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Pflegeunterstützungsgeld: Wenn ein akuter Pflegefall eintritt

Finanzielle Unterstützung  

Pflegeunterstützungsgeld: Wenn ein akuter Pflegefall eintritt

Von Sabrina Manthey

04.02.2019, 14:29 Uhr
Pflegeunterstützungsgeld: Wenn ein akuter Pflegefall eintritt. Enkelin umarmt ihre Großmutter: Nahe Angehörige können auf Basis des Pflegezeitgesetzes eine Auszeit von der Arbeit nehmen, um die Versorgung in einem akuten Pflegefall zu organisieren. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/Eva-Katalin)

Enkelin umarmt ihre Großmutter: Nahe Angehörige können auf Basis des Pflegezeitgesetzes eine Auszeit von der Arbeit nehmen, um die Versorgung in einem akuten Pflegefall zu organisieren. (Symbolbild) (Quelle: Eva-Katalin/Getty Images)

Tritt eine unerwartete Pflegesituation ein, müssen Berufstätige oft eine Auszeit von der Arbeit nehmen. Das Pflegeunterstützungsgeld soll einen damit verbundenen finanziellen Engpass abfedern. Wir erklären Ihnen die Voraussetzungen, die Höhe und Modalitäten der Antragstellung.

Es kann von jetzt auf gleich passieren: Wenn ein naher Angehöriger plötzlich auf Betreuung angewiesen ist, haben Berufstätige das Recht auf eine unbezahlte Auszeit. Die Grundlage dafür bietet das Pflegezeitgesetz (PflegeZG). Danach haben Familienmitglieder oder nahe Verwandte für diese Zeit Anspruch auf das Pflegeunterstützungsgeld, das von den Pflegekassen gezahlt wird.

§ 2 PflegeZG – Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: "Beschäftigte haben das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, wenn dies erforderlich ist, um für einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in einer akut aufgetretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen."

Was ist das Pflegeunterstützungsgeld?

Das Pflegeunterstützungsgeld ist eine Form der Lohnersatzleistung durch die Pflegekassen. Es wird für maximal zehn Tage gewährt, wenn der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zum Beispiel aufgrund tarifvertraglicher oder betrieblicher Regelungen hat. Damit sollen finanzielle Engpässe infolge einer akuten Pflegesituation aufgefangen werden. 

Zeitraum: Der Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld besteht für insgesamt zehn Tage. Die Tage müssen nicht unbedingt von einer Person beansprucht werden. Die insgesamt zehn Tage können auch anteilig auf mehrere Personen verteilt werden.

Konkretisiert wird dies im Elften Sozialgesetzbuch – XI SGB. Der Anspruch der Beschäftigten auf Zahlung von Pflegeunterstützungsgeld richtet sich nach § 44a Absatz 3 XI SGB. Es wird von der Pflegekasse oder Versicherung des Pflegebedürftigen geleistet, wo es auch beantragt werden muss.

Älteres Paar schaut aus dem Fenster: Ein großer Personenkreis hat Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Der Anspruch kann auch auf verschiedene Angehörige verteilt werden. (Quelle: Getty Images/Marina113)Älteres Paar schaut aus dem Fenster: Ein großer Personenkreis hat Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Der Anspruch kann auch auf verschiedene Angehörige verteilt werden. (Quelle: Marina113/Getty Images)

Voraussetzungen für das Pflegeunterstützungsgeld?

Für die Beantragung des Pflegeunterstützungsgeldes gibt es einige Voraussetzungen: Es muss eine akute Pflegesituation eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen vorliegen. Es handelt sich um eine kurzfristige Arbeitsverhinderung des Arbeitnehmers, während derer er keinen Arbeitslohn oder eine Lohnfortzahlung erhält. Der Pflegebedürftige muss zudem bei einer deutschen Pflegekasse versichert sein.

Dies muss bei der Beantragung in der Regel nachgewiesen werden – anhand eines Versicherungsnachweises, einer Bescheinigung des Arztes und einer Bescheinigung des Arbeitgebers.

Wer hat Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld?

Im Pflegezeitgesetz ist geregelt, wer Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld hat. Als Beschäftigte gelten Arbeitnehmer, Auszubildende und arbeitnehmerähnliche Personen. Zugleich ist festgelegt, wer als naher Angehöriger zu bezeichnen ist:

  • Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehegatten, Lebenspartner, Partner in einer eheähnlichen oder lebenspartnerschaftsnahen Gemeinschaft, Geschwister, Ehegatten der Geschwister, Geschwister der Ehegatten, Lebenspartner der Geschwister und Geschwister der Lebenspartner
  • Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder

Stapeln von Münzen: Das Pflegeunterstützungsgeld wird nicht nur für einen begrenzten Zeitraum gezahlt, auch die Höhe der Leistung ist begrenzt. (Quelle: Getty Images/lovelyday12)Stapeln von Münzen: Das Pflegeunterstützungsgeld wird nicht nur für einen begrenzten Zeitraum gezahlt, auch die Höhe der Leistung ist begrenzt. (Quelle: lovelyday12/Getty Images)

Berechnung der Höhe

Die Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes richtet sich nach den gesetzlichen Regelungen des Kinder-Krankengeldes (§ 45 Abs. 2 SGB V). Berechnungsgrundlage ist das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers.

