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Brustkrebs-Bluttest: Uniklinik entschuldigt sich für umstrittene Kampagne

Brustkrebs-Bluttest  

Uniklinik entschuldigt sich für umstrittene Kampagne

25.03.2019, 16:24 Uhr | dpa

Brustkrebs-Bluttest: Uniklinik entschuldigt sich für umstrittene Kampagne. Bluttest: Für eine wissenschaftlich strittige Veröffentlichung hat sich die Uniklinik Heidelberg entschuldigt. (Quelle: dpa/Labor/Universitätsklinikum Heidelberg)

Bluttest: Für eine wissenschaftlich strittige Veröffentlichung hat sich die Uniklinik Heidelberg entschuldigt. (Quelle: Labor/Universitätsklinikum Heidelberg/dpa)

Die Uniklinik Heidelberg zieht Konsequenzen aus einer strittigen Kampagne. Die Vorstellung eines neuen Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs hatte für Aufsehen gesorgt. Warum sich die Klinik nun entschuldigt.

Vor der Vorstellung des Tests zur Erkennung von Blutkrebs waren wissenschaftliche Überprüfungen der Ergebnisse nicht erfolgt. Die Uniklinik Heidelberg entschuldigte sich nun dafür. Zuvor wurde berichtet, dass sich die Klinik intensiv mit der Aufklärung des Falls auseinandersetzen möchte.

Kritik am wissenschaftlichen Vorgehen

Das Unternehmen Heiscreen, eine Ausgründung der Uniklinik, hatte im Februar einen neuen Brustkrebs-Bluttest vorgestellt. An der Firma sind Mitarbeiter des Krankenhauses finanziell beteiligt. Unter anderem der Projektleiter Christof Sohn. In einer Pressemitteilung, die auch das Logo der Uniklinik trug, war von "einem Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik" die Rede. Die Markteinführung sei "noch in diesem Jahr geplant". Auch t-online.de hat im Rahmen der Pressekonferenz über den Brustkrebs-Bluttest berichtet.

An dem Vorgehen Heiscreens gab es deutliche Kritik von Fachgesellschaften, Medizinern und Statistikern. Unter anderem sind die Ergebnisse von Tests an Frauen laut Uniklinik bis heute nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert – wie es in der wissenschaftlichen Praxis üblich ist. Zudem wurde bemängelt, dass entscheidende Daten zum Nutzen des Tests fehlten. 

Sohn nannte trotz Nachfrage nicht den Anteil der Fehlalarme bei dem Bluttest – also bei wie vielen gesunden Frauen das Verfahren fälschlicherweise Alarm auslöst. Diese Zahl ist für die Bewertung eines Diagnoseverfahrens zwingend notwendig. Sohn gab nun den Anteil der Fehlalarme mit 30 Prozent an.

Finanzielle Beteilung von Klinikmitarbeitern

Das Diagnoseverfahren könne zwar Ende des Jahres im Routinelabor eingesetzt werden, sagt Kliniksprecherin Doris Rübsam-Brodkorb. Damit sei der Test, der in Blutproben Botenstoffe von Tumorzellen detektieren kann, aber noch nicht auf dem Markt. Erst müssten Vertriebswege und Kostenübernahme durch die Krankenkassen geklärt werden.

Die Uniklinik entschuldige sich bei Frauen, die sich womöglich falsche Hoffnungen auf eine rasche Nutzung des Tests gemacht hätten, sagt Rübsam-Brodkorb: "Das bedauern wir sehr."

Zudem distanzierte sich die Uniklinik von der PR-Strategie zum Bluttest. Die Medienbegleitung habe Heiscreen verantwortet, sagt Rübsam-Brodkorb. Allerdings veröffentlichte die Uniklinik die Mitteilung auf ihrer Webseite. Sohn sagt, er sei mit vier Prozent an Heiscreen beteiligt, seine Uniklinik-Kollegin Sarah Schott mit über sieben Prozent.

Neue Regeln in Bezug auf "wirtschaftliche, wissenschaftliche, ethische und publizistische Fragen" sollen nun erstellt werden, die Firmenausgründungen der Universität künftig zu beachten hätten, sagt Rübsam-Brodkorb.


Brustkrebs mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Bislang basiert die Früherkennung von Brustkrebs in der Hauptsache auf regelmäßigem Abtasten und dem Mammografie-Screening, einer Röntgenuntersuchung der Brust.

Brustkrebs ist laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert Koch-Instituts mit rund 69.000 Neuerkrankungen jährlich die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts starben im Jahr 2016 rund 18.600 Frauen an Brustkrebs.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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