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Pflegenotstand: Spahn schiebt Pflegekräften den Schwarzen Peter zu

MEINUNGSpahns Forderung  

Bessere Arbeitsbedingungen allein retten die Pflege nicht

Ein Kommentar von Juliane Wellisch

20.09.2018, 16:01 Uhr
Pflegenotstand: Spahn schiebt Pflegekräften den Schwarzen Peter zu. Pflegerin hilft Frau beim Essen: Ist mehr Arbeitszeit eine Lösung für den Pflegenotstand? (Quelle: imago images/photothek)

Pflegerin hilft Frau beim Essen: Ist mehr Arbeitszeit eine Lösung für den Pflegenotstand? (Quelle: photothek/imago images)

Jens Spahn will die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern, dann würden auch Teilzeitbeschäftigte wieder mehr arbeiten. Dazu müssten die Rahmenbedingungen geändert werden. Um den Pflegenotstand zu bekämpfen, bedarf es allerdings weitsichtigerer Lösungen.

Deutschland fehlen qualifizierte Pflegekräfte. Seit Jahren steuern wir auf einen Pflegenotstand zu, doch ernst zu nehmende politische Maßnahmen sind bisher ausgeblieben. Denn dass "nur" 1,1 Millionen Menschen in der Pflege beschäftigt sind, hängt vor allem mit unattraktiven Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung zusammen. Dabei werden wir in Zukunft noch deutlich mehr Pflegerinnen benötigen: Durch den demografischen Wandel verschiebt sich die Altersstruktur in der Bundesrepublik.

Nun hat Bundesgesundheitsminister Spahn bessere Arbeitsbedingungen gefordert, um wieder mehr Pflegekräfte in Vollzeit zu bringen. "Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen." So Spahn gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Und es hört sich auch plausibel an, schließlich sind rund 72 Prozent der Pflegekräfte teilzeitbeschäftigt. Die Rechnung geht jedoch nicht auf, aus vielen Gründen. Hier sind drei davon.

Erstens: Drei, vier Stunden reichen nicht

Deutschland fehlen mehr als 35.000 Pflegekräfte. Selbst wenn man von einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden ausgeht, entspricht das eher einer Million Wochenstunden, die auszufüllen wären und nicht nur die von Spahn veranschlagten 300.000 bis 400.000. Hinzu kommt die bereits erwähnte demografische Entwicklung. Selbst wenn zahlreiche Pflegerinnen wieder mehr arbeiten würden, reichte dies nicht aus, um den Bedarf zu decken. Auch Pflegekräfte aus dem Ausland könnten hierzulande zwar die Lage entschärfen, dies kann aber in den Heimatländern zu Fachkräftemangel führen.

Zweitens: Viele Pflegekräfte sind bereits überlastet

Es gibt wohl niemanden, der bezweifelt, dass Kinder-, Kranken- und Altenpflege ausgesprochen anspruchsvolle Berufsfelder sind. Nicht selten bedeutet dies Schichtdienst, körperliche und psychische Belastung, Frustration, weil oft zu wenig Zeit für das Zwischenmenschliche in der Pflege bleibt. Viele Pflegende, die in Teilzeit arbeiten, sind bereits jetzt an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Darauf geht Spahn auch ein, indem er fordert, dass sich die Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen verbessern müssen. Doch das führt nicht automatisch zu mehr Vollzeitbeschäftigten, denn:

Drittens: Viele Pflegekräfte sind Frauen

Rund 85 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen. Es gibt neben Erziehung und Hauswirtschaft kaum ein anderes Berufsfeld, das einen derart hohen Frauenanteil hat. Das bedeutet aber auch, dass die überwiegend weiblichen Pflegekräfte oftmals deshalb in Teilzeit arbeiten, weil sie Familie und Beruf sonst nicht vereinbaren könnten. Schließlich sind vielerorts Angebote für eine Kinderganztagsbetreuung die Ausnahme. Und selbst mit dem Gehalt einer examinierten Pflegekraft lässt sich eine zusätzliche Betreuung kaum finanzieren, ohne dass von der Mehrarbeit am Ende im Portmonnaie nichts mehr übrig bleibt.

Die Probleme der Pflegekräfte reichen über ihre Arbeitszeit hinaus

Bessere Arbeitsbedingungen sind unabdingbar für die Bewältigung des Fachkräftemangels in der Pflege. Es braucht allerdings vieler Stellschrauben, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, sodass junge Menschen überhaupt in Erwägung ziehen, ihn zu ergreifen. Eine faire Bezahlung, weniger Zeitdruck und Perspektiven auch hinsichtlich der Altersversorgung sind da nur die ersten Schritte. Wer weiß, dass sein Beruf in die Altersarmut führt, orientiert sich nämlich vielleicht schon vor Beginn der Ausbildung um. Daneben müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sich insbesondere die weiblichen Pflegekräfte ausreichend ihrem Beruf widmen können. Zum Beispiel durch  flächendeckend vorhandene Angebote zur Kinderbetreuung. Davon würden nebenbei auch andere Berufsgruppen profitieren.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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