranke in ganz Deutschland über ein telemedizinisches Modell an einem entsprechenden Programm teilnehmen. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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