Grundsätzlich darf das Pflegeunterstützungsgeld pro Kalendertag 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung nicht überschreiten. Diese liegt im Jahr 2019 für die alten und neuen Bundesländer bei brutto 4.537,50 im Monat bzw. 54.450 Euro im Jahr. Auf den Tag gerechnet macht das 151,25 Euro. Daraus ergibt sich (bei 70 Prozent) eine maximale Höhe von 105,88 Euro Brutto-Pflegeunterstützungsgeld pro Tag.

Beitragsbemessungsgrenze: Damit wird eine Gehaltsgrenze bezeichnet, bis zu der die Beiträge in die Sozialversicherung prozentual ansteigen. Liegt das Gehalt über dieser Grenze müssen keine höheren Beiträge mehr gezahlt werden. Die Beitragsbemessungsgrenzen sind für die einzelnen Zweige der Sozialversicherung verschieden.

Im Einzelfall berechnet sich das Pflegeunterstützungsgeld wie folgt:

  • Das Brutto-Pflegeunterstützungsgeld beträgt 90 Prozent des Nettoeinkommens des beitragspflichtigen Arbeitnehmers.
  • Kommen Einmalzahlungen hinzu, beträgt das Brutto-Pflegeunterstützungsgeld 100 Prozent des Nettoeinkommens des beitragspflichten Arbeitnehmers.

Einmalzahlungen: Bei der Berechnung des Pflegeunterstützungsgelds wird zwischen dem reinen Nettoeinkommen des Arbeitnehmers und dem Nettoeinkommen plus Einmalzahlungen in den letzten zwöf Kalendermonaten unterschieden. Damit sind beitragspflichtige Einmalleistungen wie zum Beispiel Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld gemeint, die ergänzend zum Arbeitslohn ausgezahlt werden.

Müssen Beiträge zur Sozialversicherung geleistet werden?

Für die kurzzeitige unbezahlte Arbeitsverhinderung entrichtet der Arbeitgeber keine Beiträge zur Sozialversicherung. Für diesen Zeitraum werden die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung vom Pflegeunterstützungsgeld erbracht.

Bei gesetzlich Versicherten erfolgt dies direkt durch die Pflegekasse, wobei die Beiträge hälftig von der Pflegekasse und dem Arbeitnehmer getragen werden. Privat Versicherte oder Versicherte in einer Beamtenkasse können einen Antrag auf Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung stellen. Diese dürfen die Höhe der anteiligen Beiträge in einer gesetzlichen Versicherung nicht überschreiten.

Ausfüllen eines Formulars: Das Pflegeunterstützungsgeld muss bei der Pflegekasse beantragt werden. (Quelle: Getty Images/AndreyPopov)Ausfüllen eines Formulars: Das Pflegeunterstützungsgeld muss bei der Pflegekasse beantragt werden. (Quelle: AndreyPopov/Getty Images)

Wo muss der Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld gestellt werden?

Das Pflegeunterstützungsgeld muss bei der jeweiligen Kranken- bzw. Pflegekasse des Pflegebedürftigen gestellt werden. Dort erhalten die Angehörigen einen Antrag, den sie am besten unmittelbar ausfüllen.

Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld: Um keine Zeit zu verlieren, lohnt ein Blick in das Internet. Die meisten Kassen bieten einen Online-Antrag, der am Rechner ausgefüllt oder auch heruntergeladen werden kann.

Beim Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld handelt es sich um ein relativ einfaches Formular, in dem die Personenangaben und der Versicherungsstatus des Antragstellers und des Pflegebedürftigen erfasst werden sowie die Bankverbindung des Antragstellers. (Ein Antragsformular finden Sie unter anderem auf der Seite der AOK.)

Dem Antrag muss ein ärztliches Attest beiliegen, in dem die Pflegebedürftigkeit bzw. die akute Pflegesituation bestätigt wird. Zudem muss erklärt werden, dass während des Bezugs des Pflegeunterstützungsgeldes kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber besteht. In manchen Fällen wird eine Bestätigung des Arbeitgebers angefordert.


Verwendete Quellen:
  • Bundesministerium für Gesundheit
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • AOK
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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