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Baugemeinschaft kann Baukosten um 20 Prozent senken

Baugemeinschaft  

In der Baugemeinschaft Kosten beim Hausbau sparen

07.12.2012, 07:29 Uhr | dpa-tmn

Baugemeinschaft kann Baukosten um 20 Prozent senken. In einer Baugemeinschaft kann man beim Hausbau Kosten sparen – bis zu 20 Prozent sind drin. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In einer Baugemeinschaft kann man beim Hausbau Kosten sparen – bis zu 20 Prozent sind drin. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das eigene Haus zu bauen, ist mit erheblichen Kosten verbunden. Wer sich den Traum vom Eigenheim mit einer Baugemeinschaft erfüllt, kann dadurch einen gewichtigen Teil der Baukosten sparen. Laut Experten sind bis zu 20 Prozent Ersparnis realistisch. Dafür ist man in einer Baugemeinschaft natürlich nicht der einzige Bauherr und muss ein paar Kompromisse machen. Spielräume für die eigenen Wünsche bleiben aber dennoch. So funktioniert die Baugemeinschaft.

Der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist beliebt. Wer hier wohnen will, zahlt saftige Mieten oder horrende Kaufpreise für eine schicke Altbauwohnung. Anders die 24 Familien in der Kollwitzstraße 22. Sie haben sich ihren Traum von eigenen Heim gemeinsam erfüllt.

Mit der Baugemeinschaft Kosten sparen

Inzwischen wohnen sie in maßgeschneiderten, nagelneuen Eigentumswohnungen. Gerade einmal 2300 Euro pro Quadratmeter hätten diese durchschnittlich gekostet, erzählt Thomas Welter, einer der Eigentümer und Bundesgeschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten. Im Neubau nebenan kostete der Quadratmeter 3500 Euro. Sonderwünsche wie etwa die Badewanne im Schlafzimmer, Blockheizkraftwerk und Pelletheizung waren inklusive.

Einer der Bauherren, ein Pilot, habe den Traum von einer Penthouse-Wohnung auf dem Grundstück gehabt, den Eigentümer ausfindig gemacht und einen Kaufpreis ausgehandelt. Was fehlte, waren Miteigentümer. Ein paar Inserate und ein wenig Mundpropaganda später gab es die erste Infoveranstaltung. "800 Leute kamen damals", erinnert sich Welter. Drei Jahre später war das Mehrfamilienhaus fertig.

Bis zu 20 Prozent günstiger baut man in der Baugemeinschaft

In der Baugemeinschaft konnten Welter und seine Co-Bauherren günstiger bauen, als wenn sie sich allein an den Hausbau gemacht hätten. "Möglich ist das vor allem, weil man sich den Bauträger spart", sagt Carmen Mundorff von der Architektenkammer Baden Württemberg. Durch die Größe des Projektes sinken für den einzelnen Bauherren zudem die Kosten für Handwerker und Ausschreibungen. Notargebühren und Grunderwerbssteuer fallen nur für die unbebaute Fläche an. Daher sparen Baugemeinschaften in der Regel etwa 20 Prozent.

Banken und Baufinanzierer mögen die Baugemeinschaft

Geburtsstadt der Baugemeinschaften ist Tübingen. Dort entwickelte die Stadt das Modell nach dem Abzug des französischen Militärs Anfang der 1990er Jahre als städtebauliches Instrument, um die freigewordenen Fläche neu zu erschließen. Anfangs waren es fast ausschließlich junge Geisteswissenschaftler, die sich auf das Experiment einließen. "Junge Akademiker-Familien, die in der Studentenstadt hängengeblieben sind und auf dem Mietwohnungsmarkt nichts gefunden haben", erklärt Matthias Gütschow, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Baugemeinschaften.

Inzwischen hat der Trend auf alle Gesellschaftsschichten übergegriffen. "Arbeiter, Handwerker und Professoren, alleinerziehende Mütter und Senioren sind dabei", erklärt Gütschow. Und die Banken lieferten sich - zumindest in Süddeutschland - eine regelrechte Zinsschlacht, um die Projekte finanzieren zu dürfen.

Ein Fünftel des Baulands ist für Baugemeinschaften reserviert

Baugemeinschaften gibt es mittlerweise in vielen Großstädten. In Hamburg etwa reserviert die Stadt 20 Prozent ihrer Flächen für Baugemeinschaften und hat eigens eine Agentur gegründet, die Baugemeinschaften berät und für die Grundstücksvergabe zuständig ist. Der Potsdamer Architekt Dietrich Wiemer verwirklichte sich zunächst als Bauherr in einer Baugemeinschaft 1999 seinen Traum vom Loft in einer Fabrikhalle. Seither entwickelt er beruflich Projekte für Baugemeinschaften aller Art. Die Bandbreite der Immobilien reicht vom Umbau einer alten Brauerei-Ruine über die Sanierung von Altbauvillen bis hin zum Neubau von Doppelhaushälften.

Bauen in der Baugemeinschaft erfordert Kompromisse

Das Prinzip einer Baugemeinschaft ist einfach: Man tut sich zusammen, meist als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), kauft als solche das Grundstück, engagiert einen Architekten und baut. In der Praxis funktioniert das allerdings selten so reibungslos. Die Probleme liegen nicht etwa im rechtlichen Bereich oder bei der Finanzierung, sondern in der Vielzahl der Interessen, die bei einem solchen Projekt unter einen Hut gebracht werden müssen. "Auf dem Weg zum Wunschwohnen müssen viele Kompromisse gemacht werden", betont Carmen Mundorff.

Von der Gestaltung der Außenanlagen über die ökologische Ausrichtung bis hin zur Farbe der Ziegel - beim Hausbau gibt es viele Streitpunkte, weiß auch Matthias Gütschow. Er empfiehlt, grundsätzlich einen externen Projektleiter zu engagieren, der Entscheidungsprozesse moderiert. Denn eine gute Diskussions- und Streitkultur sei das Fundament einer jeden erfolgreichen Baugemeinschaft.

Eine gute Baumgemeinschaft wird oft zur guten Nachbarschaft

Die Berliner Baugemeinschaft Kollwitzstraße hat die Moderation in Eigenregie durchgeführt. Anfangs gab es wöchentliche Planungstreffen, später monatliche. "Diskussion und Koordination sind die Standardeigenleistungen", sagt Welter. "Wer das Planen und Bauen übersteht, den kriegt danach nichts mehr auseinander."

Entsprechend scheitern Baugemeinschaften entweder im Anfangsstadium, weil sich kein Vertrauen bildet, oder sie wachsen zu einer echten Hausgemeinschaft zusammen. In Wiemers Loft dauert die jährliche Eigentümerversammlung gerade einmal eine Stunde. Und Welter scherzt: "Ich baue nie wieder, so gut kann es nur einmal sein."

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